Leberzellkarzinom (HCC): Lenvatinib-Therapie & Nutzen
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht bewertet den Zusatznutzen von Lenvatinib bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom (HCC). Voraussetzung ist, dass zuvor noch keine systemische Therapie stattgefunden hat.
Für die Bewertung wird die Population in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe umfasst Personen mit Child-Pugh-Stadium A oder ohne Leberzirrhose. Die zweite Gruppe schließt Personen mit Child-Pugh-Stadium B ein.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie dient bei Child-Pugh A Sorafenib. Bei Child-Pugh B wird Best Supportive Care (BSC) als Vergleichstherapie herangezogen.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen von Lenvatinib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie:
Patientengruppe mit Child-Pugh A oder ohne Leberzirrhose
Für diese Gruppe wurde Lenvatinib mit Sorafenib verglichen. Beim Gesamtüberleben zeigt sich laut Bericht kein statistisch signifikanter Unterschied, weshalb hierfür kein Zusatznutzen belegt ist.
Bei der Symptomatik und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ergeben sich gemischte Resultate:
-
Ein beträchtlicher Zusatznutzen zeigt sich bei der Verringerung von Diarrhö für Personen unter 75 Jahren.
-
Ein geringer Zusatznutzen ergibt sich bei der Rollenfunktion, dem Körperbild und der Ernährung.
-
Ein geringerer Nutzen zeigt sich hingegen bei der kognitiven Funktion für Personen aus westlichen Regionen.
Hinsichtlich der Nebenwirkungen (schwere unerwünschte Ereignisse, Therapieabbrüche) ist ein höherer oder geringerer Schaden nicht belegt. Da jedoch verwertbare Daten zu spezifischen unerwünschten Ereignissen fehlen, ist eine abschließende Abwägung von Vor- und Nachteilen nicht möglich.
In der Gesamtschau ist ein Zusatznutzen von Lenvatinib gegenüber Sorafenib für diese Patientengruppe nicht belegt.
Patientengruppe mit Child-Pugh B
Für Personen mit Child-Pugh-Stadium B liegen dem IQWiG keine relevanten Studiendaten im Vergleich zu Best Supportive Care vor.
Folglich ist ein Zusatznutzen von Lenvatinib für diese Fragestellung nicht belegt.
Dosierung
Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht der behandelten Person. Dosisanpassungen erfolgen aufgrund von Toxizitäten, nicht bei Gewichtsveränderungen während der Therapie.
| Medikament | Dosis | Indikation / Patientengruppe |
|---|---|---|
| Lenvatinib | 8 mg (2x 4 mg) 1-mal täglich | Körpergewicht < 60 kg |
| Lenvatinib | 12 mg (3x 4 mg) 1-mal täglich | Körpergewicht ≥ 60 kg |
Die Kapseln werden unzerkaut mit Wasser eingenommen. Alternativ ist eine Auflösung in Wasser oder Apfelsaft möglich.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
-
Anwendung während der Stillzeit ist kontraindiziert
-
Schwere Hypertonie (Blutdruck muss vor Therapiebeginn gut eingestellt sein)
-
Risiko für Hepatotoxizität, Nierenversagen und gastrointestinale Perforationen
-
Risiko für arterielle Thromboembolien und schwerwiegende Blutungen
-
Verlängerung der QT-Zeit (Elektrolyte vor und während der Therapie kontrollieren)
💡Praxis-Tipp
Ein wesentlicher Aspekt des IQWiG-Berichts ist das Fehlen verwertbarer Daten zu spezifischen unerwünschten Ereignissen. Dies führt dazu, dass trotz einzelner positiver Effekte auf die Lebensqualität in der Gesamtabwägung kein Zusatznutzen belegt werden kann. Es wird auf eine engmaschige Überwachung der Leber- und Nierenfunktion sowie des Blutdrucks hingewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen für Lenvatinib in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Leberzellkarzinoms nicht belegt. Dies gilt sowohl für Personen mit Child-Pugh A als auch mit Child-Pugh B.
Die Dosierung ist gewichtsabhängig. Personen unter 60 kg erhalten 8 mg täglich, Personen ab 60 kg erhalten 12 mg täglich.
Für Personen mit Child-Pugh A oder ohne Leberzirrhose wird Sorafenib als Vergleichstherapie herangezogen. Bei Personen mit Child-Pugh B dient Best Supportive Care als Vergleich.
Der Bericht stellt einen beträchtlichen Zusatznutzen bei der Verringerung von Diarrhö für Personen unter 75 Jahren fest. Zudem gibt es Hinweise auf einen geringen Zusatznutzen bei Rollenfunktion, Körperbild und Ernährung.
Das IQWiG bemängelt, dass keine geeigneten Auswertungen für häufige spezifische Nebenwirkungen vorgelegt wurden. Dadurch ist eine abschließende Abwägung von Vor- und Nachteilen gegenüber Sorafenib nicht möglich.
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Quelle: IQWiG A18-57: Lenvatinib (Leberzellkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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