Kontrazeption: Notfallverhütung und IUD-Einlage (2025)
Hintergrund
Die "Selected practice recommendations for contraceptive use" (SPR) der WHO (2025) bilden eine zentrale Grundlage für die sichere und effektive Anwendung von Verhütungsmethoden. Sie ergänzen die medizinischen Zulassungskriterien (MEC) um praxisnahe Handlungsanweisungen.
In der vierten Auflage wurden insbesondere neue Evidenzen zum Schmerzmanagement bei der Einlage von Intrauterinpessaren (IUD) bewertet. Zudem wurden Empfehlungen zur Anwendung von Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA) im Postpartum-Intervall aktualisiert.
Die Leitlinie richtet sich an medizinisches Fachpersonal und zielt darauf ab, unnötige medizinische Barrieren bei der Verordnung von Kontrazeptiva abzubauen. Dabei wird die Wichtigkeit einer informierten und freiwilligen Entscheidungsfindung der Anwenderinnen betont.
Empfehlungen
Vorbereitung und Diagnostik
Laut Leitlinie ist vor der Einlage eines Intrauterinpessars (IUD) zwingend eine gynäkologische Untersuchung sowie eine Risikobewertung für sexuell übertragbare Infektionen (STI) erforderlich. Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe wird bei niedrigem STI-Risiko nicht empfohlen.
Vor der Verordnung von hormonellen Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Ring, Injektionen, Implantate) sind bei gesunden Frauen keine spezifischen Laboruntersuchungen zwingend vorgeschrieben. Es wird jedoch empfohlen, vorab den Blutdruck zu messen, sofern die entsprechenden Ressourcen verfügbar sind.
Schmerzmanagement bei IUD-Einlage
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur medikamentösen Schmerzlinderung bei der IUD-Einlage:
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Misoprostol wird für den routinemäßigen Einsatz nicht empfohlen, kann aber in Einzelfällen nützlich sein (bedingte Empfehlung).
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Parazervikalblöcke mit Lokalanästhetika (z. B. Lidocain) können routinemäßig angeboten werden (bedingte Empfehlung).
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Topische Anästhetika (Gel, Spray, Creme) können ebenfalls routinemäßig zur Schmerzlinderung eingesetzt werden (bedingte Empfehlung).
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Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können vor der Einlage routinemäßig angeboten werden (bedingte Empfehlung).
Es wird betont, dass eine IUD-Einlage nicht verweigert werden sollte, falls diese Medikamente nicht verfügbar sind.
Notfallkontrazeption
Als Notfallkontrazeption empfiehlt die Leitlinie primär die Einlage eines Kupfer-IUDs innerhalb von 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Alternativ stehen orale Notfallkontrazeptiva (Ulipristalacetat, Levonorgestrel oder kombinierte Präparate) zur Verfügung.
Ulipristalacetat (UPA) und Levonorgestrel (LNG) werden gegenüber kombinierten Präparaten bevorzugt, da sie seltener Übelkeit und Erbrechen verursachen. Die Wirksamkeit sinkt mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum ungeschützten Verkehr.
Management von Einnahmefehlern
Bei kombinierten oralen Kontrazeptiva (COC) mit 30-35 µg Ethinylestradiol ist bei ein oder zwei vergessenen Pillen keine zusätzliche Verhütungsmethode erforderlich. Die vergessene Pille sollte laut Leitlinie so schnell wie möglich nachgenommen werden.
Werden drei oder mehr aktive Pillen in Folge vergessen, wird für die folgenden sieben Tage die zusätzliche Anwendung von Kondomen oder sexuelle Abstinenz empfohlen.
Dosierung
| Methode | Wirkstoff / Dosierung | Anwendungsintervall / Indikation |
|---|---|---|
| Kupfer-IUD (Notfall) | Kupfer-IUD | Einlage bis zu 120 Stunden nach ungeschütztem Verkehr |
| Ulipristalacetat (UPA) | 30 mg (Einzeldosis) | Notfallkontrazeption, idealerweise so früh wie möglich (bis 120 h) |
| Levonorgestrel (LNG) | 1,5 mg (Einzeldosis bevorzugt) oder 2 x 0,75 mg (im Abstand von 12 h) | Notfallkontrazeption, idealerweise so früh wie möglich (bis 120 h) |
| Kombinierte ECPs | 100 µg Ethinylestradiol + 0,5 mg LNG (2 Dosen im Abstand von 12 h) | Notfallkontrazeption (Yuzpe-Regime) |
| DMPA (Injektion) | 150 mg i.m. oder 104 mg s.c. | Reguläre Kontrazeption, Wiederholung alle 3 Monate |
| NET-EN (Injektion) | 200 mg i.m. | Reguläre Kontrazeption, Wiederholung alle 2 Monate |
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt spezifische Kontraindikationen für bestimmte Kontrazeptiva:
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Ein IUD (Kupfer oder LNG) darf nicht unmittelbar nach einem septischen Abort oder bei Vorliegen einer Puerperalsepsis eingelegt werden (MEC Kategorie 4).
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Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Ring) sind bei stillenden Frauen in den ersten sechs Wochen postpartum kontraindiziert (MEC Kategorie 4).
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Bei Vorliegen einer Schwangerschaft darf kein IUD eingelegt werden.
Wird eine Schwangerschaft bei liegendem IUD festgestellt, wird die Entfernung empfohlen, sofern die Fäden sichtbar sind, um das Risiko für septische Aborte und Frühgeburten zu senken.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die routinemäßige Gabe von Misoprostol zur Erleichterung der IUD-Einlage. Die Leitlinie rät von dieser Praxis ab, da Misoprostol Schmerzen und Nebenwirkungen wie Krämpfe oder Durchfall verstärken kann, ohne die Einlage signifikant zu erleichtern. Der Einsatz sollte auf spezifische Ausnahmefälle, wie beispielsweise nach einem zuvor gescheiterten Einlageversuch, beschränkt bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie kann ein Kupfer-IUD bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr als Notfallkontrazeptivum eingelegt werden. Wenn der Zeitpunkt des Eisprungs bekannt ist, kann die Einlage auch später erfolgen, sofern sie nicht mehr als fünf Tage nach der Ovulation stattfindet.
Es wird empfohlen, eine weitere Dosis einzunehmen, falls das Erbrechen innerhalb von zwei Stunden nach Einnahme von Levonorgestrel oder kombinierten Präparaten auftritt. Bei Ulipristalacetat gilt laut Leitlinie ein Zeitfenster von drei Stunden, in dem bei Erbrechen eine erneute Einnahme erfolgen sollte.
Die Leitlinie stuft Gestagen-Monopräparate (Pille, Implantat, Injektion) bei stillenden Frauen in den ersten sechs Wochen postpartum nun als generell anwendbar ein (MEC Kategorie 2). Bei nicht-stillenden Frauen können diese Methoden bereits unmittelbar oder innerhalb der ersten 21 Tage nach der Entbindung gestartet werden.
Es wird empfohlen, dass Männer nach einer Vasektomie für drei Monate eine zusätzliche Verhütungsmethode anwenden. Eine Spermiogramm-Analyse nach Ablauf dieser drei Monate gilt laut Leitlinie als zuverlässigste Methode, um die Wirksamkeit des Eingriffs zu bestätigen.
Die Leitlinie empfiehlt generell keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe vor der Einlage eines Intrauterinpessars. Eine Prophylaxe kann jedoch in Regionen mit hoher Prävalenz von Gonokokken- und Chlamydieninfektionen und fehlenden Screening-Möglichkeiten erwogen werden.
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Quelle: Selected practice recommendations for contraceptive use, 4th ed. (WHO, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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