Komplexe Psychose: Rehabilitation und Behandlung
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG181 befasst sich mit der Rehabilitation von Erwachsenen mit komplexer Psychose. Darunter fallen primäre psychotische Erkrankungen mit therapieresistenten Symptomen und starken funktionellen Beeinträchtigungen.
Häufig liegen bei den Betroffenen zusätzliche kognitive Einschränkungen, Begleiterkrankungen oder Substanzmissbrauch vor. Diese komplexen Probleme beeinträchtigen die soziale und alltägliche Funktionsfähigkeit erheblich.
Ziel der Rehabilitation ist es, die Genesung zu fördern und ein Höchstmaß an Unabhängigkeit zu erreichen. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit eines lokalen, integrierten und wenig restriktiven Rehabilitationspfades.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG181 formuliert folgende Kernempfehlungen für die Rehabilitation:
Indikation und Zugang
Laut Leitlinie wird eine Rehabilitation empfohlen, sobald therapieresistente psychotische Symptome und funktionelle Beeinträchtigungen festgestellt werden. Dies gilt unabhängig vom aktuellen Wohnumfeld der betroffenen Person.
Besonders berücksichtigt werden sollten Personen mit wiederholten oder langen stationären Aufenthalten sowie solche, deren aktuelle Unterbringung zu scheitern droht.
Diagnostik und Assessment
Es wird ein umfassendes biopsychosoziales Assessment durch ein multidisziplinäres Team innerhalb von 4 Wochen nach Aufnahme in die Rehabilitation empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt zudem einen initialen körperlichen Gesundheitscheck, der folgende Parameter umfassen sollte:
| Parameter-Kategorie | Spezifische Untersuchungen |
|---|---|
| Vitalparameter & Anthropometrie | BMI, Bauchumfang, Puls, Blutdruck |
| Laborwerte | Blutbild, HbA1c, Lipide, Leber-/Nierenwerte, Schilddrüse |
| Spezifische Medikamentenspiegel | Prolaktin, Lithium, Clozapin, Antiepileptika |
| Weitere Untersuchungen | EKG, Zahnstatus, Seh-/Hörvermögen, Schluckbeschwerden |
Therapie und Anpassung der Medikation
Die Leitlinie empfiehlt, bei unzureichendem Ansprechen auf eine optimierte Clozapin-Dosis eine Augmentation zu erwägen.
Hierbei werden folgende Optionen genannt:
-
Ein Antipsychotikum (z. B. Aripiprazol) bei Schizophrenie und verwandten Psychosen
-
Ein Phasenprophylaktikum bei Psychosen mit signifikanten affektiven Symptomen
-
Ein Antidepressivum bei zusätzlichen signifikanten depressiven Symptomen
Es wird empfohlen, Polypharmazie und komplexe Medikamentenregime nach Möglichkeit zu vermeiden, um die Adhärenz zu fördern.
Körperliche Gesundheit und Monitoring
Laut Leitlinie sollte mindestens jährlich ein routinemäßiger körperlicher Gesundheitscheck angeboten werden.
Zudem wird empfohlen, ein kombiniertes Programm für gesunde Ernährung und körperliche Aktivität anzubieten sowie Unterstützung bei der Raucherentwöhnung zu leisten.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, routinemäßig Polypharmazie oder Medikamentendosen oberhalb der zugelassenen Grenzen einzusetzen.
Ein solcher Einsatz wird nur als zeitlich begrenzter therapeutischer Versuch (in der Regel 3 Monate) empfohlen, wenn die klinischen Vorteile die Risiken deutlich überwiegen.
Zudem wird auf die Sicherheitswarnungen der Behörden bezüglich des Einsatzes von Valproat hingewiesen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass Aktivitäten zur Förderung alltäglicher Fähigkeiten (wie Kochen, Einkaufen oder Budgetierung) den gleichen Stellenwert erhalten sollten wie medikamentöse Interventionen. Es wird empfohlen, Polypharmazie zu vermeiden, da komplexe Medikamentenregime die Adhärenz bei Personen mit komplexer Psychose erheblich gefährden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Rehabilitation für Personen empfohlen, die therapieresistente psychotische Symptome und funktionelle Beeinträchtigungen im Alltag aufweisen. Dies schließt insbesondere Personen mit häufigen oder langen Klinikaufenthalten ein.
Es wird empfohlen, mindestens einmal jährlich einen umfassenden körperlichen Gesundheitscheck durchzuführen. Dieser sollte unter anderem BMI, Blutdruck, HbA1c, Lipide und ein EKG umfassen.
Bei unzureichendem Ansprechen auf Clozapin wird eine Augmentation empfohlen. Je nach Zielsymptomatik kann dies die Zugabe eines weiteren Antipsychotikums, eines Phasenprophylaktikums oder eines Antidepressivums umfassen.
Die Leitlinie empfiehlt, Rehabilitationsangebote so lokal wie möglich und im am wenigsten restriktiven Umfeld zu organisieren. Sogenannte Out-of-area-Platzierungen (außerhalb des Heimatortes) sollten auf Personen mit besonders komplexen Bedürfnissen beschränkt bleiben.
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Quelle: NG181: Rehabilitation for adults with complex psychosis (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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