Klimaanpassung im Gesundheitswesen: HNAP-Kriterien
Hintergrund
Der Klimawandel beeinflusst die Gesundheit direkt durch Extremwetterereignisse und indirekt durch die Beeinträchtigung sozialer und umweltbedingter Gesundheitsdeterminanten. Die WHO-Leitlinie "Quality criteria for health national adaptation plans" aus dem Jahr 2021 bietet einen Rahmen, um klimaresiliente Gesundheitssysteme aufzubauen.
Ein nationaler Gesundheits-Anpassungsplan (HNAP) ist ein vom Gesundheitsministerium geleiteter Plan, der Teil des übergeordneten nationalen Anpassungsprozesses (NAP) ist. Ziel ist es, die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels auf allen Planungsebenen zu priorisieren.
Die Leitlinie richtet sich primär an Entscheidungsträger und Planer im Gesundheitswesen. Sie formuliert sechs zentrale Qualitätskriterien, um die Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung von HNAPs evidenzbasiert und strukturiert zu gestalten.
Empfehlungen
Die Leitlinie definiert sechs Qualitätskriterien für die Erstellung von nationalen Gesundheits-Anpassungsplänen (HNAPs):
Führung und Rahmenbedingungen
Laut Leitlinie wird eine klare Führungsrolle des Gesundheitsministeriums bei der Entwicklung des HNAP empfohlen. Dies umfasst die formelle Billigung des Plans auf Ministeriumsebene.
Zudem wird eine aktive Einbindung des Gesundheitssektors in den allgemeinen nationalen Anpassungsplan (NAP) gefordert. Klimaaspekte sollen systematisch in bestehende Gesundheitsprogramme integriert werden.
Sektorübergreifende Koordination
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit gesundheitsbestimmenden Sektoren. Dazu gehören unter anderem:
-
Wasser und Sanitärversorgung (WASH)
-
Landwirtschaft und Ernährungssicherheit
-
Stadtentwicklung und Katastrophenschutz
Erfassung klimasensibler Gesundheitsrisiken
Es wird empfohlen, den HNAP auf Basis einer umfassenden Vulnerabilitäts- und Anpassungsbewertung (V&A) zu erstellen. Dabei sollen kontextspezifische Risiken identifiziert werden.
Die Leitlinie rät zu einer Priorisierung der identifizierten Risiken. Kriterien hierfür sind das Ausmaß des Risikos, die Größe der betroffenen Population und die verfügbaren Ressourcen.
Die Leitlinie kategorisiert klimasensible Gesundheitsrisiken, die im Rahmen der Planung berücksichtigt werden sollten:
| Kategorie | Beispiele für gesundheitliche Auswirkungen |
|---|---|
| Extremwetterereignisse | Verletzungen, Tod |
| Hitzebedingte Erkrankungen | Hitzschlag, Hitzeerschöpfung |
| Wassergebundene Krankheiten | Cholera, Durchfallerkrankungen, Leptospirose |
| Vektorübertragene Krankheiten | Malaria, Dengue-Fieber, Zika-Virus |
| Mangelernährung | Untergewicht, Mikronährstoffmangel |
| Nicht übertragbare Krankheiten | Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen |
Anpassungsoptionen und Maßnahmen
Gemäß Leitlinie sollen umfassende Anpassungsoptionen für mittel- und langfristige Zeiträume entwickelt werden. Dabei ist die Berücksichtigung von Vulnerabilitätsfaktoren essenziell, um Maßnahmen gezielt steuern zu können.
Zu den genannten Vulnerabilitätsfaktoren zählen:
-
Demografische Faktoren (Alter, Geschlecht)
-
Geografische Faktoren (Überschwemmungsgebiete, Dürrezonen)
-
Sozioökonomische Faktoren (Armut, Bildungsstand)
-
Biologische Faktoren und Gesundheitsstatus (chronische Erkrankungen)
Ressourcenplanung
Für eine erfolgreiche Implementierung wird die Schätzung der benötigten personellen und finanziellen Ressourcen empfohlen. Die Leitlinie rät zur Entwicklung einer konkreten Strategie zur Ressourcenmobilisierung, um Finanzierungslücken zu schließen.
Monitoring, Evaluation und Berichterstattung
Es wird ein umfassender Plan für Monitoring, Evaluation und Berichterstattung (M,E&R) empfohlen. Dieser soll Indikatoren für Prozesse, Ergebnisse und Auswirkungen auf kurz-, mittel- und langfristige Sicht definieren.
Zudem rät die Leitlinie zu einem Mechanismus für regelmäßige Überarbeitungen des HNAP. Ein Zyklus von fünf Jahren wird als optimaler Zeitraum für Aktualisierungen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist, dass der Gesundheitssektor nicht isoliert agieren sollte. Es wird nachdrücklich empfohlen, gesundheitsbestimmende Sektoren wie die Wasser- und Landwirtschaft von Beginn an in die Vulnerabilitäts- und Anpassungsbewertung (V&A) einzubeziehen. Nur durch diese sektorübergreifende Koordination können blinde Flecken bei der Identifikation klimasensibler Gesundheitsrisiken vermieden werden.
Häufig gestellte Fragen
Ein HNAP ist ein vom Gesundheitsministerium geleiteter Plan zur Anpassung an den Klimawandel. Laut Leitlinie ist er ein integraler Bestandteil des übergeordneten nationalen Anpassungsplans (NAP) eines Landes.
Die Leitlinie empfiehlt einen iterativen Prozess mit regelmäßigen Überarbeitungen. Ein Zeitraum von fünf Jahren wird als ideal erachtet, um messbare Ziele zu setzen und auf neue klimatische Erkenntnisse zu reagieren.
Eine V&A ist eine systematische Bewertung der aktuellen und zukünftigen Anfälligkeit einer Bevölkerung gegenüber klimabedingten Gesundheitsrisiken. Es wird empfohlen, diese Bewertung als evidenzbasierte Grundlage vor der Erstellung des HNAP durchzuführen.
Die Leitlinie nennt verschiedene Vulnerabilitätsfaktoren, die das Risiko erhöhen. Dazu gehören demografische Aspekte wie Alter, sozioökonomische Faktoren wie Armut sowie ein vorbestehender chronischer Krankheitsdruck.
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Quelle: Quality criteria for health national adaptation plans (WHO, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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