Kariesprophylaxe bei Kindern: Fluorid und Versiegelung
Hintergrund
Karies ist eine vermeidbare Erkrankung, die durch den Abbau von Kohlenhydraten durch Bakterien im dentalen Biofilm entsteht. Obwohl sich die Zahngesundheit in den letzten Jahrzehnten verbessert hat, leiden weiterhin viele Kinder an Karies, wobei soziale Ungleichheiten eine große Rolle spielen.
Die schottische SIGN-Leitlinie 138 fokussiert sich auf individuelle präventive Interventionen, die vom zahnmedizinischen Personal in der Praxis durchgeführt werden. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren.
Neben bevölkerungsbezogenen Ansätzen wird die Bedeutung von Eins-zu-Eins-Interaktionen betont. Dabei sollen insbesondere regelmäßige Zahnarztbesuche genutzt werden, um das Kariesrisiko zu minimieren und gesundheitsförderndes Verhalten zu etablieren.
Empfehlungen
Die schottische SIGN-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Kariesprävention bei Kindern und Jugendlichen:
Kariesrisikobewertung
Laut Leitlinie wird eine individuelle Risikobewertung empfohlen. Dabei sollten Faktoren wie frühere Karieserfahrung, Ernährungsgewohnheiten, sozialer Hintergrund und Fluoridnutzung berücksichtigt werden (Empfehlungsgrad C).
Zähneputzen und Fluoridzahnpasta
Es wird empfohlen, mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen (Empfehlungsgrad A). Kinder sollten dazu angeleitet werden, überschüssige Zahnpasta auszuspucken und nicht mit Wasser nachzuspülen (Empfehlungsgrad A).
Um das Risiko einer Fluorose zu minimieren, wird bei Kindern unter drei Jahren die Überwachung der Zahnpastamenge (etwa ein Abstrich/0,1 ml) empfohlen. Bei Kindern über drei Jahren wird eine erbsengroße Menge (0,25 ml) angeraten.
Topische Fluoridierung
Die Leitlinie empfiehlt die Applikation eines Fluoridlacks bei allen Kindern mindestens zweimal jährlich (Empfehlungsgrad A).
Fissurenversiegelung
Es wird empfohlen, harzbasierte Fissurenversiegelungen auf die bleibenden Molaren aller Kinder so früh wie möglich nach dem Zahndurchbruch aufzutragen (Empfehlungsgrad A).
Falls eine harzbasierte Versiegelung nicht möglich ist, kann laut Leitlinie auf Glasionomer-Versiegelungen zurückgegriffen werden.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende Fluoridkonzentrationen in Zahnpasten basierend auf Alter und Kariesrisiko:
| Alter | Kariesrisiko | Empfohlene Fluoridkonzentration | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| 0 bis 18 Jahre | Standardrisiko | 1.000 bis 1.500 ppmF | A |
| Bis 10 Jahre | Erhöhtes Risiko | 1.500 ppmF | Good Practice Point |
| 10 bis 16 Jahre | Erhöhtes Risiko | 2.800 ppmF | A |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor einem erhöhten Risiko für milde Fluorose, wenn Kinder unter drei Jahren zu viel Fluoridzahnpasta verschlucken. Daher wird in dieser Altersgruppe eine strikte Überwachung der verwendeten Zahnpastamenge empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass das Nachspülen mit Wasser nach dem Zähneputzen den kariespräventiven Effekt der Fluoridzahnpasta signifikant reduziert. Es wird daher nachdrücklich empfohlen, Kinder dazu anzuleiten, die Zahnpasta nach dem Putzen lediglich auszuspucken.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte mit dem Zähneputzen begonnen werden, sobald die ersten Zähne durchbrechen. Ein früher Beginn, insbesondere vor dem zweiten Lebensjahr, senkt das Kariesrisiko signifikant.
Die Leitlinie stellt fest, dass sowohl Handzahnbürsten als auch elektrische Zahnbürsten effektiv zur Fluoridapplikation genutzt werden können. Es gibt keine ausreichende Evidenz, dass elektrische Zahnbürsten bei der Kariesprävention bei Kindern überlegen sind.
Es wird empfohlen, bei allen Kindern mindestens zweimal jährlich einen Fluoridlack aufzutragen. Dies gilt unabhängig vom individuellen Kariesrisiko.
Die Leitlinie empfiehlt die Versiegelung der bleibenden Molaren. Dies sollte so früh wie möglich nach dem Zahndurchbruch mit einem harzbasierten Material erfolgen.
Die Evidenz zur Wirksamkeit von Zahnseide zusätzlich zum Zähneputzen bei Kindern ist laut Leitlinie unzureichend und inkonsistent. Daher wird hierfür keine explizite Empfehlung ausgesprochen.
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Quelle: SIGN 138: Dental interventions to prevent caries in children (SIGN, 2014). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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