Geburtsphasen Definition: IQWiG-Bericht
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2019 dient als Grundlage für eine S3-Leitlinie zur natürlichen Geburt. Er vergleicht systematisch nationale und internationale Definitionen der verschiedenen Geburtsphasen.
Die genaue Bestimmung des Geburtsbeginns und die klare Trennung der einzelnen Phasen werden in der Literatur als schwierig beschrieben. Die Definitionen überschneiden sich häufig und variieren je nach Parität der Gebärenden.
Zur Bestimmung der Phasen werden primär die Merkmale Wehentätigkeit, Zervixlänge, Muttermundseröffnung und der Höhenstand des vorangehenden Kindsteils herangezogen. Diese Faktoren müssen laut Bericht stets in Abhängigkeit zueinander betrachtet werden.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht identifiziert primär drei Hauptphasen der Geburt, die sich weiter in Unterphasen unterteilen lassen.
Eröffnungsphase
Diese Phase ist durch regelmäßige Kontraktionen, Zervixverkürzung und die Eröffnung des Muttermunds bis auf 10 cm gekennzeichnet.
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Die latente Phase beschreibt eine schwer messbare Zeitspanne mit einer Muttermundseröffnung von bis zu 6 cm.
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Die aktive Phase beginnt laut unterschiedlichen Quellen bei einer Weite von 3 bis 7 cm und geht mit schmerzhaften Kontraktionen einher.
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Eine protrahierte Eröffnungsphase wird meist erst ab der aktiven Phase diagnostiziert, wenn sich der Muttermund nur um 0,5 bis 1,5 cm pro Stunde öffnet.
Austreibungsphase
Die Austreibungsphase beginnt mit der vollständigen Muttermundseröffnung und endet mit der Geburt des Kindes.
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In der latenten Austreibungsphase fehlt noch der Pressdrang, während der kindliche Kopf tiefer tritt.
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Die aktive Austreibungsphase ist durch einen aktiven Pressdrang bei tiefergetretenem Kindsteil charakterisiert.
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Die Dauer variiert stark und wird für Erstgebärende mit bis zu 2 Stunden, für Mehrgebärende mit bis zu 1 Stunde angegeben.
Plazenta- und Postpartalphase
Die Plazentaphase umfasst den Zeitraum von der Geburt des Kindes bis zum vollständigen Ausstoßen der Plazenta und Eihäute.
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Bei aktiver Leitung dauert diese Phase regulär 10 bis 30 Minuten.
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Bei abwartender Haltung werden bis zu 60 Minuten als normal betrachtet.
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Eine Leitlinie definiert zusätzlich eine vierte Phase, welche die erste Stunde nach der Geburt der Plazenta umfasst.
Übersicht der Geburtsphasen
| Geburtsphase | Unterphase | Kriterien & Merkmale | Zeitlicher Rahmen |
|---|---|---|---|
| Eröffnungsphase | Latent / Früh | Muttermund bis 6 cm, Zervixverkürzung | Schwer messbar |
| Eröffnungsphase | Aktiv / Spät | Muttermund 3-7 cm bis vollständig, schmerzhafte Wehen | k.A. |
| Austreibungsphase | Latent / Passiv | Muttermund vollständig, kein Pressdrang, Kopf tritt tiefer | k.A. |
| Austreibungsphase | Aktiv / Spät | Aktiver Pressdrang, Kopf tief | 1-3 Stunden (je nach Parität) |
| Plazentaphase | - | Geburt des Kindes bis Ausstoßung der Plazenta | 10-30 Min (aktiv) bis 60 Min (abwartend) |
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont, dass es keine einheitlichen, evidenzbasierten Zeitlimits für die einzelnen Geburtsphasen gibt. Die Diagnose eines protrahierten Geburtsverlaufs wird differenziert gestellt und berücksichtigt Faktoren wie die Parität oder eine liegende Periduralanästhesie. Die identifizierten Definitionen dienen in der Praxis lediglich als klinische Orientierung.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem IQWiG-Bericht gibt es hierfür keine einheitliche Definition. Die Angaben in der Literatur für den Beginn der aktiven Eröffnungsphase schwanken zwischen einer Muttermundsweite von 3 bis 7 cm.
Die Dauer variiert je nach Parität und Schmerztherapie. In der Literatur finden sich Angaben von bis zu 2 Stunden für Erstgebärende und bis zu 1 Stunde für Mehrgebärende, wobei feste Zeitlimits nicht eindeutig belegt sind.
Ein protrahierter Verlauf liegt vor, wenn die Geburt der Plazenta bei aktiver Leitung länger als 30 Minuten dauert. Bei einem abwartenden Verhalten wird die Grenze bei 60 Minuten gezogen.
In dieser Phase ist der Muttermund bereits vollständig eröffnet, es besteht jedoch noch kein Pressdrang. Der vorangehende Kindsteil tritt in dieser Zeit weiter auf den Beckenboden tiefer.
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Quelle: IQWiG V16-01A: Unterstützung bei der Erstellung einer S3-LL zur natürlichen Geburt - Definition Geburtsperioden (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.