IQWiG2010

Number Needed to Treat (NNT): IQWiG-Methodenpapier

Diese Leitlinie stammt aus 2010 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2010)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Effektmaß "Number Needed to Treat" (NNT) wird in der evidenzbasierten Medizin häufig zur Ergebnisdarstellung randomisierter kontrollierter Studien genutzt. Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2010 adressiert die zunehmende Fehl- und missbräuchliche Anwendung dieses Maßes in der medizinischen Forschung.

Ein häufiges Problem stellt die Anwendung einfacher Standardmethoden in komplexen statistischen Situationen dar. Das Projekt zielte darauf ab, adäquate Methoden zur Berechnung von NNTs bei variablen Beobachtungszeiten und unter Berücksichtigung von Confoundern zu entwickeln und zu evaluieren.

Zudem wurden Zusammenhänge mit anderen epidemiologischen Effektmaßen wie dem attributablen Risiko untersucht. Die entwickelten Ansätze sollen die Präsentation von Studienergebnissen und die Risikokommunikation in verschiedenen Anwendungsbereichen verbessern.

Empfehlungen

Der IQWiG-Bericht formuliert zentrale methodische Anforderungen an die Berechnung und Publikation von NNTs:

Grundlegende Anforderungen an die Publikation

Um eine korrekte Interpretation der NNT zu gewährleisten, werden folgende Angaben als zwingend erforderlich erachtet:

  • Angabe der alternativen Behandlung und der Effektrichtung

  • Nennung der exakten Follow-up-Zeit

  • Präsentation der NNT-Schätzer zusammen mit Konfidenzintervallen

  • Angabe von NNTs unter 100 mit mindestens einer Nachkommastelle

  • Verzicht auf die Publikation roher NNTs, wenn Confounder berücksichtigt werden müssen

Methodenvergleich nach Studiendesign

Die Wahl der korrekten statistischen Methode hängt maßgeblich vom Studiendesign und der Notwendigkeit einer Confounder-Adjustierung ab. Der Bericht bewertet verschiedene Ansätze:

AusgangssituationEmpfohlene MethodeNicht empfohlene Ansätze
Identische Follow-up-Zeiten, keine ConfounderBekannte Verfahren der Vierfeldertafel-
Identische Follow-up-Zeiten, mit ConfoundernLogistische Regression mit ARD-AnsatzBinomial- und Poisson-Regression
Variable Follow-up-Zeiten, keine ConfounderAbsolute Risiken (z.B. Kaplan-Meier-Methode)Inzidenzraten
Variable Follow-up-Zeiten, mit ConfoundernCox-Regression mit ARD-Ansatz (Bootstrap für Intervalle)-

Impact Numbers in der Epidemiologie

Für epidemiologische Studien und die Public-Health-Forschung beschreibt das Papier sogenannte Impact Numbers als Erweiterung des NNT-Konzepts. Diese lassen sich als Kehrwerte bekannter epidemiologischer Maßzahlen wie dem populationsbezogenen attributablen Risiko (PAR) herleiten.

Zur Berechnung von Konfidenzintervallen für die Population Impact Number (PIN) wurden im Rahmen des Projekts neue Methoden entwickelt, da etablierte Verfahren hierfür nicht ausreichten.

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💡Praxis-Tipp

Das Maß NNT ist primär als Werkzeug zur Präsentation von Studienergebnissen und zur Risikokommunikation zu verstehen, nicht als Instrument zur primären Datenanalyse. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, bei variablen Follow-up-Zeiten (Überlebenszeitanalysen) Inzidenzraten zur NNT-Berechnung heranzuziehen. Stattdessen ist die Schätzung zwingend auf Basis absoluter Risiken, beispielsweise mittels Kaplan-Meier-Methode, durchzuführen.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bericht ist es zwingend erforderlich, die alternative Behandlung, die Effektrichtung und die Follow-up-Zeit zu nennen. Zudem wird die Angabe eines Konfidenzintervalls gefordert, um die statistische Unsicherheit abzubilden.

Das Papier betont, dass Punkt- und Intervallschätzer von NNTs nicht zu stark gerundet werden dürfen. Insbesondere bei NNT-Werten unter 100 wird die Angabe von mindestens einer Nachkommastelle empfohlen.

Bei identischen Follow-up-Zeiten und der Notwendigkeit einer Adjustierung für Confounder stellt die logistische Regression mit dem ARD-Ansatz (Average Risk Difference) die empfohlene Methode dar. Von Ansätzen aus der Binomial- und Poisson-Regression wird explizit abgeraten.

Bei variablen Follow-up-Zeiten ohne Confounder-Adjustierung basiert die korrekte Berechnung auf absoluten Risiken, die beispielsweise mit der Kaplan-Meier-Methode ermittelt werden. Die Verwendung von Inzidenzraten führt laut Bericht zu verzerrten Ergebnissen und wird abgelehnt.

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Quelle: IQWiG GA05-03: Vorschläge und Ansätze zur Darstellung von Studienergebnissen mithilfe des Efffektmaßes "Number Needed to Treat (NNT) (IQWiG, 2010). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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