Tislelizumab bei Magenkarzinom: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A24-131 befasst sich mit dem Wirkstoff Tislelizumab in Kombination mit einer platin- und fluoropyrimidinbasierten Chemotherapie. Bewertet wird der Einsatz als Erstlinienbehandlung bei Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem oder metastasiertem HER2-negativen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs.
Voraussetzung für dieses Anwendungsgebiet ist eine PD-L1-Expression des Tumors mit einem Tumour Area Positivity (TAP)-Score von ≥ 5 %. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) prüfte, ob für diese Patientengruppe ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie besteht.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) passte die zweckmäßige Vergleichstherapie kurz vor Einreichung des Dossiers an. Dabei wurde die Population anhand des Combined Positive Score (CPS) in zwei Fragestellungen unterteilt, was maßgeblich für die Bewertung der eingereichten Daten war.
Empfehlungen
Das IQWiG bewertet den Zusatznutzen anhand von zwei Fragestellungen, die sich nach der PD-L1-Expression (CPS) richten. Der pharmazeutische Unternehmer reichte Daten aus der Studie RATIONALE 305 ein, die jedoch für beide Fragestellungen als ungeeignet eingestuft wurden.
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Der G-BA legt je nach CPS-Wert unterschiedliche Vergleichstherapien fest. Das IQWiG fasst die Optionen wie folgt zusammen:
| Fragestellung | PD-L1-Expression | Zweckmäßige Vergleichstherapie |
|---|---|---|
| 1 | CPS ≥ 1 | Nivolumab oder Pembrolizumab + platin-/fluoropyrimidinbasierte Chemotherapie |
| 2 | CPS < 1 | Reine Chemotherapie (z. B. Oxaliplatin + Capecitabin, Cisplatin + 5-Fluorouracil) |
Bewertung zu Fragestellung 1 (CPS ≥ 1)
Laut Bewertung erhielten in der vorgelegten Studie RATIONALE 305 alle Personen im Vergleichsarm eine reine Chemotherapie. Dies entspricht nicht der vom G-BA geforderten Chemoimmuntherapie für diese Subpopulation.
Daher liegen keine geeigneten Daten für den Vergleich vor. Ein Zusatznutzen von Tislelizumab in Kombination mit Chemotherapie ist für diese Gruppe nicht belegt.
Bewertung zu Fragestellung 2 (CPS < 1)
Für diese Gruppe fordert der G-BA den Vergleich mit einer reinen Chemotherapie, was im Kontrollarm der Studie RATIONALE 305 umgesetzt wurde. Das IQWiG weist jedoch darauf hin, dass die Zulassung von Tislelizumab einen TAP-Score von ≥ 5 % erfordert.
Post-hoc-Auswertungen zeigen eine 95-prozentige Übereinstimmung zwischen einem TAP-Score ≥ 1 % und einem CPS ≥ 1. Die Konstellation eines positiven TAP-Scores (≥ 5 %) bei gleichzeitig negativem CPS (< 1) stellt laut Bericht eher eine theoretische Überlegung dar.
Der weit überwiegende Anteil der Studienpopulation entspricht somit nicht der Fragestellung 2. Auch für diese Gruppe gilt der Zusatznutzen als nicht belegt.
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Therapieplanung die genaue Bestimmung und Unterscheidung der PD-L1-Scores (TAP vs. CPS) essenziell ist. Laut IQWiG-Bericht weisen die Scores eine sehr hohe Übereinstimmung auf, weshalb die theoretische Konstellation eines TAP-Scores ≥ 5 % bei einem gleichzeitigen CPS < 1 im klinischen Alltag kaum zu erwarten ist. Für die Auswahl der korrekten Erstlinientherapie ist der aktuelle G-BA-Beschluss zur zweckmäßigen Vergleichstherapie maßgeblich.
Häufig gestellte Fragen
Die Bewertung bezieht sich auf die Erstlinienbehandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten HER2-negativen Adenokarzinoms des Magens oder gastroösophagealen Übergangs. Voraussetzung ist laut IQWiG eine PD-L1-Expression mit einem TAP-Score von ≥ 5 %.
Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen für Tislelizumab plus Chemotherapie derzeit nicht belegt ist. Der Grund hierfür ist das Fehlen geeigneter Studiendaten gegenüber der aktuellen zweckmäßigen Vergleichstherapie.
In der Studie wurde Tislelizumab gegen eine reine Chemotherapie getestet. Für die Hauptzielgruppe (CPS ≥ 1) fordert der G-BA jedoch den Vergleich mit einer Chemoimmuntherapie (Nivolumab oder Pembrolizumab plus Chemotherapie).
Der Bericht stellt fest, dass der TAP-Score als eine mit weniger Aufwand auszuwertende Variante des CPS entwickelt wurde. Beide Scores zeigen in Auswertungen eine sehr hohe Übereinstimmung von etwa 95 Prozent.
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Quelle: IQWiG A24-131: Tislelizumab (Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, HER2-negativ) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.