Infiziertes Ekzem: Antibiose, Indikation und Dosierung
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG190 befasst sich mit der antimikrobiellen Verschreibung bei sekundären bakteriellen Infektionen von Ekzemen und anderen häufigen Hauterkrankungen. Hautläsionen sind besonders anfällig für Infektionen, da die natürliche Hautbarriere gestört ist.
Die häufigsten bakteriellen Erreger bei infizierten Ekzemen sind Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes. Die Leitlinie betont, dass nicht jeder Ekzemschub durch eine bakterielle Infektion verursacht wird und Ekzeme häufig mit Bakterien besiedelt sind, ohne klinisch infiziert zu sein.
Für andere Hauterkrankungen wie Psoriasis, Windpocken, Gürtelrose und Krätze liegt laut Leitlinie keine Evidenz für den Einsatz von Antibiotika bei sekundären bakteriellen Infektionen vor. In diesen Fällen wird empfohlen, fachärztlichen Rat einzuholen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management infizierter Ekzeme:
Diagnostik und Abstrichnahme
Es wird empfohlen, bei der Erstvorstellung einer sekundären bakteriellen Ekzeminfektion nicht routinemäßig einen Hautabstrich für mikrobiologische Tests zu entnehmen. Die Haut ist bei Ekzemen oft stark kolonisiert, was unabhängig vom Infektionsstatus zu positivem Bakterienwachstum führt.
Ein Abstrich wird jedoch in folgenden Situationen empfohlen:
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Die Infektion kehrt häufig wieder
-
Die Symptome verschlimmern sich unter Therapie
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Die Infektion spricht nicht wie erwartet auf die Behandlung an
Therapieentscheidung
Es wird betont, dass die zugrunde liegende Ekzemerkrankung stets optimal mit Emollienzien und topischen Kortikosteroiden behandelt werden sollte. Dies gilt unabhängig davon, ob eine Antibiose eingeleitet wird oder nicht.
Für die Indikationsstellung zur Antibiose gelten folgende Empfehlungen:
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Keine systemische Beteiligung: Es wird empfohlen, nicht routinemäßig topische oder orale Antibiotika anzubieten.
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Systemische Beteiligung: Bei systemischem Krankheitsgefühl wird die Gabe eines oralen Antibiotikums empfohlen.
-
Zellulitis: Bei Anzeichen einer Zellulitis oder eines Erysipels soll den entsprechenden spezifischen Leitlinien gefolgt werden.
Nachsorge und Überweisung
Eine erneute ärztliche Beurteilung wird empfohlen, wenn die betroffene Person systemisch erkrankt, unverhältnismäßig starke Schmerzen entwickelt oder sich die Symptome schnell verschlechtern.
Eine Überweisung ins Krankenhaus wird in folgenden Fällen empfohlen:
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Anzeichen für schwere Erkrankungen wie nekrotisierende Fasziitis oder Sepsis
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Eine sich ausbreitende Infektion, die nicht auf orale Antibiotika anspricht
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Ein hohes Risiko für Komplikationen
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungsschemata für Erwachsene und Kinder ab 1 Monat. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 5 bis 7 Tage.
| Wirkstoff | Indikation | Dosierung Erwachsene | Dosierung Kinder (Auswahl) |
|---|---|---|---|
| Fusidinsäure 2% | Topisch (1. Wahl bei lokalisierter Infektion) | 3x täglich auftragen | 3x täglich auftragen |
| Flucloxacillin | Oral (1. Wahl bei systemischer Beteiligung/Ausbreitung) | 500 mg 4x täglich | 1-11 Mon: 62,5-125 mg 4x tgl. |
| 2-9 J: 125-250 mg 4x tgl. | |||
| 10-17 J: 250-500 mg 4x tgl. | |||
| Clarithromycin | Oral (Alternative bei Penicillinallergie, nicht schwanger) | 250 mg 2x täglich (bis 500 mg 2x tgl. bei schwerer Infektion) | Gewichtsabhängig (z.B. 12-19 kg: 125 mg 2x tgl.) |
| Erythromycin | Oral (Alternative bei Penicillinallergie in der Schwangerschaft) | 250-500 mg 4x täglich | 8-17 J: 250-500 mg 4x täglich |
Hinweis: Bei Verdacht auf oder Bestätigung von MRSA wird die Konsultation eines Mikrobiologen empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und Einschränkungen:
-
Topische Antibiotika: Eine verlängerte oder wiederholte Anwendung von Fusidinsäure kann das Risiko einer Antibiotikaresistenz erhöhen und sollte vermieden werden.
-
Makrolide in der Schwangerschaft: Erythromycin wird nur empfohlen, wenn eine echte Penicillinallergie vorliegt und der klinische Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt.
-
Flucloxacillin: Es wird auf das Risiko von cholestatischem Ikterus und Hepatitis hingewiesen, welches bis zu 2 Monate nach Beendigung der Behandlung auftreten kann (Risikofaktoren: steigendes Alter und Anwendung >14 Tage).
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, jeden nässenden oder verkrusteten Ekzemschub automatisch als bakterielle Infektion zu werten und antibiotisch zu behandeln. Es wird betont, dass die konsequente Weiterführung der antientzündlichen Basistherapie mit topischen Kortikosteroiden oft ausreichend ist und eine routinemäßige Antibiose bei fehlendem systemischem Krankheitsgefühl keinen Zusatznutzen bringt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei der Erstvorstellung von einem routinemäßigen Abstrich abgeraten. Ein Abstrich wird erst bei Therapieversagen, klinischer Verschlechterung oder häufigen Rezidiven empfohlen.
Bei lokalisierten Infektionen ohne systemische Beteiligung gilt topische Fusidinsäure 2% als erste Wahl, sofern eine Antibiose indiziert ist. Bei systemischem Krankheitsgefühl oder großflächiger Infektion wird orales Flucloxacillin empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt sowohl für die topische als auch für die orale Antibiose eine Behandlungsdauer von 5 bis 7 Tagen.
Als orale Alternative wird Clarithromycin empfohlen. Bei Schwangeren mit echter Penicillinallergie ist Erythromycin das Mittel der Wahl.
Die Leitlinie stellt fest, dass es keine Evidenz für den Einsatz von Antibiotika bei sekundär infizierter Psoriasis, Windpocken, Gürtelrose oder Krätze gibt. Es wird geraten, in diesen Fällen fachärztlichen Rat einzuholen.
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Quelle: NG190: Secondary bacterial infection of eczema and other common skin conditions: antimicrobial prescribing (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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