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Infectious Diseases Society of America (IDSA)2017InfektiologieGastroenterologie

IDSA-Leitlinie: Infektiöse Diarrhö (Diagnostik & Therapie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine detaillierte klinische und epidemiologische Anamnese ist bei jedem Patienten mit Diarrhö obligatorisch.
  • Die orale Rehydratation mit reduzierter Osmolarität ist die First-Line-Therapie bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation.
  • Eine empirische Antibiose wird bei immunkompetenten Patienten mit blutiger Diarrhö in der Regel nicht empfohlen.
  • Bei Verdacht auf STEC O157 ist eine Antibiose kontraindiziert, da sie das Risiko für ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) erhöht.
  • Antimotilitätsmedikamente wie Loperamid sind bei Kindern unter 18 Jahren kontraindiziert.
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Hintergrund

Die infektiöse Diarrhö ist eine häufige Ursache für ambulante Vorstellungen und Hospitalisierungen. Die IDSA-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen für das Management bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung von Dehydratation und dem gezielten Einsatz von Diagnostik und antimikrobieller Therapie.

Klinische Evaluierung

Eine detaillierte klinische und epidemiologische Anamnese ist bei jedem Patienten obligatorisch. Patienten jeden Alters müssen auf Dehydratation untersucht werden, da diese das Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen erhöht.

Bei Patienten mit Fieber oder blutiger Diarrhö sollte gezielt nach Erregern gesucht werden, bei denen eine Antibiose klinischen Nutzen bringt (z. B. Salmonella enterica, Shigella, Campylobacter). Bei fieberhaften Patienten mit entsprechender Reiseanamnese ist an ein enterisches Fieber (Typhus) zu denken.

Diagnostik

Die Stuhldiagnostik ist nicht bei jeder unkomplizierten Diarrhö notwendig. Sie sollte gezielt eingesetzt werden:

DiagnostikIndikation
Stuhlkultur / PCRFieber, blutige/muköse Stühle, schwere Krämpfe, Sepsiszeichen
Shiga-Toxin-NachweisVerdacht auf STEC, blutige Diarrhö, HUS-Risiko
C. difficile TestungAlter >2 Jahre UND Z.n. Antibiose (letzte 8-12 Wochen) oder nosokomiale Diarrhö
BlutkulturSäuglinge <3 Monate, Sepsiszeichen, Immunsuppression, Verdacht auf Typhus

Wichtig: Fäkale Leukozyten und Lactoferrin sollen nicht zur Ursachenklärung einer akuten infektiösen Diarrhö herangezogen werden.

Therapie und Rehydratation

Die Basistherapie besteht im Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten.

  • Orale Rehydratation: Eine orale Rehydratationslösung (ORS) mit reduzierter Osmolarität ist die First-Line-Therapie bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation.
  • Intravenöse Rehydratation: Isotonische Lösungen (Ringer-Laktat, NaCl) sind indiziert bei schwerer Dehydratation, Schock, verändertem Bewusstseinszustand oder Ileus.
  • Ernährung: Muttermilch soll bei Säuglingen weitergegeben werden. Eine altersgerechte normale Ernährung sollte während oder direkt nach der Rehydratation wieder aufgenommen werden.

Empirische Antibiose

Eine empirische Antibiose wird bei immunkompetenten Patienten mit akuter wässriger oder blutiger Diarrhö grundsätzlich nicht empfohlen. Es gibt jedoch spezifische Ausnahmen:

PatientengruppeEmpfehlungBevorzugte Wirkstoffe
Säuglinge <3 Monate (Verdacht auf bakterielle Genese)Empirische Antibiose indiziertCephalosporine 3. Generation
Erwachsene (schwere Shigellose oder Reiseanamnese + Sepsis)Empirische Antibiose indiziertFluorchinolon (z.B. Ciprofloxacin) oder Azithromycin
Verdacht auf STEC O157KontraindiziertKeine (erhöht HUS-Risiko!)

Symptomatische Therapie

  • Antimotilitätsmedikamente (z. B. Loperamid): Dürfen nicht bei Kindern <18 Jahren eingesetzt werden. Bei immunkompetenten Erwachsenen mit wässriger Diarrhö möglich, aber strikt zu vermeiden bei Verdacht auf toxisches Megakolon oder entzündlicher Diarrhö (Fieber, blutige Stühle).
  • Antiemetika (z. B. Ondansetron): Können bei Kindern >4 Jahren und Jugendlichen erwogen werden, um die Toleranz der oralen Rehydratation zu verbessern.
  • Probiotika: Können zur Reduktion von Schweregrad und Dauer bei immunkompetenten Patienten erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie die empirische Antibiose bei unkomplizierter blutiger Diarrhö und testen Sie gezielt auf Shiga-Toxin. Eine Antibiose bei STEC O157 erhöht das Risiko für ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) erheblich. Loperamid ist bei Kindern unter 18 Jahren kontraindiziert.

Häufig gestellte Fragen

Bei Fieber, blutigen oder mukösen Stühlen, schweren abdominellen Krämpfen oder Sepsiszeichen.
Nein, bei immunkompetenten Patienten wird dies nicht empfohlen, außer bei Säuglingen <3 Monaten, Verdacht auf schwere Shigellose oder Reiserückkehrern mit Sepsiszeichen.
Bei Kindern <18 Jahren sind sie kontraindiziert. Bei Erwachsenen mit wässriger Diarrhö können sie erwogen werden, sind aber bei entzündlicher Diarrhö (Fieber, Blut) strikt zu vermeiden.
Eine orale Rehydratationslösung (ORS) mit reduzierter Osmolarität ist die First-Line-Therapie bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation.
Bei Patienten über 2 Jahren mit Diarrhö nach kürzlicher Antibiotika-Einnahme (letzte 8-12 Wochen) oder bei nosokomialer Diarrhö.

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