IDSA-Leitlinie: Infektiöse Diarrhö (Diagnostik & Therapie)
📋Auf einen Blick
- •Eine detaillierte klinische und epidemiologische Anamnese ist bei jedem Patienten mit Diarrhö obligatorisch.
- •Die orale Rehydratation mit reduzierter Osmolarität ist die First-Line-Therapie bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation.
- •Eine empirische Antibiose wird bei immunkompetenten Patienten mit blutiger Diarrhö in der Regel nicht empfohlen.
- •Bei Verdacht auf STEC O157 ist eine Antibiose kontraindiziert, da sie das Risiko für ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) erhöht.
- •Antimotilitätsmedikamente wie Loperamid sind bei Kindern unter 18 Jahren kontraindiziert.
Hintergrund
Die infektiöse Diarrhö ist eine häufige Ursache für ambulante Vorstellungen und Hospitalisierungen. Die IDSA-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen für das Management bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung von Dehydratation und dem gezielten Einsatz von Diagnostik und antimikrobieller Therapie.
Klinische Evaluierung
Eine detaillierte klinische und epidemiologische Anamnese ist bei jedem Patienten obligatorisch. Patienten jeden Alters müssen auf Dehydratation untersucht werden, da diese das Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen erhöht.
Bei Patienten mit Fieber oder blutiger Diarrhö sollte gezielt nach Erregern gesucht werden, bei denen eine Antibiose klinischen Nutzen bringt (z. B. Salmonella enterica, Shigella, Campylobacter). Bei fieberhaften Patienten mit entsprechender Reiseanamnese ist an ein enterisches Fieber (Typhus) zu denken.
Diagnostik
Die Stuhldiagnostik ist nicht bei jeder unkomplizierten Diarrhö notwendig. Sie sollte gezielt eingesetzt werden:
| Diagnostik | Indikation |
|---|---|
| Stuhlkultur / PCR | Fieber, blutige/muköse Stühle, schwere Krämpfe, Sepsiszeichen |
| Shiga-Toxin-Nachweis | Verdacht auf STEC, blutige Diarrhö, HUS-Risiko |
| C. difficile Testung | Alter >2 Jahre UND Z.n. Antibiose (letzte 8-12 Wochen) oder nosokomiale Diarrhö |
| Blutkultur | Säuglinge <3 Monate, Sepsiszeichen, Immunsuppression, Verdacht auf Typhus |
Wichtig: Fäkale Leukozyten und Lactoferrin sollen nicht zur Ursachenklärung einer akuten infektiösen Diarrhö herangezogen werden.
Therapie und Rehydratation
Die Basistherapie besteht im Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten.
- Orale Rehydratation: Eine orale Rehydratationslösung (ORS) mit reduzierter Osmolarität ist die First-Line-Therapie bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation.
- Intravenöse Rehydratation: Isotonische Lösungen (Ringer-Laktat, NaCl) sind indiziert bei schwerer Dehydratation, Schock, verändertem Bewusstseinszustand oder Ileus.
- Ernährung: Muttermilch soll bei Säuglingen weitergegeben werden. Eine altersgerechte normale Ernährung sollte während oder direkt nach der Rehydratation wieder aufgenommen werden.
Empirische Antibiose
Eine empirische Antibiose wird bei immunkompetenten Patienten mit akuter wässriger oder blutiger Diarrhö grundsätzlich nicht empfohlen. Es gibt jedoch spezifische Ausnahmen:
| Patientengruppe | Empfehlung | Bevorzugte Wirkstoffe |
|---|---|---|
| Säuglinge <3 Monate (Verdacht auf bakterielle Genese) | Empirische Antibiose indiziert | Cephalosporine 3. Generation |
| Erwachsene (schwere Shigellose oder Reiseanamnese + Sepsis) | Empirische Antibiose indiziert | Fluorchinolon (z.B. Ciprofloxacin) oder Azithromycin |
| Verdacht auf STEC O157 | Kontraindiziert | Keine (erhöht HUS-Risiko!) |
Symptomatische Therapie
- Antimotilitätsmedikamente (z. B. Loperamid): Dürfen nicht bei Kindern <18 Jahren eingesetzt werden. Bei immunkompetenten Erwachsenen mit wässriger Diarrhö möglich, aber strikt zu vermeiden bei Verdacht auf toxisches Megakolon oder entzündlicher Diarrhö (Fieber, blutige Stühle).
- Antiemetika (z. B. Ondansetron): Können bei Kindern >4 Jahren und Jugendlichen erwogen werden, um die Toleranz der oralen Rehydratation zu verbessern.
- Probiotika: Können zur Reduktion von Schweregrad und Dauer bei immunkompetenten Patienten erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Vermeiden Sie die empirische Antibiose bei unkomplizierter blutiger Diarrhö und testen Sie gezielt auf Shiga-Toxin. Eine Antibiose bei STEC O157 erhöht das Risiko für ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) erheblich. Loperamid ist bei Kindern unter 18 Jahren kontraindiziert.