HIV-PEP: Indikation, Medikamentenschemata & Diagnostik
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie (Version 2022) definiert die medizinischen Standards zur postexpositionellen Prophylaxe (PEP) einer HIV-Infektion. Ziel der Maßnahmen ist es, nach einem Kontakt mit potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten die Etablierung einer HIV-Infektion zu verhindern.
Laut Leitlinie basiert die Wirksamkeit der PEP maßgeblich auf einem möglichst frühen Beginn nach der Exposition. Tierexperimentelle Daten und Fallkontrollstudien zeigen, dass eine rasche antiretrovirale Therapie das Infektionsrisiko signifikant senkt.
Eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie der Indexperson, die die Viruslast unter die Nachweisgrenze (unter 50 Kopien/ml) senkt, reduziert das Übertragungsrisiko auf ein minimales Restrisiko. In solchen Fällen ist eine medikamentöse Prophylaxe in der Regel nicht mehr gerechtfertigt.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist das Warten auf Laborergebnisse vor dem Start der Prophylaxe. Die Leitlinie betont, dass eine indizierte HIV-PEP unverzüglich, idealerweise innerhalb von zwei Stunden, begonnen werden soll. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Nadelstichverletzungen durch herumliegende Kanülen im öffentlichen Raum (z.B. im Sandkasten) keine Indikation für eine HIV-PEP darstellen, da hierfür bislang keine Übertragungen dokumentiert sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte die Prophylaxe so schnell wie möglich, am besten innerhalb von zwei Stunden nach der Exposition, gestartet werden. Nach Ablauf von 72 Stunden wird ein Beginn in der Regel nicht mehr empfohlen.
Die Leitlinie sieht nach Oralverkehr keine Indikation für eine medikamentöse Prophylaxe. Dies gilt unabhängig von der Art des Oralverkehrs und der Viruslast der Indexperson.
Es wird eine ununterbrochene Einnahme der antiretroviralen Medikamente über einen Zeitraum von 28 bis 30 Tagen empfohlen. Die Therapie kann vorzeitig beendet werden, falls sich die Indexperson nachträglich als HIV-negativ erweist.
Bei Stichverletzungen durch herumliegendes Drogenbesteck im öffentlichen Raum besteht laut Leitlinie keine Indikation für eine HIV-PEP. Es wird jedoch empfohlen, an eine mögliche Übertragung von Hepatitis B, Hepatitis C und Tetanus zu denken.
Die Leitlinie empfiehlt die Durchführung eines HIV-Antikörpertests sechs Wochen nach dem Ende der Prophylaxe-Einnahme. Ein Auftreten von fieberhaften Infekten in dieser Zeit sollte ärztlich abgeklärt werden.
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Quelle: Medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach HIV-Exposition (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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