Hepatozelluläres Karzinom (HCC): Ramucirumab-Indikation
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Nutzenbewertung von Ramucirumab beauftragt. Der Wirkstoff wird bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom (HCC) eingesetzt.
Voraussetzung für den Einsatz ist ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml sowie eine vorherige Behandlung mit Sorafenib. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde Best supportive Care (BSC) festgelegt.
Die Bewertung des Zusatznutzens basiert auf den Ergebnissen der randomisierten, placebokontrollierten Studien REACH und REACH-2. In diesen Studien wurde Ramucirumab in Kombination mit BSC gegen Placebo plus BSC untersucht.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen von Ramucirumab im Vergleich zu Best supportive Care (BSC):
Gesamtüberleben
Laut IQWiG zeigt sich in der Metaanalyse der eingeschlossenen Studien ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ramucirumab plus BSC. Daraus wird ein Beleg für einen Zusatznutzen mit dem Ausmaß "erheblich" für das Gesamtüberleben abgeleitet.
Morbidität und Lebensqualität
Für die Endpunkte Symptomatik (erhoben mittels FHSI-8) und Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ-5D VAS) liegen laut Bericht keine verwertbaren Daten vor. Endpunkte zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in den Studien nicht erhoben. Ein Zusatznutzen ist in diesen Kategorien somit nicht belegt.
Nebenwirkungen
In der Kategorie der Nebenwirkungen zeigen sich sowohl positive als auch negative Effekte für Ramucirumab:
-
Ein Hinweis auf einen geringeren Schaden zeigt sich bei schweren Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, schwerer Hyperbilirubinämie und schweren Abweichungen bei Untersuchungen.
-
Ein Hinweis auf einen höheren Schaden ergibt sich bei schwerer Hypertonie, peripheren Ödemen, Kopfschmerzen sowie Erkrankungen der Geschlechtsorgane und Brustdrüse.
-
Bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) und Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen gibt es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau stellt das IQWiG fest, dass der positive Effekt beim Gesamtüberleben maßgeblich ist. Die negativen Effekte im Bereich der Nebenwirkungen führen jedoch zu einer Herabstufung des Ausmaßes.
Zusammenfassend ergibt sich laut IQWiG ein Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen von Ramucirumab plus BSC gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Applikationsweg | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Ramucirumab | 8 mg/kg Körpergewicht | intravenös (über ca. 60 Minuten) | Tag 1 eines jeden Zyklus (alle 2 Wochen) |
Zusätzlich wird laut Fachinformation eine Prämedikation mit einem Histamin-H1-Antagonisten (z. B. Diphenhydramin) vor der Infusion empfohlen.
Kontraindikationen
Laut IQWiG-Bericht und Fachinformation gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff stellt eine Kontraindikation dar.
-
Besondere Vorsicht ist geboten bei arteriellen thromboembolischen Ereignissen (ATE), gastrointestinalen Perforationen (GIP), schweren Blutungen, infusionsbedingten Reaktionen (IRR), Hypertonie und beeinträchtigter Wundheilung.
-
Patientinnen und Patienten mit portaler Hypertonie oder stattgehabten Varizenblutungen sollten vor Therapiebeginn auf Ösophagusvarizen gescreent und entsprechend behandelt werden.
-
Unter Ramucirumab wurde eine höhere Inzidenz an hepatischer Enzephalopathie berichtet. Bei Auftreten einer hepatischen Enzephalopathie oder eines hepatorenalen Syndroms muss die Behandlung endgültig beendet werden.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass unter der Therapie mit Ramucirumab eine erhöhte Inzidenz für hepatische Enzephalopathien beobachtet wurde. Es wird empfohlen, Patientinnen und Patienten mit portaler Hypertonie vor Behandlungsbeginn auf Ösophagusvarizen zu screenen und während der Therapie engmaschig auf klinische Zeichen einer hepatischen Enzephalopathie zu überwachen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist Ramucirumab für erwachsene Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom zugelassen. Voraussetzung ist eine Vortherapie mit Sorafenib sowie ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml.
Der IQWiG-Bericht attestiert Ramucirumab in Kombination mit Best supportive Care (BSC) einen Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber alleiniger BSC. Maßgeblich hierfür ist ein signifikanter Vorteil beim Gesamtüberleben.
Die Auswertung zeigt laut IQWiG einen Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwere Hypertonie, periphere Ödeme und Kopfschmerzen. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf geringere Raten an schweren gastrointestinalen Erkrankungen und schwerer Hyperbilirubinämie im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Die empfohlene Dosis beträgt gemäß den im Bericht zitierten Fachinformationen 8 mg/kg Körpergewicht. Die Gabe erfolgt alle zwei Wochen als intravenöse Infusion über etwa 60 Minuten.
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Quelle: IQWiG A19-73: Ramucirumab (hepatozelluläres Karzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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