WHO2021

Hepatitis-C-Selbsttest (HCV): Indikation und Diagnostik

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Weltweit leben schätzungsweise 58 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-C-Virusinfektion (HCV), von denen laut Schätzungen nur 21 Prozent diagnostiziert sind. Um das globale Ziel der Eliminierung von HCV als öffentliches Gesundheitsproblem bis 2030 zu erreichen, sind innovative Ansätze erforderlich.

Die WHO-Leitlinie (2021) adressiert diese diagnostische Lücke durch die Einführung von HCV-Selbsttests (HCVST). Diese Tests richten sich insbesondere an Personen, die über bestehende Gesundheitseinrichtungen schwer erreichbar sind oder selbstbestimmte Testmöglichkeiten bevorzugen.

Erfahrungen aus der Implementierung von HIV-Selbsttests zeigen, dass solche Ansätze die Testbereitschaft signifikant erhöhen können. Die Leitlinie betont, dass Selbsttests eine wichtige Ergänzung zu etablierten testbasierten Strategien darstellen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen und Implementierungsstrategien:

Kernempfehlung

Es wird empfohlen, HCV-Selbsttests als zusätzlichen Ansatz zu den bestehenden HCV-Testdiensten anzubieten (starke Empfehlung, Evidenz von moderater Qualität).

Diagnostischer Algorithmus

Ein HCV-Selbsttest liefert keine endgültige Diagnose, sondern weist lediglich HCV-Antikörper nach. Laut Leitlinie muss bei einem reaktiven (positiven) Selbsttest zwingend eine Bestätigungsdiagnostik durch geschultes Personal erfolgen.

Hierfür wird ein quantitativer oder qualitativer molekularer RNA-Test oder alternativ ein HCV-Kernantigen-Test (HCV cAG) empfohlen, um eine virämische Infektion zu bestätigen. Im Anschluss wird eine strukturierte Anbindung an Präventions-, Behandlungs- und Betreuungsangebote gefordert.

Zielgruppen

Die Implementierung von HCV-Selbsttests sollte sich auf Regionen und Populationen mit der höchsten Krankheitslast und den größten diagnostischen Lücken konzentrieren. Die Leitlinie nennt folgende prioritäre Gruppen:

  • Schlüsselpopulationen wie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und Personen, die Drogen injizieren

  • Vulnerable Gruppen wie Migranten aus Hochprävalenzländern und HIV-positive Personen

  • Die Allgemeinbevölkerung in Gebieten mit sehr hoher HCV-Prävalenz

Bereitstellungsmodelle

Es wird empfohlen, den Nutzern verschiedene Modelle zur Testbeschaffung anzubieten. Die Leitlinie vergleicht hierbei unterschiedliche Distributionswege:

BereitstellungsmodellBeschreibung und Zielgruppe
Online und digitalBestellung über Webseiten/Apps mit Lieferung nach Hause; besonders geeignet für jüngere Menschen und Schlüsselpopulationen.
Einzelhandel und ApothekenVerkauf gegen Gebühr, potenziell subventioniert durch Gutscheine oder öffentlich-private Partnerschaften.
EinrichtungsbasiertAusgabe in Kliniken oder Praxen zur späteren Nutzung oder zur Weitergabe an Dritte.
Sekundäre VerteilungWeitergabe der Tests durch Nutzer an Sexualpartner, soziale Kontakte oder Drogenkonsum-Netzwerke.
GemeindebasiertVerteilung durch Laienhelfer oder Peers im Rahmen von Kampagnen oder aufsuchender Sozialarbeit.
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein reaktiver HCV-Selbsttest beweist lediglich den Kontakt mit dem Virus, nicht aber eine aktive, behandlungsbedürftige Infektion. Die Leitlinie betont, dass der kritischste Punkt bei der Implementierung von Selbsttests die erfolgreiche Anbindung der Nutzer an eine professionelle RNA-Bestätigungsdiagnostik ist. Es wird daher geraten, den Testkits stets klare, lokal angepasste Handlungsanweisungen und Kontaktinformationen für die weitere klinische Abklärung beizulegen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie zeigen Studien eine sehr hohe Akzeptanz und Durchführbarkeit. Die meisten Nutzer können die Tests anhand der Herstelleranweisungen korrekt anwenden, wobei Anwendungsfehler selten zu falschen Ergebnissen führen.

Die Leitlinie gibt an, dass sowohl Tests auf Basis von Kapillarblut (Fingerstich) als auch Speicheltests (Oral Fluid) verwendet werden können. Es wird berichtet, dass Nutzer keine eindeutige Präferenz für eine der beiden Methoden haben.

Es wird zwingend eine Bestätigungsdiagnostik durch medizinisches Fachpersonal empfohlen. Gemäß Leitlinie sollte hierfür ein HCV-RNA-Test oder ein HCV-Kernantigen-Test durchgeführt werden, um eine aktive virämische Infektion nachzuweisen.

Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz besonders bei Personen, die reguläre medizinische Einrichtungen meiden oder schwer Zugang dazu haben. Dazu zählen unter anderem Drogen injizierende Personen, Männer, die Sex mit Männern haben, sowie Migranten aus Hochprävalenzgebieten.

Ja, die Leitlinie beschreibt die sogenannte sekundäre Verteilung als sinnvolles Modell. Dabei werden Testkits an Indexpatienten ausgegeben, damit diese sie an ihre Sexualpartner oder Personen im gleichen sozialen Netzwerk weitergeben können.

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Quelle: Recommendations and guidance on hepatitis C virus self-testing (WHO, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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