Hepatische Enzephalopathie (HE): Rifaximin-Therapie
Hintergrund
Die hepatische Enzephalopathie (HE) umfasst ein Spektrum neuropsychiatrischer Veränderungen, die als schwerwiegende Komplikation einer Leberzirrhose auftreten können. Ammoniak, das hauptsächlich durch bakteriellen Stoffwechsel im Darm produziert wird, spielt bei der Entstehung dieser Erkrankung eine zentrale Rolle.
Als Standardtherapie werden häufig nicht resorbierbare Disaccharide (NAD) wie Lactulose oder Lactitol eingesetzt. Rifaximin ist ein nicht resorbierbares Antibiotikum, das lokal im Darm wirkt und die ammoniakproduzierenden Bakterien hemmt, wodurch die Ammoniakaufnahme in den Blutkreislauf verringert wird.
Der vorliegende Cochrane Review (2023) untersucht die Evidenz zur Vorbeugung und Behandlung der HE mit Rifaximin. Dabei wird sowohl die Monotherapie als auch die Kombination mit nicht resorbierbaren Disacchariden hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit bewertet.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zur Wirksamkeit von Rifaximin in verschiedenen therapeutischen Konstellationen zusammen:
Rifaximin als Monotherapie
Der Review zeigt, dass Rifaximin im Vergleich zu Placebo die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei minimaler HE wahrscheinlich verbessert (moderate Evidenz).
Zudem wird eine allgemeine Verbesserung der HE-Symptomatik beobachtet. Auf die Gesamtmortalität oder schwere unerwünschte Ereignisse hat die Monotherapie laut den Autoren jedoch keinen signifikanten Einfluss.
Vergleich mit Lactulose und Lactitol
Im direkten Vergleich mit nicht resorbierbaren Disacchariden (NAD) zeigt Rifaximin keinen überlegenen Gesamteffekt.
Es ergeben sich keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Mortalität, schwere unerwünschte Ereignisse oder die klinische Verbesserung der hepatischen Enzephalopathie.
Kombinationstherapie (Rifaximin + NAD)
Die Kombination von Rifaximin mit einem NAD (wie Lactulose) zeigt im Vergleich zur alleinigen NAD-Gabe deutliche klinische Vorteile. Der Review hebt folgende Effekte der Kombinationstherapie hervor:
-
Reduktion der Gesamtmortalität (moderate Evidenz, NNTB = 22)
-
Geringeres Risiko für schwere unerwünschte Ereignisse
-
Bessere Rückbildung der hepatischen Enzephalopathie (NNTB = 5)
-
Verkürzung der Krankenhausverweildauer
-
Effektivere Vorbeugung von HE-Rückfällen
Klinische Einordnung
Aufgrund der Datenlage wird der Einsatz von Rifaximin insbesondere als Zusatztherapie zu Lactulose bewertet. Dies gilt vor allem für die Sekundärprophylaxe bei Personen, die auf Lactulose allein unzureichend ansprechen.
Dosierung
Die in den Studien verwendeten Dosierungen und Behandlungsdauern variierten je nach Indikation. Der Review fasst folgende mediane Dosierungsschemata aus den eingeschlossenen Studien zusammen:
| Indikation | Mittlere Tagesdosis | Mittlere Behandlungsdauer |
|---|---|---|
| Akute hepatische Enzephalopathie | 1200 mg | 10 Tage |
| Chronische hepatische Enzephalopathie | 1200 mg | 15 Tage |
| Minimale hepatische Enzephalopathie | 1100 mg | 8 Wochen |
| Primärprophylaxe | 1200 mg | 7 Tage |
| Sekundärprophylaxe | 1100 mg | 6 Monate |
Kontraindikationen
Der Quelltext nennt keine absoluten Kontraindikationen. Es wird jedoch auf folgende häufige unerwünschte Ereignisse hingewiesen:
-
Übelkeit
-
Blähungen (Flatulenz)
-
Diarrhö
Das Risiko für eine systemische Antibiotikaresistenz oder eine Infektion mit Clostridium difficile wird unter Rifaximin als gering eingestuft.
💡Praxis-Tipp
Der entscheidende klinische Nutzen von Rifaximin zeigt sich laut Evidenzlage nicht in der Monotherapie, sondern in der Kombination mit Lactulose. Es wird hervorgehoben, dass diese Kombinationstherapie im Vergleich zur alleinigen Lactulose-Gabe die Mortalität signifikant senkt und die Krankenhausverweildauer verkürzt.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review zeigt Rifaximin als Monotherapie keinen überlegenen Effekt gegenüber Lactulose. Beide Substanzen weisen im direkten Vergleich eine ähnliche Wirksamkeit auf.
Der größte klinische Nutzen wird in der Kombination von Rifaximin mit Lactulose gesehen. Diese Kombination wird insbesondere zur Sekundärprophylaxe bei unzureichendem Ansprechen auf Lactulose allein bewertet.
Als Monotherapie hat Rifaximin keinen signifikanten Einfluss auf die Gesamtmortalität. In Kombination mit einem nicht resorbierbaren Disaccharid wie Lactulose wird jedoch eine signifikante Reduktion der Mortalität beschrieben.
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählen Übelkeit, Blähungen und Durchfall. Das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie eine Clostridium-difficile-Infektion gilt als gering.
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Quelle: Cochrane Review: Rifaximin for prevention and treatment of hepatic encephalopathy in people with cirrhosis (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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