Haut- und Weichgewebeinfektionen: Parenterale Therapie
Hintergrund
Bakterielle Haut- und Weichgewebeinfektionen (HWGI) gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen und zeigen ein breites klinisches Spektrum. Dieses reicht von oberflächlichen Pyodermien bis hin zu lebensbedrohlichen Myonekrosen mit hoher Letalität.
Die vorliegende S2k-Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) fokussiert sich auf die kalkulierte parenterale Initialtherapie dieser Erkrankungen bei Erwachsenen. Sie gliedert die Infektionen nach Schweregrad und der Notwendigkeit chirurgischer Interventionen.
Eine systemische, parenterale Antibiotikagabe ist laut Leitlinie unter anderem indiziert bei diffuser Ausbreitung, systemischen Entzündungszeichen, relevanter Immunsuppression oder kritischer Lokalisation (z.B. Hand oder Gesicht). Bei kritisch kranken Patienten oder Sepsis-Zeichen wird eine Erhöhung der Standarddosierungen empfohlen, um eine ausreichende Wirksamkeit zu erzielen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie betrifft nekrotisierende Weichgewebeinfektionen: Ein extremer, ischämisch bedingter lokaler Schmerz, der in keinem offensichtlichen Verhältnis zum zunächst sichtbaren klinischen Befund steht, gilt als wichtigstes und oft einziges typisches Frühsymptom. Bei entsprechendem Verdacht wird eine sofortige chirurgische Inspektion empfohlen, da ein früher Therapiebeginn und ein radikales Debridement prognoseentscheidend sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie stellt die Inzision und Drainage die primäre und wichtigste Therapie dar. Eine zusätzliche Antibiotikagabe ist unter anderem bei Lokalisation im Gesicht oder an den Händen, bei diffuser Ausbreitung, Immunsuppression oder systemischen Entzündungszeichen indiziert.
Für das klassische Erysipel wird Penicillin als Therapie der Wahl empfohlen, da es meist durch beta-hämolysierende Streptokokken verursacht wird. Bei unkomplizierten Verläufen genügt orales Penicillin V, bei komplizierten Verläufen wird intravenöses Penicillin G eingesetzt.
Die Leitlinie empfiehlt bei Hunde-, Katzen- und Menschenbissen primär ein Aminopenicillin in Kombination mit einem Beta-Lactamase-Inhibitor. Dies deckt das typische aerob-anaerobe Mischspektrum inklusive Pasteurella-Arten ab.
Es wird eine Behandlungsdauer von mindestens 7 bis 10 Tagen empfohlen. Bei Vorliegen von Ödemen oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sollte die Therapie laut Leitlinie mindestens 10 Tage betragen.
Bei Verdacht auf eine Infektion durch Hospital-assoziierte MRSA (HA-MRSA) empfiehlt die Leitlinie primär Linezolid oder Daptomycin. Als Alternative wird Vancomycin in Kombination mit Rifampicin, Fosfomycin oder Fusidinsäure genannt.
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Quelle: PEG S2k Kalkulierte parenterale Initialtherapie - Haut- und Weichgewebeinfektionen (PEG). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.
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