Glaukom: Diagnostik, Therapie und Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Das chronische Offenwinkelglaukom (COAG) und die okuläre Hypertension (OHT) erfordern eine präzise Diagnostik und ein strukturiertes Management, um irreversible Sehverluste zu verhindern. Die NICE-Leitlinie NG81 liefert hierzu umfassende klinische Vorgaben.
Ein zentraler Fokus liegt auf der korrekten Indikationsstellung für Überweisungen sowie der Etablierung der selektiven Lasertrabekuloplastik (SLT) als primäre Therapieoption. Zudem werden klare Kriterien für das langfristige Monitoring definiert.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:
Diagnostik und Überweisung
Vor einer Überweisung zur Glaukom-Diagnostik wird eine umfassende Untersuchung empfohlen. Diese umfasst eine Gesichtsfeldprüfung, die Beurteilung des Sehnervs, die Messung des Augeninnendrucks (IOP) mittels Goldmann-Applanationstonometrie sowie die Beurteilung der Vorderkammer.
Es wird ausdrücklich davon abgeraten, eine Überweisung ausschließlich auf Basis einer Non-Contact-Tonometrie zu veranlassen. Eine Überweisung wird empfohlen, wenn der IOP 24 mmHg oder mehr beträgt, ein glaukomtypischer Gesichtsfelddefekt vorliegt oder Schäden am Sehnervenkopf erkennbar sind.
Therapie der okulären Hypertension (OHT)
Laut Leitlinie wird bei neu diagnostizierter OHT mit einem IOP von mindestens 24 mmHg und einem lebenslangen Risiko für Sehbeeinträchtigungen die 360°-selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) als Erstlinientherapie empfohlen.
Falls eine SLT nicht gewünscht oder ungeeignet ist, wird der Einsatz eines generischen Prostaglandin-Analogons (PGA) empfohlen. Bei unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeit sollte gemäß Leitlinie auf eine andere Wirkstoffklasse (z. B. Betablocker, Carboanhydrasehemmer) gewechselt werden.
Therapie des chronischen Offenwinkelglaukoms (COAG)
Bei einem neu diagnostizierten, nicht fortgeschrittenen COAG empfiehlt die Leitlinie ebenfalls die 360°-SLT als primäre Behandlungsoption. Bei fortgeschrittenem COAG wird primär eine Glaukomoperation mit pharmakologischer Augmentation (Mitomycin-C) empfohlen.
Als medikamentöse Alternative zur SLT wird auch hier ein generisches PGA empfohlen. Die Leitlinie betont, dass bei unzureichender Drucksenkung trotz Therapie die Adhärenz und die Tropftechnik überprüft werden sollten.
Monitoring und Nachsorge
Die Intervalle für Kontrolluntersuchungen richten sich nach der Diagnose, der IOP-Kontrolle und dem Progressionsrisiko. Die Leitlinie definiert folgende Intervalle für Patienten mit COAG:
| Progression | IOP kontrolliert | Empfohlenes Intervall |
|---|---|---|
| Nicht erkennbar | Nein | 1 bis 4 Monate |
| Unsicher oder vorhanden | Nein | 1 bis 2 Monate |
| Keine Progression, niedriges Risiko | Ja | 12 bis 18 Monate |
| Keine Progression, hohes Risiko | Ja | 6 bis 12 Monate |
| Unsicher oder vorhanden | Ja | 2 bis 6 Monate |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine 360°-selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) bei Fällen, die mit einem Pigmentdispersionssyndrom assoziiert sind, ausgeschlossen werden sollte. In diesen Fällen wird eine medikamentöse Therapie mit Augentropfen als geeigneter erachtet.
Zudem wird bei einer Allergie gegen Konservierungsmittel oder bei klinisch relevanter Augenoberflächenerkrankung die Verwendung von konservierungsmittelfreien Augentropfen empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Überweisung von Patienten ausschließlich auf Basis eines erhöhten Augeninnendrucks, der mittels Non-Contact-Tonometrie gemessen wurde. Die Leitlinie betont, dass vor einer Überweisung stets eine Goldmann-Applanationstonometrie sowie eine Beurteilung von Sehnerv und Gesichtsfeld erfolgen sollten. Zudem wird hervorgehoben, dass die 360°-SLT mittlerweile als Erstlinientherapie vor den klassischen Augentropfen empfohlen wird.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Überweisung zur weiteren Diagnostik, wenn der Augeninnendruck bei der Goldmann-Applanationstonometrie 24 mmHg oder mehr beträgt. Zuvor sollte erwogen werden, die Messung an einem anderen Tag zu wiederholen.
Bei einem nicht fortgeschrittenen chronischen Offenwinkelglaukom wird primär eine 360°-selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) empfohlen. Alternativ oder bei Kontraindikationen kommen generische Prostaglandin-Analoga zum Einsatz.
Es wird empfohlen, Patienten mit okulärer Hypertension nicht zu behandeln, wenn für sie zu Lebzeiten kein Risiko für eine Sehbeeinträchtigung besteht. Diese Patienten sollten laut Leitlinie lediglich in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.
Die Kontrollintervalle hängen von der Druckeinstellung und dem Progressionsrisiko ab. Bei gut eingestelltem Druck und geringem Risiko empfiehlt die Leitlinie Intervalle von 12 bis 18 Monaten, bei unzureichender Kontrolle deutlich engmaschiger.
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Quelle: Glaucoma: diagnosis and management (NICE, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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