Gesundheitskompetenz bei Migranten: Interventionen
Hintergrund
Gesundheitskompetenz ist entscheidend für gesundheitsbezogene Entscheidungen und das Krankheitsmanagement. Menschen mit Migrationserfahrung weisen häufig ein erhöhtes Risiko für eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf.
Ein systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2023 untersucht die Wirksamkeit verschiedener Interventionen zur Förderung der Gesundheitskompetenz in dieser Zielgruppe. Dabei wurden 34 randomisierte kontrollierte Studien mit über 8200 Teilnehmenden ausgewertet.
Die analysierten Maßnahmen wurden an Kultur, Sprache und Lese- sowie Rechtschreibniveau der Teilnehmenden angepasst. Der Fokus lag auf dem Finden, Verstehen, Bewerten und Anwenden von Gesundheitsinformationen.
Empfehlungen
Der Review bewertet die Effekte verschiedener Interventionen auf die Gesundheitskompetenz:
Strukturierte Selbstmanagementprogramme (SMP)
Verglichen mit keiner Intervention verbessern SMP laut Review wahrscheinlich die Selbstwirksamkeit im Umgang mit der eigenen Erkrankung leicht (moderate Evidenz).
Zudem können sie die krankheitsspezifische Gesundheitskompetenz und das Gesundheitsverhalten geringfügig verbessern (niedrige Evidenz).
Im Vergleich zu rein schriftlichen Informationen zeigen SMP folgende Effekte:
-
Wahrscheinliche Verbesserung der Medienkompetenz und Selbstwirksamkeit (moderate Evidenz)
-
Mögliche Steigerung des Wissens und bestimmter Gesundheitsverhaltensweisen (niedrige Evidenz)
Audiovisuelle Edukation
Der Review zeigt, dass audiovisuelle Formate ohne persönliches Feedback im Vergleich zur Standardversorgung wahrscheinlich die Depressionskompetenz verbessern (moderate Evidenz).
Auch die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen wird durch diese Formate wahrscheinlich gesteigert.
Gegenüber schriftlichen Informationen verbessern audiovisuelle Interventionen wahrscheinlich die Beurteilung und Anwendung von Gesundheitsinformationen (moderate Evidenz).
Kurse und angepasste Anleitungen
Kurse zum Aufbau von Gesundheitskompetenzen können das Wissen und die allgemeine Gesundheitskompetenz im Vergleich zu keiner Intervention verbessern (niedrige Evidenz).
Auf das konkrete Gesundheitsverhalten haben sie laut den Autoren jedoch kaum Auswirkungen.
Medizinische Anleitungen in einfacher Sprache oder mit Bildern verbessern möglicherweise das Verständnis von Gesundheitsinformationen (niedrige Evidenz).
Übersicht der Interventionen
Der Review vergleicht verschiedene Interventionsarten hinsichtlich ihrer Haupteffekte:
| Intervention | Vergleichsgruppe | Haupteffekt | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Selbstmanagement | Keine Intervention | Verbesserung der Selbstwirksamkeit | Moderat |
| Selbstmanagement | Schriftliche Info | Verbesserung von Medienkompetenz | Moderat |
| Audiovisuelle Edukation | Keine Intervention | Verbesserung der Depressionskompetenz | Moderat |
| Audiovisuelle Edukation | Schriftliche Info | Bessere Beurteilung von Informationen | Moderat |
| Gesundheitskurse | Keine Intervention | Verbesserung des allgemeinen Wissens | Niedrig |
| Angepasste Anleitungen | Keine Intervention | Besseres Verständnis von Informationen | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis des Reviews ist, dass reine Wissensvermittlung nicht zwingend zu einer Verhaltensänderung führt. Es wird hervorgehoben, dass strukturierte Selbstmanagementprogramme und audiovisuelle Formate die Selbstwirksamkeit und Anwendungskompetenz effektiver stärken als rein schriftliche Standardinformationen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review zeigen strukturierte Selbstmanagementprogramme und audiovisuelle Edukation die verlässlichsten positiven Effekte. Sie verbessern insbesondere die Selbstwirksamkeit und die Anwendung von Gesundheitsinformationen.
Der Review deutet darauf hin, dass audiovisuelle Formate oder Selbstmanagementprogramme rein schriftlichen Informationen überlegen sind. Letztere verbessern die Medienkompetenz und die Beurteilung von Informationen effektiver.
Die aktuelle Evidenz hierzu ist sehr begrenzt. Es gibt lediglich schwache Hinweise darauf, dass Frauen bei audiovisuellen Schulungen zu Diabetes etwas stärker profitieren könnten als Männer.
Kurse zum Aufbau von Gesundheitskompetenzen verbessern zwar das Wissen, haben aber laut Review kaum direkte Auswirkungen auf das tatsächliche Gesundheitsverhalten. Hierfür scheinen umfassendere Selbstmanagementprogramme besser geeignet zu sein.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for improving health literacy in migrants (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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