CochraneIa2021

Elektronische Gesundheitsakte (ePA): Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Cochrane-Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Auswirkungen des Zugangs zu elektronischen Gesundheitsakten für erwachsene Personen. Ziel der Auswertung war es, den Einfluss auf die patientenzentrierte Versorgung und klinische Endpunkte zu bewerten.

Gesundheitsdienstleister bieten zunehmend webbasierte Portale an, über die Befunde, Medikationen und Krankengeschichten eingesehen werden können. Häufig werden diese Basiszugänge mit zusätzlichen Funktionen wie sicherer Kommunikation, Erinnerungssystemen oder krankheitsspezifischen Management-Tools kombiniert.

Theoretisch soll diese Transparenz die gemeinsame Entscheidungsfindung fördern und das Gesundheitsmanagement verbessern. Der Review analysierte zehn randomisierte kontrollierte Studien, um diese theoretischen Vorteile auf eine evidenzbasierte Grundlage zu stellen.

Empfehlungen

Die systematische Auswertung der Studienkollektive liefert folgende zentrale Erkenntnisse zu den Effekten der elektronischen Gesundheitsakte:

Auswirkungen auf patientenrelevante Endpunkte

Der Review vergleicht den Zugang zu elektronischen Gesundheitsakten (meist in Kombination mit Zusatzfunktionen) mit der alleinigen Regelversorgung. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wird überwiegend als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.

Die nachfolgende Tabelle fasst die Effekte auf verschiedene Zielgrößen zusammen:

EndpunktEffekt durch Aktenzugang (vs. Regelversorgung)Evidenzgrad (GRADE)
Wissen und VerständnisUnsicherer Effekt (klinische Relevanz unklar)Sehr niedrig
Empowerment der BetroffenenGeringer bis kein UnterschiedNiedrig
Adhärenz (Prävention/Monitoring)Möglicherweise leichte VerbesserungNiedrig
Adhärenz (Medikation)Widersprüchliche Ergebnisse, unklarer NutzenNiedrig
Zufriedenheit mit der VersorgungGeringer bis kein UnterschiedNiedrig
Unerwünschte Ereignisse / MortalitätGeringer bis kein Unterschied (sehr kleine Fallzahlen)Niedrig

Klinische Parameter und Ressourcenverbrauch

Laut den Autoren zeigt die Intervention möglicherweise wenig bis keinen Einfluss auf harte klinische Parameter. Dazu zählen unter anderem der HbA1c-Wert, der Blutdruck, die Cholesterinwerte sowie der Body-Mass-Index.

Auch hinsichtlich der Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen konnte kein wesentlicher Unterschied festgestellt werden. Die Häufigkeit von Arztbesuchen oder telefonischen Kontakten veränderte sich durch den digitalen Zugang nicht signifikant.

Schlussfolgerungen der Autoren

Aufgrund der unsicheren Evidenzlage formulieren die Autoren des Reviews zurückhaltende Schlüsse für die Praxis:

  • Eine flächendeckende Einführung von Patientenportalen kann derzeit nicht allein mit dem Ziel empfohlen werden, das Empowerment oder klinische Endpunkte zu verbessern.

  • Zukünftige Forschung sollte den Einsatz mobiler Anwendungen (mHealth) und die Auswirkungen auf gesundheitliche Ungleichheiten stärker fokussieren.

  • Es wird eine einheitliche Taxonomie gefordert, um verschiedene digitale Funktionen in künftigen Studien besser vergleichen zu können.

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💡Praxis-Tipp

Der Review verdeutlicht, dass der bloße digitale Zugang zu medizinischen Dokumenten nicht automatisch zu messbaren klinischen Verbesserungen führt. Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Implementierung solcher Systeme besonders auf die digitale Gesundheitskompetenz der Nutzer geachtet werden sollte, um gesundheitliche Ungleichheiten nicht unbeabsichtigt zu verstärken.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Review gibt es Hinweise, dass die Adhärenz bei Vorsorgeuntersuchungen und dem Monitoring von Risikofaktoren durch den digitalen Zugang leicht steigen kann. Bezüglich der Medikamentenadhärenz sind die Studienergebnisse jedoch widersprüchlich.

In den ausgewerteten Studien wurden keine signifikanten unerwünschten Effekte wie vermehrte Ängste, Sorgen oder Depressionen durch den Aktenzugang berichtet. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Fallzahlen für eine abschließende Beurteilung seltener Ereignisse zu gering waren.

Die aktuelle Evidenz zeigt, dass der Zugang zu elektronischen Gesundheitsakten wahrscheinlich wenig bis keinen Einfluss auf klinische Parameter wie den HbA1c-Wert, den Blutdruck oder die Blutfettwerte hat.

Die methodische Qualität der verfügbaren Studien wird als niedrig bis sehr niedrig eingestuft. Es wird betont, dass zukünftige, methodisch hochwertigere Untersuchungen die aktuellen Ergebnisse sehr wahrscheinlich noch verändern werden.

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Quelle: Cochrane Review: Adult patient access to electronic health records (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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