Gestationsdiabetes (GDM): oGTT, Therapie & Nachsorge
Hintergrund
Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist definiert als eine Glukosetoleranzstörung, die erstmals in der Schwangerschaft diagnostiziert wird. Die Pathophysiologie ähnelt der des Typ-2-Diabetes und ist durch eine zunehmende Insulinresistenz in der zweiten Schwangerschaftshälfte gekennzeichnet.
Ein unerkannter oder unzureichend behandelter GDM birgt signifikante Risiken für Mutter und Kind. Zu den mütterlichen Komplikationen zählen hypertensive Erkrankungen, Präeklampsie und eine erhöhte Sectiorate.
Für das Kind besteht insbesondere die Gefahr einer Makrosomie (Large for Gestational Age, LGA) sowie neonataler Hypoglykämien. Zudem haben betroffene Frauen ein stark erhöhtes Risiko, im späteren Leben einen manifesten Typ-2-Diabetes zu entwickeln.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die alleinige Bestimmung des HbA1c-Wertes zur postpartalen Diagnostik 6 bis 12 Wochen nach der Geburt ungeeignet, da peripartale Anämien oder Eisensubstitutionen den Wert falsch niedrig ausfallen lassen können. Es wird stattdessen zwingend die Durchführung eines 75-g-oGTT empfohlen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Geburtseinleitung vor 39+0 SSW aufgrund schlechter Blutzuckereinstellung vermieden werden soll, da dies die neonatale Morbidität erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie definiert die Diagnose eines Gestationsdiabetes nach den IADPSG-Kriterien bei Überschreiten mindestens eines Wertes im 75-g-oGTT. Die Grenzwerte im venösen Plasma liegen bei > 92 mg/dl (nüchtern), > 180 mg/dl (nach 1 Stunde) und > 153 mg/dl (nach 2 Stunden).
Eine Insulintherapie wird laut Leitlinie empfohlen, wenn bei 50 Prozent der Blutzuckerselbstmessungen die Zielwerte innerhalb einer Woche überschritten werden. Auch bei isoliert erhöhten Nüchternwerten über 95 mg/dl in mehr als der Hälfte der Messungen ist eine Insulineinstellung indiziert.
Metformin ist in Deutschland für die Schwangerschaft nicht zugelassen. Die Leitlinie erlaubt jedoch nach strenger Indikationsstellung und Aufklärung einen Off-Label-Use bei Schwangeren mit ausgeprägter Insulinresistenz und sehr hohem Insulinbedarf.
Die empfohlene Gewichtszunahme richtet sich nach dem präkonzeptionellen BMI. Laut Leitlinie wird bei Normalgewicht eine Zunahme von 11,5 bis 16 kg empfohlen, während bei Adipositas (BMI > 30) lediglich 5 bis 9 kg angestrebt werden sollten.
Es wird empfohlen, 6 bis 12 Wochen nach der Entbindung einen 75-g-oGTT durchzuführen, um einen persistierenden Diabetes auszuschließen. Danach wird eine jährliche bis zweijährliche Kontrolle der Nüchternglukose und des HbA1c angeraten.
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Quelle: Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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