Generalisierte Angststörung & Panik: Therapieschema
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG113 befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung der generalisierten Angststörung (GAS) und der Panikstörung bei Erwachsenen. Ziel ist es, eine vollständige Linderung der Symptome (Remission) zu erreichen.
Dies ist mit einer besseren Funktionsfähigkeit und einer geringeren Rückfallwahrscheinlichkeit verbunden. Die Leitlinie etabliert ein strukturiertes Stufenmodell (Stepped-Care-Modell) für beide Erkrankungen.
Dabei wird empfohlen, stets mit der am wenigsten eingreifenden, aber effektivsten Intervention zu beginnen. Die Betreuung reicht von der ersten Erkennung in der Primärversorgung bis hin zu hochspezialisierten psychiatrischen Behandlungen.
Empfehlungen
Diagnostik
Die NICE-Leitlinie empfiehlt, bei Personen mit chronischen körperlichen Beschwerden oder häufigem Aufsuchen der Primärversorgung an eine generalisierte Angststörung (GAS) zu denken. Zur initialen Einschätzung wird der GAD-2-Fragebogen empfohlen.
Bei Verdacht auf eine Panikstörung, insbesondere nach Vorstellung in der Notaufnahme mit Brustschmerzen, sollte laut Leitlinie zunächst eine akute körperliche Ursache ausgeschlossen werden. Anschließend wird eine Überweisung in die Primärversorgung empfohlen.
Therapie der generalisierten Angststörung
Die Leitlinie gliedert die Behandlung der GAS in ein vierstufiges Modell:
-
Stufe 1: Aufklärung über die Erkrankung und aktives Monitoring der Symptome
-
Stufe 2: Niedrigschwellige psychologische Interventionen wie unangeleitete oder angeleitete Selbsthilfe
-
Stufe 3: Hochintensive psychologische Intervention (kognitive Verhaltenstherapie) oder medikamentöse Therapie
-
Stufe 4: Hochspezialisierte multiprofessionelle Behandlung bei komplexer, behandlungsresistenter GAS
Therapie der Panikstörung
Für die Panikstörung empfiehlt die Leitlinie ebenfalls ein abgestuftes Vorgehen. Bei leichten bis mittelschweren Formen wird zunächst eine unangeleitete oder angeleitete Selbsthilfe empfohlen.
Bei mittelschwerer bis schwerer Panikstörung wird eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) oder eine medikamentöse Behandlung empfohlen. Die CBT sollte in der Regel 7 bis 14 Stunden umfassen.
Medikamentöse Therapie
Als medikamentöse Erstlinientherapie bei GAS wird ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmeinhibitor (SSRI) empfohlen. Sertralin wird dabei als kosteneffektivste Option hervorgehoben.
Bei Unwirksamkeit wird ein alternativer SSRI oder ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmeinhibitor (SNRI) empfohlen. Bei Unverträglichkeit von SSRI oder SNRI kann laut Leitlinie Pregabalin erwogen werden.
Bei der Panikstörung gelten ebenfalls SSRI als Mittel der ersten Wahl.
Monitoring und Nachsorge
Es wird empfohlen, die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten in den ersten drei Monaten alle 2 bis 4 Wochen zu überprüfen. Bei Personen unter 30 Jahren, die einen SSRI oder SNRI erhalten, wird eine wöchentliche Kontrolle im ersten Monat empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert klare Warnhinweise und Kontraindikationen bezüglich bestimmter Medikamentenklassen:
-
Benzodiazepine sollen weder bei der generalisierten Angststörung noch bei der Panikstörung verschrieben werden, außer als kurzfristige Maßnahme in Krisensituationen.
-
Antipsychotika werden für die Behandlung der generalisierten Angststörung in der Primärversorgung nicht empfohlen.
-
Bei der Panikstörung wird von der Verschreibung sedierender Antihistaminika oder Antipsychotika abgeraten.
Bei der Verordnung von SSRI wird vor einem erhöhten Blutungsrisiko gewarnt. Dies gilt insbesondere bei älteren Menschen oder bei gleichzeitiger Einnahme von NSAR oder Aspirin. In diesen Fällen wird ein Magenschutz empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxisaspekt der Leitlinie betrifft die Verordnung von SSRI und SNRI bei Personen unter 30 Jahren. Es wird davor gewarnt, dass diese Medikamente in dieser Altersgruppe mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und Selbstverletzung einhergehen können. Daher wird empfohlen, diese Personen innerhalb einer Woche nach der Erstverschreibung zu sehen und das Risiko im ersten Monat wöchentlich zu überwachen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie einen SSRI. Dabei wird Sertralin aufgrund seiner Kosteneffektivität besonders hervorgehoben, auch wenn dies einen Off-Label-Use darstellen kann.
Laut Leitlinie sind Benzodiazepine langfristig mit schlechteren Ergebnissen assoziiert. Sie sollen daher nicht für die reguläre Behandlung von Panikstörungen oder generalisierten Angststörungen verschrieben werden.
Wenn das Medikament bei einer generalisierten Angststörung wirksam ist, wird empfohlen, es für mindestens ein Jahr weiter einzunehmen. Bei einer Panikstörung wird eine Fortführung für mindestens 6 Monate nach Erreichen der optimalen Dosis empfohlen.
Es wird darauf hingewiesen, dass ein abruptes Absetzen zu Entzugssyndromen führen kann. Die Leitlinie empfiehlt, die Dosis über einen längeren Zeitraum schrittweise zu reduzieren.
Zur initialen Einschätzung von Angstgefühlen und der Fähigkeit, Sorgen zu kontrollieren, wird die Verwendung des 2-Item Generalized Anxiety Disorder Scale (GAD-2) empfohlen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: NICE CG113: Generalised anxiety disorder and panic disorder in adults (NICE, 2011). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen