Generalisierte Angst- & Panikstörung: Stufentherapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie behandelt die Versorgung und Therapie von Erwachsenen mit generalisierter Angststörung (GAS) oder Panikstörung. Das primäre Ziel ist es, eine vollständige Linderung der Symptome (Remission) zu erreichen. Dies ist laut Leitlinie mit einer besseren Funktionsfähigkeit und einer geringeren Rückfallwahrscheinlichkeit verbunden.

GAS und Panikstörungen können isoliert auftreten, sind aber häufig mit anderen Angst- und depressiven Störungen vergesellschaftet. Die Leitlinie nutzt ein Stufenmodell (Stepped-Care-Modell), um die Behandlung zu strukturieren. Dabei wird empfohlen, stets die am wenigsten eingreifende, aber effektivste Intervention zuerst anzubieten.

Empfehlungen

Die Leitlinie strukturiert die Behandlung nach einem Stufenmodell (Stepped-Care). Es wird empfohlen, die Therapie entsprechend der Schwere und dem Ansprechen auf vorherige Behandlungen anzupassen.

Stufenmodell der generalisierten Angststörung (GAS)

StufeFokus der InterventionArt der Intervention
Stufe 1Alle bekannten und vermuteten GAS-FälleIdentifikation, Aufklärung, aktives Beobachten
Stufe 2Diagnostizierte GAS ohne Besserung nach Stufe 1Niedrigschwellige psychologische Interventionen (Selbsthilfe, Gruppen)
Stufe 3Unzureichendes Ansprechen auf Stufe 2 oder starke BeeinträchtigungHochintensive psychologische Intervention (CBT/Entspannung) oder Medikamente
Stufe 4Komplexe, therapieresistente GAS, hohes SelbstverletzungsrisikoHochspezialisierte Behandlung, multiprofessionelle Teams, Krisendienste

Diagnostik und Basisversorgung bei GAS (Stufe 1)

Laut Leitlinie sollte bei Verdacht auf GAS eine umfassende Beurteilung erfolgen. Diese umfasst nicht nur die Anzahl und Dauer der Symptome, sondern auch den Grad der Belastung und der funktionellen Beeinträchtigung.

Es wird empfohlen, Aufklärung über die Natur der Erkrankung anzubieten. Zudem sollte eine aktive Beobachtung (Active Monitoring) der Symptome erfolgen, da dies bei leichteren Verläufen bereits ausreichend sein kann.

Psychologische Interventionen bei GAS (Stufe 2)

Wenn Aufklärung und Beobachtung nicht ausreichen, empfiehlt die Leitlinie psychologische Interventionen geringer Intensität. Dazu gehören:

  • Individuelle, unbegleitete Selbsthilfe (basierend auf CBT-Prinzipien)

  • Individuelle, begleitete Selbsthilfe (unterstützt durch geschultes Personal)

  • Psychoedukative Gruppen

Intensivtherapie und Medikamente bei GAS (Stufe 3)

Bei unzureichendem Ansprechen auf Stufe 2 oder bei starker funktioneller Beeinträchtigung stehen hochintensive psychologische Verfahren oder eine medikamentöse Therapie zur Wahl. Die Entscheidung sollte auf der Präferenz der behandelten Person basieren.

Als psychologische Verfahren werden kognitive Verhaltenstherapie (CBT) oder angewandte Entspannung empfohlen. Diese umfassen in der Regel 12 bis 15 wöchentliche Sitzungen.

Bei der medikamentösen Therapie empfiehlt die Leitlinie als erste Wahl einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), wobei Sertralin als kosteneffektivste Option hervorgehoben wird. Bei Unwirksamkeit kann ein anderer SSRI oder ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) angeboten werden.

Panikstörung – Akutvorstellung und Basisversorgung

Personen, die mit einer Panikattacke in der Notaufnahme vorstellig werden, sollten laut Leitlinie nach Ausschluss akuter körperlicher Ursachen nicht stationär aufgenommen werden. Es wird eine Überweisung in die Primärversorgung sowie die Abgabe von Informationsmaterial empfohlen.

Für leichte bis mittelschwere Panikstörungen empfiehlt die Leitlinie unbegleitete oder begleitete Selbsthilfe-Interventionen in der Primärversorgung.

Panikstörung – Intensivtherapie

Bei mittelschwerer bis schwerer Panikstörung wird eine Überweisung zur kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen. Alternativ kann ein Antidepressivum angeboten werden, wenn die Störung lang anhaltend ist oder psychologische Interventionen abgelehnt werden.

Als medikamentöse Therapie der Wahl wird ein für Panikstörungen zugelassener SSRI empfohlen. Bei Unwirksamkeit nach 12 Wochen können Imipramin oder Clomipramin erwogen werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Benzodiazepine sollen in der Primär- oder Sekundärversorgung nicht zur Behandlung von GAS oder Panikstörungen angeboten werden, außer als kurzfristige Maßnahme in Krisen.

  • Antipsychotika werden für die Behandlung von GAS in der Primärversorgung nicht empfohlen.

  • Bei Panikstörungen sollen keine sedierenden Antihistaminika oder Antipsychotika verschrieben werden.

  • Bei Personen unter 30 Jahren, die SSRI oder SNRI erhalten, wird vor einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken und Selbstverletzung gewarnt.

  • Es wird auf ein erhöhtes Blutungsrisiko unter SSRI hingewiesen, insbesondere bei älteren Menschen oder bei gleichzeitiger Einnahme von NSAR oder Aspirin.

  • Pregabalin birgt ein Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit und erfordert eine sorgfältige Evaluation vor der Verschreibung.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass ein abruptes Absetzen von Antidepressiva zu schwerwiegenden Entzugssymptomen führen kann. Es wird empfohlen, die Dosis über einen längeren Zeitraum schrittweise zu reduzieren und die behandelten Personen frühzeitig über mögliche Absetzsymptome wie Schwindel, Übelkeit oder Schlafstörungen aufzuklären.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt als medikamentöse Erstlinientherapie einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Dabei wird Sertralin aufgrund seiner Kosteneffektivität besonders hervorgehoben.

Laut Leitlinie sind Benzodiazepine mit schlechteren Langzeitergebnissen assoziiert. Sie sollen daher nicht für die reguläre Behandlung von Panikstörungen verschrieben werden, sondern bleiben kurzfristigen Kriseninterventionen vorbehalten.

Wenn ein Medikament wirksam ist, wird empfohlen, die Einnahme für mindestens ein Jahr fortzusetzen. Die Leitlinie begründet dies mit der hohen Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls bei vorzeitigem Absetzen.

Bei Personen unter 30 Jahren weisen SSRI und SNRI auf ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und Selbstverletzung hin. Es wird empfohlen, diese Personen innerhalb einer Woche nach Erstverschreibung zu sehen und das Risiko im ersten Monat wöchentlich zu überwachen.

Nach dem Ausschluss akuter körperlicher Ursachen wird von einer stationären Aufnahme abgeraten. Stattdessen empfiehlt die Leitlinie eine Überweisung in die Primärversorgung sowie die Abgabe von Informationsmaterial über Panikattacken.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Generalised anxiety disorder and panic disorder in adults: management (NICE, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.