NICEA2024Gynäkologie

Geburtsleitung bei Vorerkrankungen: Therapie & Vorgehen

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG121 befasst sich mit der intrapartalen Versorgung von Frauen mit bestehenden medizinischen Vorerkrankungen oder geburtshilflichen Komplikationen. Ziel ist es, durch eine strukturierte und interdisziplinäre Planung die Sicherheit für Mutter und Kind während der Geburt zu maximieren.

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die frühzeitige Einbindung eines multidisziplinären Teams. Dieses sollte individuell an die jeweilige Vorerkrankung angepasst werden und gemeinsam mit der Schwangeren einen detaillierten Geburtsplan erstellen.

Besondere Aufmerksamkeit wird Hochrisikosituationen wie Herzerkrankungen, Gerinnungsstörungen, Nierenerkrankungen sowie dem Management von Sepsis und Fieber unter der Geburt gewidmet.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert spezifische Empfehlungen für verschiedene Vorerkrankungen unter der Geburt.

Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz

Laut Leitlinie wird eine kontinuierliche Risikobewertung anhand der modifizierten WHO-Klassifikation und der NYHA-Klasse empfohlen. Bei Frauen mit mechanischen Herzklappen sollte eine geplante Geburt (Einleitung oder Sectio) erfolgen.

Für das Management der Plazentarperiode bei Frauen mit Herzerkrankungen der WHO-Klassen 3 oder 4 empfiehlt die Leitlinie folgendes Vorgehen:

ErkrankungUterotonikum der 1. WahlUterotonika der 2. WahlZu vermeidende Medikamente
Signifikante AortopathieOxytocinMisoprostol, CarboprostErgometrin
Eingeschränktes HerzzeitvolumenLangsame Oxytocin-InfusionMisoprostol, CarboprostLangwirksame Oxytocin-Analoga, Ergometrin
Pulmonalarterielle HypertonieOxytocinMisoprostolErgometrin, Carboprost, langwirksame Oxytocin-Analoga
Koronare HerzkrankheitOxytocinMisoprostolErgometrin

Gerinnungsstörungen und Thrombozytopenie

Bei Frauen mit Immunthrombozytopenie (ITP) oder Gestationsthrombozytopenie wird eine Anpassung des Geburtsplans anhand der mütterlichen Thrombozytenzahl empfohlen. Die Leitlinie rät zu einer aktiven Leitung der Plazentarperiode, wobei intramuskuläre Injektionen vermieden werden sollten.

Die Leitlinie gibt folgende Orientierung für die Regionalanästhesie:

Mütterliche ThrombozytenzahlEmpfohlenes Vorgehen
Über 80 x 10^9/lBehandlung wie bei gesunden Frauen bezüglich Regionalanästhesie
50 bis 80 x 10^9/lIndividuelle Abwägung unter Berücksichtigung von Klinik und Expertise
Unter 50 x 10^9/lVermeidung von Regionalanästhesie und Regionalanalgesie

Asthma und Langzeit-Steroidtherapie

Frauen mit Asthma sollten laut Leitlinie die gleichen Optionen zur Schmerzlinderung erhalten wie Frauen ohne Asthma. Zur Geburtseinleitung oder Behandlung postpartaler Blutungen werden Prostaglandin E1 oder E2 als sichere Optionen genannt.

Für Frauen unter oraler Langzeit-Steroidtherapie (Äquivalent von mindestens 5 mg Prednisolon täglich für mehr als 3 Wochen) wird empfohlen:

  • Fortführung der regulären oralen Steroide

  • Bei vaginaler Geburt: Gabe von intravenösem oder intramuskulärem Hydrocortison (z. B. 50 mg alle 6 Stunden) ab der aktiven Eröffnungsphase

  • Bei Sectio: Intravenöse Hydrocortison-Gabe bei Narkoseeinleitung (50 bis 100 mg) und eine weitere Dosis nach 6 Stunden

Nierenerkrankungen und Adipositas

Bei chronischer Nierenerkrankung wird eine engmaschige Überwachung des Flüssigkeitshaushalts empfohlen, um eine akute Nierenschädigung oder ein Lungenödem zu vermeiden. Nephrotoxische Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sollten im intrapartalen Zeitraum nicht verabreicht werden.

Für Schwangere mit einem BMI über 30 kg/m2 wird eine frühzeitige Risikobewertung bezüglich der Mobilität und des Equipments empfohlen. Es wird darauf hingewiesen, dass Kreißsäle über Betten mit einer Traglast von 250 kg verfügen sollten.

Sepsis und Fieber unter der Geburt

Bei Verdacht auf Sepsis empfiehlt die Leitlinie eine sofortige multidisziplinäre Überprüfung und die Anlage von Blutkulturen vor Beginn einer antimikrobiellen Therapie. Wenn der Verdacht auf eine genitale Infektionsquelle besteht, sollte die Geburt beschleunigt werden.

Bei Fieber unter der Geburt (ab 38 °C einmalig oder ab 37,5 °C zweimalig im Abstand von einer Stunde) kann Paracetamol erwogen werden. Es wird jedoch betont, dass dies die Sepsis-Diagnostik nicht verzögern darf.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für die intrapartale Phase:

  • Asthma: Prostaglandin F2 alpha (Carboprost) darf wegen des Risikos eines Bronchospasmus nicht verabreicht werden.

  • Herzerkrankungen: Ergometrin ist bei signifikanten Aortopathien, pulmonalarterieller Hypertonie und koronarer Herzkrankheit kontraindiziert.

  • Nierenerkrankungen: Nephrotoxische Medikamente, insbesondere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), dürfen nicht angewendet werden.

  • Gerinnungsstörungen: Intramuskuläre Injektionen von Uterotonika sind zu vermeiden. NSAR können das Blutungsrisiko zusätzlich erhöhen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, dass die Ergebnisse von fetalen Blutgasanalysen (Fetal Blood Sampling) bei Frauen mit Sepsis oder Sepsisverdacht fälschlicherweise beruhigend ausfallen können. Es wird empfohlen, die Indikation und die Ergebnisse stets kritisch mit einem erfahrenen Facharzt für Geburtshilfe zu diskutieren und das gesamte klinische Bild zu betrachten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie darf Prostaglandin F2 alpha (Carboprost) bei Frauen mit Asthma nicht angewendet werden, da ein hohes Risiko für einen Bronchospasmus besteht. Als sichere Alternativen werden Prostaglandin E1 oder E2 genannt.

Die Leitlinie empfiehlt, bei einer mütterlichen Thrombozytenzahl von unter 50 x 10^9/l unter den meisten Umständen auf eine Regionalanästhesie oder Regionalanalgesie zu verzichten. Bei Werten zwischen 50 und 80 x 10^9/l sollte eine individuelle Risikoabwägung erfolgen.

Es wird empfohlen, die reguläre orale Medikation fortzuführen und zusätzlich intravenöses oder intramuskuläres Hydrocortison zu verabreichen. Bei einer vaginalen Geburt wird eine Dosis von 50 mg alle 6 Stunden ab der aktiven Eröffnungsphase empfohlen.

Therapeutisches niedermolekulares Heparin sollte laut Leitlinie 24 Stunden vor einer geplanten Sectio abgesetzt werden. Bei einer Epiduralanästhesie wird empfohlen, nach einer therapeutischen Dosis ebenfalls 24 Stunden zu warten.

Die Leitlinie rät strikt davon ab, nephrotoxische Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) im intrapartalen und postpartalen Zeitraum bei Frauen mit Nierenerkrankungen einzusetzen.

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Quelle: NG121: Intrapartum care for women with existing medical conditions (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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