WHO2022

Frühgeborene & LBW: KMC, Ernährung und CPAP-Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2022) adressiert die Versorgung von Frühgeborenen (vor der 37. Schwangerschaftswoche) und Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht (unter 2,5 kg). Diese vulnerablen Gruppen weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für Mortalität und Morbidität auf.

Zu den häufigsten Komplikationen zählen Atemnot, Ernährungsschwierigkeiten, Wachstumsstörungen und Infektionen. Die Überlebens- und Entwicklungschancen hängen maßgeblich von einer adäquaten, evidenzbasierten Betreuung ab.

Die Empfehlungen zielen darauf ab, die klinische Praxis weltweit zu standardisieren. Dabei stehen präventive Maßnahmen, die Behandlung von Komplikationen sowie die Einbindung der Familie im Mittelpunkt der Versorgung.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Betreuung von Frühgeborenen und Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht:

Präventive Pflege und Ernährung

Die Känguru-Mutter-Versorgung (Kangaroo Mother Care, KMC) wird als Routineversorgung für alle Frühgeborenen empfohlen (starke Empfehlung). Sie sollte laut Leitlinie so früh wie möglich nach der Geburt begonnen und für 8 bis 24 Stunden täglich durchgeführt werden.

Für die Ernährung wird primär die Muttermilch der eigenen Mutter empfohlen (starke Empfehlung). Steht diese nicht zur Verfügung, kann Spendermilch in Betracht gezogen werden.

Die Leitlinie empfiehlt einen möglichst frühen Beginn der enteralen Ernährung ab dem ersten Lebenstag (starke Empfehlung). Bei Säuglingen, die alternative Fütterungsmethoden benötigen, kann das Nahrungsvolumen um bis zu 30 ml/kg pro Tag gesteigert werden.

Mikronährstoffe und Probiotika

Für Säuglinge, die mit Muttermilch ernährt werden und keine anderen Quellen nutzen, wird eine enterale Eisensupplementierung empfohlen (starke Empfehlung).

Zusätzlich können laut Leitlinie folgende Supplemente erwogen werden (bedingte Empfehlungen):

  • Zink und Vitamin D für alle Frühgeborenen

  • Vitamin A für sehr frühe Frühgeborene (unter 32 Wochen) oder bei sehr niedrigem Geburtsgewicht (unter 1,5 kg)

  • Probiotika für sehr frühe Frühgeborene, die Muttermilch erhalten

Atemunterstützung und Apnoe-Behandlung

Bei klinischen Anzeichen eines Atemnotsyndroms (RDS) wird eine CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) empfohlen (starke Empfehlung). Für Säuglinge unter 32 Wochen kann CPAP unmittelbar nach der Geburt erwogen werden.

Zur Behandlung von Apnoen bei Frühgeborenen wird die Gabe von Koffein empfohlen (starke Empfehlung). Koffein wird zudem für die Extubation von Frühgeborenen vor der 34. Schwangerschaftswoche empfohlen.

Einbindung der Familie

Die Leitlinie empfiehlt nachdrücklich die Einbindung der Familie in die Routineversorgung innerhalb der Gesundheitseinrichtung (starke Empfehlung).

Zudem wird empfohlen, Familien durch geschultes Gesundheitspersonal bei Hausbesuchen zu unterstützen (starke Empfehlung).

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsrichtwerte für die enterale Supplementierung und medikamentöse Therapie:

WirkstoffDosierungIndikation / Zielgruppe
Elementares Eisen2-4 mg/kg/TagMuttermilchernährte Frühgeborene ohne andere Eisenquelle
Elementares Zink1-3 mg/kg/TagMuttermilchernährte Frühgeborene ohne andere Zinkquelle
Vitamin D400-800 IE/TagMuttermilchernährte Frühgeborene ohne andere Vitamin-D-Quelle
Vitamin A1000-5000 IE/TagMuttermilchernährte Frühgeborene < 32 Wochen oder < 1,5 kg
Koffein20 mg/kg (Ladedosis), 5 mg/kg/Tag (Erhaltung)Apnoe-Behandlung, Extubation (< 34 Wochen), Apnoe-Prävention

Es wird darauf hingewiesen, dass bei Nichtverfügbarkeit von Koffein alternative Methylxanthine wie Aminophyllin oder Theophyllin erwogen werden können.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor dem routinemäßigen Einsatz von Säuglingsnahrung (Formula), da diese im Vergleich zu Muttermilch mit einem erhöhten Risiko für nekrotisierende Enterokolitis und schwere Infektionen assoziiert ist.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei der Anwendung von Bubble-CPAP ausschließlich kommerziell hergestellte Geräte verwendet werden sollten. Von lokal hergestellten oder adaptierten Bubble-CPAP-Geräten wird abgeraten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxisaspekt der Leitlinie ist der sofortige Beginn der Känguru-Mutter-Versorgung (KMC) nach der Geburt. Es wird betont, dass KMC in Gesundheitseinrichtungen auch vor der vollständigen klinischen Stabilisierung initiiert werden kann. Ausnahmen bilden lediglich Säuglinge, die nach der Reanimation nicht spontan atmen, sich im Schock befinden oder mechanisch beatmet werden müssen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, die enterale Ernährung so früh wie möglich ab dem ersten Lebenstag zu starten. Dabei sollte primär die Muttermilch der eigenen Mutter verwendet werden.

Laut Leitlinie kann bei Frühgeborenen, die eine Atemunterstützung benötigen, Bubble-CPAP gegenüber anderen Druckquellen (wie Ventilator-CPAP) bevorzugt erwogen werden.

Es wird empfohlen, das Nahrungsvolumen bei alternativen Fütterungsmethoden (wie Magensonde) um bis zu 30 ml/kg pro Tag zu steigern. Dies gilt auch für sehr frühe Frühgeborene.

In Gesundheitseinrichtungen kann laut Leitlinie bei Frühgeborenen vor der 34. Schwangerschaftswoche eine Fütterung nach Zeitplan (z.B. alle 2-3 Stunden) gegenüber einer bedarfsgerechten Fütterung erwogen werden.

Eine routinemäßige Multikomponenten-Anreicherung der Muttermilch wird für alle Frühgeborenen nicht empfohlen. Sie kann jedoch bei sehr frühen Frühgeborenen (unter 32 Wochen) oder bei einem Geburtsgewicht unter 1,5 kg in Betracht gezogen werden.

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Quelle: WHO recommendations for care of the preterm or low-birth-weight infant (WHO, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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