Frauenmilchbanken: Spenderscreening und Pasteurisierung
Hintergrund
Muttermilch gilt als die beste Ernährung für Säuglinge und bietet kurz- sowie langfristige gesundheitliche Vorteile. Wenn eine Mutter nicht ausreichend Milch abpumpen kann oder möchte, stellt gespendete Frauenmilch eine wichtige Alternative für den Säugling dar.
Die NICE-Leitlinie CG93 befasst sich mit dem sicheren und effektiven Betrieb von Frauenmilchbanken. Im Fokus steht dabei die Maximierung der Sicherheit für die Empfänger durch strikte Qualitätskontrollen.
Die Leitlinie betont, dass die Sicherheit der Spendermilch von der konsequenten Umsetzung aller Empfehlungen abhängt. Dazu gehören unter anderem das Screening der Spenderinnen, die hygienische Verarbeitung und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert detaillierte Vorgaben für den Betrieb von Frauenmilchbanken. Die Umsetzung von HACCP-Prinzipien (Hazard Analysis and Critical Control Point) wird für alle Prozesse der Qualitätssicherung empfohlen.
Spenderscreening und Serologie
Vor der Aufnahme einer Spenderin wird ein strukturiertes Screening empfohlen. Laut Leitlinie ist eine serologische Testung zwingend erforderlich.
Folgende Infektionskrankheiten führen zu einem Ausschluss von der Spende:
-
HIV 1 oder 2
-
Hepatitis B oder C
-
HTLV I oder II
-
Syphilis
Es wird darauf hingewiesen, dass diese Tests zum Zeitpunkt der Anmeldung durchgeführt werden müssen. Eine routinemäßige Wiederholung der serologischen Tests während der aktiven Spendephase wird nicht empfohlen.
Handhabung und Lagerung
Die Leitlinie empfiehlt, dass Spenderinnen die Milch nach dem Abpumpen schnellstmöglich einfrieren. Vor dem Transport zur Milchbank kann die Milch bis zu 3 Monate in einem haushaltsüblichen Tiefkühlgerät bei mindestens -18 °C gelagert werden.
In der Milchbank darf unpasteurisierte Milch bei -20 °C für maximal 3 Monate ab dem Abpumpdatum gelagert werden. Nach der Pasteurisierung beträgt die maximale Lagerdauer laut Leitlinie 6 Monate ab dem Abpumpdatum.
Verarbeitung und Pasteurisierung
Es wird empfohlen, vor der Pasteurisierung ausschließlich Milch derselben Spenderin zu mischen (Pooling). Das Mischen von Milch verschiedener Spenderinnen ist zu unterlassen.
Die Pasteurisierung der Frauenmilch sollte bei 62,5 °C für 30 Minuten in einem speziellen Muttermilch-Pasteurisator erfolgen. Danach ist eine schnelle Abkühlung auf 4 °C oder kälter erforderlich.
Mikrobiologische Grenzwerte
Die Leitlinie definiert strikte mikrobiologische Grenzwerte für die Testung der Spendermilch. Vor der Pasteurisierung muss jede Charge getestet werden, nach der Pasteurisierung erfolgen regelmäßige Stichproben.
| Zeitpunkt der Testung | Parameter | Grenzwert für Verwerfung |
|---|---|---|
| Vor Pasteurisierung | Gesamtkeimzahl | > 10^5 CFU/ml |
| Vor Pasteurisierung | Enterobacteriaceae | > 10^4 CFU/ml |
| Vor Pasteurisierung | Staphylococcus aureus | > 10^4 CFU/ml |
| Nach Pasteurisierung | Gesamtkeimzahl | ≥ 10 CFU/ml |
Rückverfolgbarkeit (Tracking)
Es wird eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von der Spenderin bis zum empfangenden Krankenhaus gefordert. Alle Behälter müssen in jeder Phase eindeutig gekennzeichnet sein.
Empfangende Kliniken müssen die Verwendung jeder Flasche genau dokumentieren. Alle qualitäts- und sicherheitsrelevanten Aufzeichnungen sollen für mindestens 30 Jahre nach Ablauf, Verwendung oder Entsorgung aufbewahrt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert klare Ausschlusskriterien für potenzielle Muttermilchspenderinnen. Ein Ausschluss wird empfohlen, wenn die Spenderin:
-
aktuell raucht oder Nikotinersatztherapien verwendet
-
regelmäßig die empfohlenen Alkoholgrenzwerte für stillende Mütter überschreitet (1 bis 2 Einheiten, ein- bis zweimal pro Woche)
-
Freizeitdrogen konsumiert oder kürzlich konsumiert hat
-
ein erhöhtes Risiko für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) aufweist
-
positiv auf HIV, Hepatitis B/C, HTLV oder Syphilis getestet wurde
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Sicherheitshinweis der Leitlinie betrifft das Mischen (Pooling) von Spendermilch. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, unpasteurisierte Milch von verschiedenen Spenderinnen zu mischen oder bereits pasteurisierte Chargen derselben Spenderin nachträglich zusammenzuführen. Dies dient der genauen Rückverfolgbarkeit und der Minimierung von Kontaminationsrisiken.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie darf unpasteurisierte Milch in der Milchbank bei -20 °C für maximal 3 Monate ab dem Datum des Abpumpens gelagert werden. Vor dem Transport kann sie zudem bis zu 3 Monate im heimischen Tiefkühler der Spenderin verbleiben.
Nein, die Leitlinie empfiehlt keine routinemäßige Wiederholung der serologischen Tests während der aktiven Spendezeit. Die initiale Testung bei der Anmeldung ist jedoch zwingend erforderlich.
Es wird eine Pasteurisierung bei 62,5 °C für eine Dauer von 30 Minuten empfohlen. Im Anschluss muss die Milch laut Leitlinie rasch auf 4 °C oder kälter abgekühlt werden.
Die Leitlinie fordert, dass alle sicherheits- und qualitätsrelevanten Aufzeichnungen für mindestens 30 Jahre aufbewahrt werden. Dies gilt ab dem Datum des Verfalls, der Verwendung oder der Entsorgung der Milch.
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Quelle: CG93: Donor milk banks: service operation (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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