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WHO2012

Säuglingsnahrung (PIF) sicher zubereiten: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Pulverförmige Säuglingsnahrung (PIF) ist nicht steril und kann mit Enterobacter sakazakii oder Salmonella enterica kontaminiert sein.
  • Die Rekonstitution des Pulvers muss mit Wasser erfolgen, das eine Temperatur von mindestens 70 °C aufweist, um pathogene Keime abzutöten.
  • Zubereitete Nahrung sollte sofort verfüttert oder zügig abgekühlt und bei maximal 5 °C für höchstens 24 Stunden gelagert werden.
  • Für Hochrisiko-Säuglinge (Frühgeborene, Alter <2 Monate) sollte nach Möglichkeit kommerziell sterile, flüssige Nahrung verwendet werden.
  • Mikrowellen dürfen zum Aufwärmen nicht verwendet werden, da ungleichmäßige Erhitzung zu Verbrühungen führen kann.
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Hintergrund

Pulverförmige Säuglingsnahrung (Powdered Infant Formula, PIF) ist kein steriles Produkt. Selbst bei Einhaltung aktueller Hygienestandards während der Herstellung kann PIF mit pathogenen Bakterien wie Enterobacter sakazakii und Salmonella enterica kontaminiert sein. Eine unsachgemäße Zubereitung, Handhabung und Lagerung bietet diesen Erregern ideale Wachstumsbedingungen und erhöht das Infektionsrisiko erheblich.

Risikogruppen

Obwohl E. sakazakii in allen Altersgruppen Krankheiten verursachen kann, sind Säuglinge am stärksten gefährdet. Für Hochrisikogruppen sollte, sofern verfügbar, kommerziell sterile flüssige Säuglingsnahrung verwendet werden.

RisikogruppeBeschreibung / Kriterien
Höchstes RisikoNeugeborene und Säuglinge im Alter von unter 2 Monaten
Erhöhtes RisikoFrühgeborene und Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht (< 2,5 kg)
ImmunsupprimierteSäuglinge mit geschwächtem Immunsystem (z. B. Säuglinge von HIV-positiven Müttern)

Allgemeine Hygiene und Vorbereitung

Eine strikte Hygiene ist essenziell, da E. sakazakii in der Umgebung weit verbreitet ist und Biofilme auf Oberflächen von Fütterungsutensilien (Silikon, Latex, Edelstahl) bilden kann.

  • Händehygiene: Vor der Zubereitung Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen.
  • Reinigung: Alle Utensilien (Flaschen, Sauger, Löffel) in heißem Seifenwasser waschen und mit sauberen Bürsten schrubben.
  • Sterilisation: Utensilien in einem kommerziellen Sterilisator behandeln oder in einem Topf mit Wasser vollständig bedeckt sprudelnd abkochen.

Zubereitung der Säuglingsnahrung

Die WHO empfiehlt, Säuglingsnahrung idealerweise für jede Mahlzeit frisch zuzubereiten und sofort zu verfüttern.

SchrittMaßnahmeBemerkung
1. Wasser abkochenSicheres Wasser sprudelnd kochenAbgefülltes Wasser (Flaschenwasser) ist nicht steril und muss ebenfalls abgekocht werden.
2. Abkühlen lassenWasser auf mindestens 70 °C abkühlen lassenDas Wasser sollte nach dem Kochen nicht länger als 30 Minuten stehen.
3. MischenExakte Pulvermenge laut Herstellerangabe hinzufügenVorsichtig schütteln oder rühren. Verbrühungsgefahr beachten!
4. Zügig abkühlenFlasche unter fließendem kalten Wasser oder im Eisbad abkühlenDas Kühlwasser darf nicht den Deckel oder Sauger berühren.
5. TemperaturkontrolleVor dem Füttern Temperatur prüfenVerhindert Verbrühungen im Mund des Säuglings.

Lagerung und Transport

Wenn die Nahrung nicht sofort verfüttert werden kann, gelten strenge Vorgaben für die Lagerung, um ein Bakterienwachstum zu verhindern.

ParameterEmpfehlungBegründung
RaumtemperaturMaximal 2 StundenDanach muss die Nahrung zwingend verworfen werden.
KühlschranklagerungMaximal 5 °C für bis zu 24 StundenNahrung muss vor der Lagerung zügig abgekühlt werden.
Batch-ZubereitungGefäße von maximal 1 Liter Volumen verwendenGrößere Volumina kühlen zu langsam ab, was Bakterienwachstum fördert.
TransportNur im gekühlten Zustand (Kühltasche mit Eisakkus)Transportierte Nahrung innerhalb von 2 Stunden verbrauchen oder am Zielort sofort wieder kühlen.

Aufwärmen von gelagerter Nahrung

  • Nahrung erst unmittelbar vor dem Füttern aus dem Kühlschrank nehmen.
  • Maximal 15 Minuten lang aufwärmen.
  • Niemals eine Mikrowelle verwenden, da ungleichmäßige Erhitzung ("Hot Spots") zu schweren Verbrühungen führen kann.
  • Aufgewärmte Nahrung, die nicht innerhalb von 2 Stunden verbraucht wird, muss verworfen werden.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Rekonstitution von Milchpulver immer Wasser mit einer Temperatur von mindestens 70 °C. Dies ist der wichtigste Schritt, um potenziell vorhandene Erreger wie E. sakazakii abzutöten. Kühlen Sie die Flasche danach zügig unter fließendem Wasser auf Trinktemperatur ab.

Häufig gestellte Fragen

Mikrowellen erhitzen die Nahrung ungleichmäßig. Dadurch können sogenannte 'Hot Spots' entstehen, die zu schweren Verbrühungen im Mund des Säuglings führen können.
Bei Raumtemperatur darf die Nahrung maximal 2 Stunden aufbewahrt werden. Im Kühlschrank (bei maximal 5 °C) kann sie bis zu 24 Stunden gelagert werden, sofern sie nach der Zubereitung zügig abgekühlt wurde.
Das Wasser muss zuvor sprudelnd abgekocht worden sein und bei der Zugabe zum Pulver eine Temperatur von mindestens 70 °C aufweisen, um pathogene Bakterien abzutöten.
Neugeborene, Säuglinge unter zwei Monaten, Frühgeborene, Säuglinge mit einem Geburtsgewicht unter 2,5 kg sowie immungeschwächte Kinder haben das höchste Risiko für schwere Infektionen.
Nein. Alle Nahrungsreste, die nach einer Mahlzeit übrig bleiben, müssen verworfen werden, da sich während des Fütterns Bakterien aus dem Mund des Säuglings in der Flasche vermehren können.

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