Säuglingsnahrung (PIF) sicher zubereiten: WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Pulverförmige Säuglingsnahrung (PIF) ist nicht steril und kann mit Enterobacter sakazakii oder Salmonella enterica kontaminiert sein.
- •Die Rekonstitution des Pulvers muss mit Wasser erfolgen, das eine Temperatur von mindestens 70 °C aufweist, um pathogene Keime abzutöten.
- •Zubereitete Nahrung sollte sofort verfüttert oder zügig abgekühlt und bei maximal 5 °C für höchstens 24 Stunden gelagert werden.
- •Für Hochrisiko-Säuglinge (Frühgeborene, Alter <2 Monate) sollte nach Möglichkeit kommerziell sterile, flüssige Nahrung verwendet werden.
- •Mikrowellen dürfen zum Aufwärmen nicht verwendet werden, da ungleichmäßige Erhitzung zu Verbrühungen führen kann.
Hintergrund
Pulverförmige Säuglingsnahrung (Powdered Infant Formula, PIF) ist kein steriles Produkt. Selbst bei Einhaltung aktueller Hygienestandards während der Herstellung kann PIF mit pathogenen Bakterien wie Enterobacter sakazakii und Salmonella enterica kontaminiert sein. Eine unsachgemäße Zubereitung, Handhabung und Lagerung bietet diesen Erregern ideale Wachstumsbedingungen und erhöht das Infektionsrisiko erheblich.
Risikogruppen
Obwohl E. sakazakii in allen Altersgruppen Krankheiten verursachen kann, sind Säuglinge am stärksten gefährdet. Für Hochrisikogruppen sollte, sofern verfügbar, kommerziell sterile flüssige Säuglingsnahrung verwendet werden.
| Risikogruppe | Beschreibung / Kriterien |
|---|---|
| Höchstes Risiko | Neugeborene und Säuglinge im Alter von unter 2 Monaten |
| Erhöhtes Risiko | Frühgeborene und Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht (< 2,5 kg) |
| Immunsupprimierte | Säuglinge mit geschwächtem Immunsystem (z. B. Säuglinge von HIV-positiven Müttern) |
Allgemeine Hygiene und Vorbereitung
Eine strikte Hygiene ist essenziell, da E. sakazakii in der Umgebung weit verbreitet ist und Biofilme auf Oberflächen von Fütterungsutensilien (Silikon, Latex, Edelstahl) bilden kann.
- Händehygiene: Vor der Zubereitung Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen.
- Reinigung: Alle Utensilien (Flaschen, Sauger, Löffel) in heißem Seifenwasser waschen und mit sauberen Bürsten schrubben.
- Sterilisation: Utensilien in einem kommerziellen Sterilisator behandeln oder in einem Topf mit Wasser vollständig bedeckt sprudelnd abkochen.
Zubereitung der Säuglingsnahrung
Die WHO empfiehlt, Säuglingsnahrung idealerweise für jede Mahlzeit frisch zuzubereiten und sofort zu verfüttern.
| Schritt | Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Wasser abkochen | Sicheres Wasser sprudelnd kochen | Abgefülltes Wasser (Flaschenwasser) ist nicht steril und muss ebenfalls abgekocht werden. |
| 2. Abkühlen lassen | Wasser auf mindestens 70 °C abkühlen lassen | Das Wasser sollte nach dem Kochen nicht länger als 30 Minuten stehen. |
| 3. Mischen | Exakte Pulvermenge laut Herstellerangabe hinzufügen | Vorsichtig schütteln oder rühren. Verbrühungsgefahr beachten! |
| 4. Zügig abkühlen | Flasche unter fließendem kalten Wasser oder im Eisbad abkühlen | Das Kühlwasser darf nicht den Deckel oder Sauger berühren. |
| 5. Temperaturkontrolle | Vor dem Füttern Temperatur prüfen | Verhindert Verbrühungen im Mund des Säuglings. |
Lagerung und Transport
Wenn die Nahrung nicht sofort verfüttert werden kann, gelten strenge Vorgaben für die Lagerung, um ein Bakterienwachstum zu verhindern.
| Parameter | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Raumtemperatur | Maximal 2 Stunden | Danach muss die Nahrung zwingend verworfen werden. |
| Kühlschranklagerung | Maximal 5 °C für bis zu 24 Stunden | Nahrung muss vor der Lagerung zügig abgekühlt werden. |
| Batch-Zubereitung | Gefäße von maximal 1 Liter Volumen verwenden | Größere Volumina kühlen zu langsam ab, was Bakterienwachstum fördert. |
| Transport | Nur im gekühlten Zustand (Kühltasche mit Eisakkus) | Transportierte Nahrung innerhalb von 2 Stunden verbrauchen oder am Zielort sofort wieder kühlen. |
Aufwärmen von gelagerter Nahrung
- Nahrung erst unmittelbar vor dem Füttern aus dem Kühlschrank nehmen.
- Maximal 15 Minuten lang aufwärmen.
- Niemals eine Mikrowelle verwenden, da ungleichmäßige Erhitzung ("Hot Spots") zu schweren Verbrühungen führen kann.
- Aufgewärmte Nahrung, die nicht innerhalb von 2 Stunden verbraucht wird, muss verworfen werden.
💡Praxis-Tipp
Verwenden Sie zur Rekonstitution von Milchpulver immer Wasser mit einer Temperatur von mindestens 70 °C. Dies ist der wichtigste Schritt, um potenziell vorhandene Erreger wie E. sakazakii abzutöten. Kühlen Sie die Flasche danach zügig unter fließendem Wasser auf Trinktemperatur ab.