WHO2020

Forschungsprioritäten: PIPE-Ansatz und Methodik

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie von 2020 bietet einen systematischen Rahmen für die Festlegung von Forschungsprioritäten im Gesundheitswesen. Ziel ist es, Forschungsziele transparent, ethisch und evidenzbasiert zu definieren.

Der Leitfaden richtet sich primär an Mitarbeitende, die auf globaler, regionaler oder nationaler Ebene Forschungsprogramme koordinieren. Er soll dabei helfen, die übergeordneten Gesundheitsziele der Weltgesundheitsorganisation zu unterstützen.

Um den Prozess zu strukturieren, wird das sogenannte PIPE-Modell eingeführt. Dieses Akronym steht für die vier aufeinander aufbauenden Phasen Planen, Implementieren, Publizieren und Evaluieren.

Empfehlungen

Die Leitlinie gliedert den Prozess der Prioritätensetzung in vier Kernphasen:

Phase 1: Planung (Plan)

  • Es wird empfohlen, zunächst den Kontext, die Zielgruppe und die verfügbaren Ressourcen klar zu definieren.

  • Die Leitlinie rät zu einer umfassenden Literaturrecherche, um bestehende Forschungslücken und bisherige Prioritätensetzungen zu identifizieren.

  • Eine frühzeitige und repräsentative Einbindung relevanter Interessengruppen wird als essenziell erachtet.

Phase 2: Implementierung (Implement)

In dieser Phase erfolgt die eigentliche Auswahl der Prioritäten. Laut Leitlinie sollten die Auswahlkriterien gemeinsam mit den Beteiligten festgelegt werden. Es wird empfohlen, folgende Dimensionen zu berücksichtigen:

  • Den potenziellen öffentlichen Gesundheitsnutzen (z. B. Reduktion der Krankheitslast)

  • Die wissenschaftliche Machbarkeit und vorhandene Forschungskapazitäten

  • Die anfallenden Kosten und den benötigten zeitlichen Rahmen

Für die Entscheidungsfindung werden in der Leitlinie verschiedene etablierte Methoden verglichen:

MethodeFokusStärkenSchwächen
ENHRNationale GesundheitssystemeDetaillierte Optionen, breite BeteiligungMinderheitenmeinungen können untergehen
CAMStrukturierte InformationssammlungSystematische Klassifikation, KonsensbildungGefahr der Dominanz durch Einzelinteressen
CHNRIUnabhängiges Scoring durch ExpertenWiederholbar, minimiert Dominanz EinzelnerSehr aufwendig, Fokus primär auf Experten
James Lind AllianceKlinische BehandlungsunsicherheitenStarke Patientenstimme, klare Top-10-ListeEnger klinischer Fokus, benötigt integriertes System
Delphi-TechnikIterative ExpertenbefragungenGroße Teilnehmerzahl möglich, metrikbasiertAntwortverzerrung möglich, wenig direkter Dialog

Phase 3: Publikation (Publish)

Die Leitlinie fordert eine transparente Berichterstattung über den gesamten Prozess. Es wird empfohlen, nicht nur die finalen Prioritäten, sondern auch die angewandte Methodik und den Umgang mit Interessenkonflikten zu veröffentlichen.

Phase 4: Evaluation (Evaluate)

Es wird empfohlen, den Erfolg der Prioritätensetzung anhand vordefinierter Indikatoren zu messen. Die Leitlinie schlägt hierfür verschiedene Messgrößen vor:

IndikatorMessmethode
UnterstützungZufriedenheitsumfragen unter den Teilnehmern
BewusstseinDownloadzahlen, Zitationen in der Fachliteratur
FinanzierungsvolumenAnalyse von Forschungsbudgets und Fördergeldern
TranslationErfassung neuer Leitlinien oder Verhaltensänderungen
GesundheitsauswirkungMessung der gesunden Lebenserwartung (HALE)
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler bei der Festlegung von Forschungsprioritäten ist laut Leitlinie die Vernachlässigung der Implementierungsplanung. Es wird empfohlen, politische Entscheidungsträger und Forschungsförderer von Beginn an in den Prozess einzubinden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die identifizierten Prioritäten später tatsächlich in konkrete Forschungsprojekte und Finanzierungen übersetzt werden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, Kriterien aus drei Hauptkategorien zu nutzen. Dazu gehören der öffentliche Gesundheitsnutzen, die wissenschaftliche Machbarkeit sowie die anfallenden Kosten und der Zeitrahmen.

Es wird ein transparentes Verfahren zum Umgang mit persönlichen, beruflichen und kommerziellen Interessenkonflikten empfohlen. Die Leitlinie verweist hierbei auf die strikte Einhaltung der etablierten Prozesse für Expertengruppen.

Laut Leitlinie kann der Erfolg durch verschiedene Indikatoren evaluiert werden. Dazu zählen die Bekanntheit der Publikation, Veränderungen in den Finanzierungsströmen sowie langfristig die Verbesserung der gesunden Lebenserwartung (HALE).

Es gibt laut Leitlinie keinen universellen Goldstandard für die Prioritätensetzung. Die Wahl der Methode, wie beispielsweise der CHNRI-Ansatz oder die Delphi-Technik, sollte stets an die spezifischen Ziele, Ressourcen und den zeitlichen Rahmen angepasst werden.

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Quelle: A systematic approach for undertaking a research priority-setting exercise: guidance for WHO staff (WHO, 2020). Originaldokument ansehen

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