Home-Based Records für MNCH: Leitlinie (WHO/UNICEF)
📋Auf einen Blick
- •Home-Based Records (HBRs) verbessern das Gesundheitsverhalten, die häusliche Pflege und die Kommunikation zwischen Gesundheitspersonal und Eltern.
- •Eine erfolgreiche Implementierung erfordert die Berücksichtigung von acht Erfolgsfaktoren, darunter nachhaltige Finanzierung und kontinuierliches Monitoring.
- •Die Planung sollte auf einer fundierten Situationsanalyse basieren, die alle drei Hauptnutzergruppen (Eltern, Gesundheitspersonal, Programmmanager) einbezieht.
- •SMART-Ziele und detaillierte Budgetpläne sind essenziell, um häufige Probleme wie Lieferengpässe (Stock-outs) zu vermeiden.
Hintergrund
Home-Based Records (HBRs) sind Gesundheitsdokumente, die von der Einzelperson oder den Betreuern zu Hause aufbewahrt werden. Sie dienen der Aufzeichnung der erhaltenen Gesundheitsleistungen im Bereich der Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern (MNCH). Die WHO empfiehlt HBRs als Ergänzung zu einrichtungsbasierten Akten, um das Suchverhalten nach Gesundheitsleistungen, die Einbindung von Männern, die häusliche Pflege, die Säuglingsernährung sowie die Kommunikation zwischen Gesundheitspersonal und Eltern zu verbessern.
Trotz der nachgewiesenen Vorteile gibt es häufige Implementierungsprobleme:
- Regelmäßige Lieferengpässe (Stock-outs)
- Schlechte Qualität der Dokumente (z. B. mangelnde Haltbarkeit)
- Unzureichende Nutzung durch das Gesundheitspersonal
- Mangelnde Aufbewahrung und Nutzung durch Frauen, Eltern und Betreuer
Erfolgsfaktoren der Implementierung
Um eine optimale Nutzung und Leistung der HBRs zu gewährleisten, müssen acht zentrale Erfolgsfaktoren berücksichtigt werden:
| Faktor | Beschreibung |
|---|---|
| High-level Support | Unterstützung durch Führungskräfte und Verankerung in nationalen Strategien. |
| Koordination | Klare Rollenverteilung und regelmäßiger Austausch der Stakeholder. |
| Inhaltliche Ausrichtung | Inhalte müssen nationalen Gesundheitszielen und Prioritäten entsprechen. |
| Druck und Distribution | Regelmäßige Bedarfsermittlung und Planung von Druck und Verteilung. |
| Budgetierung | Kosten müssen präzise geschätzt und im Regierungsbudget gesichert sein. |
| Wertschätzung (Personal) | Gesundheitspersonal muss die HBRs regelmäßig nutzen und wertschätzen. |
| Wertschätzung (Eltern) | Eltern/Betreuer müssen den Nutzen verstehen und das Dokument aufbewahren. |
| Monitoring | Regelmäßige Datenerhebung zur Überprüfung der Zielerreichung und Prozesse. |
Nutzergruppen
Ein nutzerzentrierter Ansatz ist essenziell. Die Planung und Evaluierung muss die Bedürfnisse von drei Hauptnutzergruppen berücksichtigen:
| Nutzergruppe | Zusammensetzung | Fokus |
|---|---|---|
| Frauen, Eltern & Betreuer | Schwangere, Mütter, Väter, Familienangehörige | Verständnis der Inhalte, Aufbewahrung, Mitbringen zu Terminen |
| Gesundheitspersonal | Hebammen, Pflegekräfte, Ärzte, Community Health Workers | Vollständiges und korrektes Ausfüllen, Nutzung zur Beratung |
| Programmmanager | Manager auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene | Datennutzung, Sicherstellung der operativen Prozesse (Druck, Verteilung) |
Planung und Budgetierung
Eine erfolgreiche Implementierung beginnt mit einer strukturierten Planung durch ein definiertes Kernteam. Dieses Team sollte Vertreter verschiedener Gesundheitsprogramme (MNCH, Immunisierung, Ernährung) sowie des Gesundheitsinformationssystems (HMIS) umfassen.
SMART-Ziele setzen: Ziele müssen spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und zeitgebunden sein (z. B. "Sicherstellung der korrekten Dokumentation durch 80 % des Gesundheitspersonals innerhalb der nächsten sechs Monate").
Budgetierung: Ein detaillierter Kostenplan ist entscheidend, um Finanzierungslücken zu vermeiden. Folgende Posten sollten budgetiert werden:
- Stakeholder- und Koordinationsmeetings
- Situationsanalysen
- Personalressourcen
- Design und Layout des HBRs
- Pretesting oder Pilotierung
- Druck, Distribution, Lagerung und Bestandsmanagement
- Schulungen und Materialien für das Gesundheitspersonal
- Aufklärungskampagnen für Eltern und Gemeinden
- Supervision und Monitoring
Situationsanalyse
Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, sollte mindestens alle 4 bis 5 Jahre (oder bei einer inhaltlichen Überarbeitung) eine strukturierte Situationsanalyse durchgeführt werden.
Datenquellen:
- Sekundärdaten: Große Routineumfragen (MICS, DHS), WHO-UNICEF Joint Reporting Form, HMIS-Daten, Berichte aus Supervisionen.
- Primärdaten: Falls Sekundärdaten nicht ausreichen, müssen Primärdaten durch Interviews, Fokusgruppen oder Beobachtungen in Gesundheitseinrichtungen erhoben werden, um Barrieren und Förderfaktoren (Enablers) der HBR-Nutzung zu identifizieren.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie alle 4 bis 5 Jahre eine strukturierte Situationsanalyse durch und beziehen Sie dabei zwingend alle drei Nutzergruppen (Eltern, Gesundheitspersonal, Programmmanager) ein, um Implementierungslücken frühzeitig zu erkennen.