Fieber in Neutropenie (FUO): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die febrile Neutropenie stellt einen onkologischen Notfall dar, der eine umgehende Diagnostik und den sofortigen Beginn einer antimikrobiellen Therapie erfordert. Die Onkopedia-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Infektionen (AGIHO) der DGHO definiert Neutropenie als eine Neutrophilenzahl von unter 500/µl oder unter 1.000/µl mit einem zu erwartenden Abfall auf unter 500/µl innerhalb von zwei Tagen.
Fieber wird in diesem Zusammenhang als eine einmalige orale Temperaturmessung von über 38,3 °C definiert. Alternativ gilt eine Temperatur von über 38,0 °C über mindestens eine Stunde beziehungsweise zweimal innerhalb von 12 Stunden als Fieber.
Die Leitlinie unterscheidet zwischen Standardrisiko-Patienten mit einer zu erwartenden Neutropeniedauer von maximal 7 Tagen und Hochrisiko-Patienten mit einer Dauer von über 7 Tagen. Zur weiteren klinischen Risikostratifizierung und zur Entscheidung über eine ambulante Führung wird der MASCC-Score herangezogen.
💡Praxis-Tipp
Ein relevanter Paradigmenwechsel der Leitlinie betrifft die Dauer der antibiotischen Therapie: Bei Patienten mit febriler Neutropenie kann die empirische Antibiose nach 48 bis 72 Stunden Fieber- und Symptomfreiheit beendet werden, auch wenn die Neutrophilen noch nicht vollständig regeneriert sind. Es wird jedoch ausdrücklich gewarnt, dass in diesem Fall ein engmaschiges klinisches Monitoring bis zur vollständigen hämatopoetischen Regeneration obligat ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie definiert Fieber als eine einmalige orale Messung über 38,3 °C oder über 38,0 °C für mindestens eine Stunde. Eine Neutropenie liegt vor bei unter 500 Neutrophilen/µl oder unter 1.000/µl mit einem erwarteten Abfall auf unter 500/µl innerhalb von zwei Tagen.
Eine ambulante Therapie wird für Standardrisiko-Patienten mit einer erwarteten Neutropeniedauer von maximal 7 Tagen empfohlen. Voraussetzung ist ein MASCC-Score von mindestens 21 Punkten sowie ein stabiles soziales Umfeld und eine gute Compliance.
Laut Leitlinie eignen sich Amoxicillin/Clavulansäure in Kombination mit Ciprofloxacin oder eine Monotherapie mit Moxifloxacin. Bei einer bestätigten Penicillin-Allergie wird Clindamycin in Kombination mit Ciprofloxacin empfohlen.
Bei Hochrisiko-Patienten wird eine empirische antimykotische Therapie empfohlen, wenn das Fieber trotz angemessener antibakterieller Therapie über 96 Stunden persistiert oder rezidiviert. Bei Standardrisiko-Patienten wird hingegen keine empirische antimykotische Therapie empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt, eine berichtete Penicillin-Allergie nach den PEN-FAST-Kriterien zu evaluieren. Bei einem Score von unter 2 ist ein oraler Amoxicillin-Test möglich, bei einem Score ab 2 wird eine spezifische Allergietestung empfohlen.
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Quelle: Onkopedia: Fieber unbekannter Genese (FUO) bei neutropenischen Patienten (Onkopedia).
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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