Fieber bei Kindern unter 5: Diagnostik & Erstversorgung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Fieberhafte Erkrankungen bei Kleinkindern sind ein sehr häufiger Vorstellungsgrund in der medizinischen Praxis. In den meisten Fällen liegt eine selbstlimitierende Virusinfektion zugrunde, jedoch kann Fieber auch das erste Symptom einer schweren bakteriellen Infektion wie Meningitis oder Pneumonie sein.

Die NICE-Leitlinie NG143 bietet einen strukturierten Ansatz zur klinischen Beurteilung und initialen Behandlung von Kindern unter 5 Jahren mit Fieber. Ein zentrales Element ist die Risikostratifizierung, um lebensbedrohliche Verläufe frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Besondere diagnostische Herausforderungen bestehen bei Kindern ohne offensichtliche Fieberquelle. Die Leitlinie zielt darauf ab, medizinisches Fachpersonal bei der sicheren Unterscheidung zwischen leichten und potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen zu unterstützen.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG143 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Beurteilung und Behandlung:

Temperaturmessung

Bei Säuglingen unter 4 Wochen wird die axilläre Messung mit einem elektronischen Thermometer empfohlen. Bei Kindern zwischen 4 Wochen und 5 Jahren kann die Messung axillär (elektronisch oder chemisch) oder tympanal mittels Infrarot-Thermometer erfolgen.

Die Leitlinie rät von der routinemäßigen oralen und rektalen Temperaturmessung in dieser Altersgruppe ab. Stirnthermometer auf chemischer Basis gelten als unzuverlässig und sollten nicht verwendet werden.

Klinische Beurteilung und Risikostratifizierung

Zunächst wird empfohlen, unmittelbar lebensbedrohliche Symptome wie Atemwegsverlegungen oder Bewusstseinsminderungen auszuschließen. Bei Verdacht auf eine Sepsis ist entsprechend den spezifischen Sepsis-Leitlinien zu handeln.

Zur Einschätzung des Risikos für eine schwere Erkrankung empfiehlt die Leitlinie ein Ampelsystem. Folgende Parameter zur Herzfrequenz definieren eine Tachykardie und gelten als Warnsignal der mittleren Risikostufe:

AlterHerzfrequenz (Schläge pro Minute)
Unter 12 MonateÜber 160
12 bis 24 MonateÜber 150
2 bis 5 JahreÜber 140

Das Ampelsystem teilt Symptome in drei Risikokategorien ein. Kinder mit Symptomen der roten Kategorie gelten als Hochrisikopatienten für schwere Erkrankungen:

RisikoHautfarbeAktivitätAtmungKreislauf und Hydratation
Grün (Niedrig)NormalLächelt, bleibt wach, reagiert normalNormalNormale Haut/Augen, feuchte Schleimhäute
Gelb (Mittel)Blässe (laut Elternbericht)Verminderte Aktivität, wacht nur bei Stimulation aufNasenflügeln, Tachypnoe, RasselgeräuscheTachykardie, Rekapillarisierungszeit ≥ 3 Sek., trockene Schleimhäute
Rot (Hoch)Blass, marmoriert, aschfahl, blauKeine Reaktion auf soziale Reize, weckbar aber schläft sofort wieder einStöhnen, schwere Einziehungen, Atemfrequenz > 60/MinReduzierter Hautturgor

Spezifische Erkrankungen

Es wird empfohlen, bei der Untersuchung gezielt nach Symptomen spezifischer Erkrankungen zu suchen. Dazu gehören laut Leitlinie:

  • Meningokokken-Erkrankung: Nicht wegdrückbarer Ausschlag, besonders bei schwer krank wirkenden Kindern oder verlängerter Rekapillarisierungszeit.

  • Kawasaki-Syndrom: Fieber von 5 Tagen oder länger, oft begleitet von bilateraler Konjunktivitis, Erdbeerzunge oder polymorphem Ausschlag.

  • Harnwegsinfektion: Schmerzhaftes Wasserlassen, trüber oder übelriechender Urin.

  • Pneumonie: Tachypnoe, Rasselgeräusche, Nasenflügeln oder Zyanose.

Antipyretische Therapie

Paracetamol oder Ibuprofen sollten nur erwogen werden, wenn das Kind durch das Fieber beeinträchtigt oder gestresst wirkt. Antipyretika sollen nicht mit dem alleinigen Ziel der Temperatursenkung eingesetzt werden.

Es wird davon abgeraten, beide Wirkstoffe routinemäßig gleichzeitig zu verabreichen. Ein Wechsel des Präparats wird nur empfohlen, wenn das erste Medikament die Beschwerden nicht ausreichend lindert.

Kontraindikationen

Es werden folgende Warnhinweise und Kontraindikationen formuliert:

  • Wadenwickel oder lauwarmes Abwaschen (Tepid sponging) werden zur Fiebersenkung nicht empfohlen.

  • Antipyretika dürfen nicht zur Prävention von Fieberkrämpfen eingesetzt werden, da sie hierfür wirkungslos sind.

  • Kinder mit Fieber sollten weder zu leicht bekleidet noch übermäßig eingepackt werden.

  • Stirnthermometer auf chemischer Basis gelten als unzuverlässig und sollen nicht verwendet werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, das Ansprechen auf fiebersenkende Medikamente als diagnostisches Kriterium zu nutzen. Es wird betont, dass ein Rückgang der Körpertemperatur nach Antipyretika-Gabe nicht ausreicht, um zwischen einer schweren und einer harmlosen Infektion zu unterscheiden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie gilt eine Tachykardie als Warnsignal der mittleren Risikostufe (Gelb). Die Grenzwerte liegen bei über 160 Schlägen/Minute (unter 12 Monate), über 150 (1 bis 2 Jahre) und über 140 (2 bis 5 Jahre).

Bei Säuglingen unter 4 Wochen wird eine elektronische axilläre Messung empfohlen. Bei älteren Kindern bis 5 Jahren kann die Messung axillär oder tympanal mittels Infrarot-Thermometer erfolgen, während rektale und orale Messungen routinemäßig vermieden werden sollen.

Die Leitlinie empfiehlt, bei jedem Kind mit einem Fieber, das 5 Tage oder länger andauert, an ein Kawasaki-Syndrom zu denken. Dies gilt insbesondere, wenn zusätzliche Symptome wie eine Erdbeerzunge, ein polymorpher Ausschlag oder eine bilaterale Konjunktivitis auftreten.

Es wird davon abgeraten, beide Wirkstoffe gleichzeitig zu verabreichen. Ein alternierender Einsatz wird laut Leitlinie nur empfohlen, wenn die Beschwerden des Kindes vor der nächsten regulären Dosis zurückkehren oder persistieren.

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Quelle: NG143: Fever in under 5s: assessment and initial management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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