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Bronchiolitis bei Kindern: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose wird rein klinisch gestellt; routinemäßige Bluttests oder Röntgen-Thorax-Aufnahmen sind nicht indiziert.
  • Sauerstoffgabe erfolgt bei einer SpO2 <90% (Kinder ab 6 Wochen) bzw. <92% (Säuglinge unter 6 Wochen oder mit Komorbiditäten).
  • Bronchodilatatoren, Kortikosteroide und Antibiotika sollen nicht zur Therapie eingesetzt werden.
  • Bei jungen Säuglingen unter 6 Wochen kann eine Apnoe das einzige klinische Initialsymptom sein.
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Hintergrund

Die Bronchiolitis ist die häufigste Erkrankung der unteren Atemwege im ersten Lebensjahr. Sie betrifft Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat liegt. Die Symptome erreichen typischerweise nach 3 bis 5 Tagen ihren Höhepunkt. Bei 90 % der Säuglinge klingt der Husten innerhalb von 3 Wochen ab.

Diagnostik

Die Diagnose der Bronchiolitis wird klinisch gestellt. Ein typischer Verlauf beginnt mit einem 1- bis 3-tägigen Prodromalstadium mit Schnupfen (Coryza), gefolgt von:

  • Persistierendem Husten
  • Tachypnoe und/oder thorakalen Einziehungen
  • Giemen und/oder Rasselgeräuschen bei der Auskultation

Fieber (meist <39 °C) tritt in etwa 30 % der Fälle auf. Nach 3 bis 5 Tagen kommt es häufig zu einer Trinkschwäche. Wichtig: Bei Säuglingen unter 6 Wochen kann eine Apnoe das einzige klinische Zeichen sein.

Bei jedem Kind mit Verdacht auf Bronchiolitis muss die Sauerstoffsättigung (SpO2) gemessen werden.

Nicht empfohlene Diagnostik:

  • Keine routinemäßigen Blutuntersuchungen.
  • Kein routinemäßiger Röntgen-Thorax (Veränderungen können eine Pneumonie imitieren und verleiten fälschlicherweise zur Antibiotikagabe).
  • Keine routinemäßigen Blutgasanalysen (kapilläre BGA nur bei drohendem Atemversagen erwägen).

Differentialdiagnosen

ErkrankungTypische klinische ZeichenBemerkung
BronchiolitisCoryza, Husten, Tachypnoe, Giemen/RasselgeräuscheHäufigste Ursache <1 Jahr
PneumonieHohes Fieber (>39 °C), persistierende fokale RasselgeräuscheGgf. Sepsis-Kriterien beachten
Virusinduziertes Giemen / AsthmaPersistierendes/rezidivierendes Giemen ohne Rasselgeräusche, Atopie-AnamneseBei Kindern <1 Jahr ungewöhnlich

Kriterien für Überweisung und Aufnahme

Bei der Entscheidung über eine Krankenhauseinweisung müssen stets Risikofaktoren (z. B. Frühgeburtlichkeit <32 Wochen, Alter <3 Monate, chronische Lungen- oder Herzerkrankungen, Immundefekte) sowie die häuslichen Umstände und Fähigkeiten der Eltern berücksichtigt werden.

KriteriumNotfall-Überweisung (Rettungsdienst)Stationäre Aufnahme
AtmungSchwere Atemnot (Stöhnen, starke Einziehungen, AF >70/min)Persistierende schwere Atemnot
ApnoeBeobachtet oder anamnestisch berichtetBeobachtet oder anamnestisch berichtet
SpO2 (Raumluft)Zentrale Zyanose<90% (>6 Wochen) bzw. <92% (<6 Wochen oder Risikofaktoren)
Ernährung-Inadäquate Aufnahme (50-75% des Normalbedarfs)
AllgemeinzustandWirkt auf medizinisches Personal ernsthaft krank-

Therapie

Die Behandlung der Bronchiolitis ist primär supportiv. Viele etablierte Medikamente zeigen keine Wirksamkeit und sollen nicht verwendet werden.

MaßnahmeEmpfehlungIndikation / Bemerkung
SauerstoffgabeIndiziertZiel-SpO2 >90% (>6W) bzw. >92% (<6W/Risikofaktoren)
FlüssigkeitstherapieIndiziertMagensonde bei Trinkschwäche; IV-Flüssigkeit bei Sonden-Intoleranz oder drohendem Atemversagen
AtemwegsabsaugungZurückhaltendNur bei Apnoe oder Atemnot/Trinkschwäche durch obere Atemwegssekrete
CPAPErwägenBei drohendem Atemversagen (Erschöpfung, rezidivierende Apnoen)
BronchodilatatorenNicht empfohlenSalbutamol, Adrenalin, Ipratropiumbromid sind unwirksam
KortikosteroideNicht empfohlenWeder systemisch noch inhalativ
Weitere MedikamenteNicht empfohlenKeine Antibiotika, kein hypertones Kochsalz, kein Montelukast
PhysiotherapieNicht empfohlenNur bei relevanten Komorbiditäten (z. B. spinale Muskelatrophie) erwägen

Entlassungskriterien

Kinder können aus dem Krankenhaus entlassen werden, wenn sie:

  • klinisch stabil sind,
  • ausreichend oral Flüssigkeit zu sich nehmen,
  • die Sauerstoffsättigung (ohne Sauerstoffgabe) für 4 Stunden (inklusive einer Schlafphase) bei >90 % (Kinder ab 6 Wochen) bzw. >92 % (Säuglinge unter 6 Wochen oder mit Komorbiditäten) halten.

Eltern müssen bei Entlassung oder ambulanter Führung über Red-Flag-Symptome (z. B. zunehmende Atemarbeit, weniger als 50-75 % Trinkmenge, keine nasse Windel für 12 Stunden, Apnoen) aufgeklärt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf den Einsatz von Salbutamol oder Kortikosteroiden – diese sind bei unkomplizierter Bronchiolitis wirkungslos. Achten Sie bei jungen Säuglingen (<6 Wochen) besonders auf Apnoen als mögliches Initialsymptom.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer Sauerstoffsättigung <90% (Kinder ab 6 Wochen) bzw. <92% (Säuglinge <6 Wochen oder bei Vorerkrankungen).
Nein. Weder Salbutamol, Adrenalin noch systemische oder inhalative Kortikosteroide werden empfohlen, da sie keinen klinischen Nutzen zeigen.
Wenn es klinisch stabil ist, ausreichend trinkt und die SpO2 für mindestens 4 Stunden (inklusive einer Schlafphase) über dem jeweiligen Zielwert (90% bzw. 92%) liegt.
Frühgeborene (<32 Wochen), junge Säuglinge (<3 Monate) sowie Kinder mit chronischer Lungenerkrankung, angeborenem Herzfehler, Immundefekt oder neuromuskulärer Erkrankung.
Nein. Veränderungen im Röntgenbild können eine Pneumonie imitieren und sollten nicht zur Entscheidung über eine Antibiotikagabe herangezogen werden. Ein Röntgen ist nur bei geplanter intensivmedizinischer Behandlung zu erwägen.

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