Extrakorporaler Life Support (ECLS): Ausbildungsmodul
Hintergrund
Die mechanische Kreislaufunterstützung mittels extrakorporaler Life-Support-Systeme (ECLS) und die extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (eCPR) nehmen in der Akutmedizin stetig zu. Diese komplexen Verfahren erfordern ein hochqualifiziertes, multiprofessionelles Behandlungsteam.
Bisher fehlte ein einheitliches, nationales Konzept zur Qualifizierung in der ECLS-Therapie. Das vorliegende Konsensuspapier der DIVI, DGK und weiterer Fachgesellschaften schließt diese Lücke.
Es definiert ein standardisiertes Ausbildungsmodul, um eine bestmögliche und sichere Patientenversorgung in der Notfall- und Intensivmedizin zu gewährleisten. Die DIVI fungiert dabei aufgrund der Interdisziplinarität als koordinierende Fachgesellschaft.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Der Einsatz von Extracorporeal Life Support (ECLS) hat in den letzten Jahren weltweit signifikant zugenommen, insbesondere bei kardiogenem Schock und therapierefraktärem Herz-Kreislauf-Stillstand (eCPR). Betroffen sind meist kritisch kranke Patienten auf Intensivstationen, deren Mortalität ohne mechanische Kreislaufunterstützung extrem hoch ist. Pathophysiologie: ECLS-Systeme, häufig als veno-arterielle ECMO (VA-ECMO) bezeichnet, übernehmen temporär die Pumpfunktion des Herzens und den Gasaustausch der Lunge. Blut wird aus dem venösen System drainiert, über einen Membranoxygenator mit Sauerstoff angereichert, von Kohlendioxid befreit und in das arterielle System zurückgepumpt. Dies durchbricht die Abwärtsspirale aus vermindertem Herzzeitvolumen, Gewebehypoxie und Multiorganversagen. Klinische Bedeutung: Für Intensivmediziner und Kardiologen ist ECLS eine lebensrettende Ultima-Ratio-Therapie zur Überbrückung bis zur Erholung des Herzens oder bis zu weiteren Therapiemaßnahmen. Die hohe Komplexität des Systems erfordert ein tiefgreifendes Verständnis der Hämodynamik sowie ein rasches Komplikationsmanagement. Diagnostische Grundlagen: Die Indikation wird klinisch und echokardiografisch bei schwerem, therapierefraktärem kardiogenem Schock oder im Rahmen einer prolongierten Reanimation gestellt. Wichtige Parameter zur Steuerung und Überwachung umfassen Laktatclearance, zentralvenöse Sauerstoffsättigung und regelmäßige echokardiografische Kontrollen der linksventrikulären Entlastung.
Wissenswertes
ECLS wird bei therapierefraktärem kardiogenem Schock eingesetzt, wenn konventionelle Maßnahmen wie Inotropika und Volumentherapie versagen. Ziel ist die rasche Wiederherstellung der Endorganperfusion und die Vermeidung eines irreversiblen Multiorganversagens.
Die Begriffe werden im klinischen Alltag oft synonym verwendet, wobei ECLS meist die veno-arterielle ECMO (VA-ECMO) zur kombinierten Herz- und Lungenunterstützung beschreibt. Die veno-venöse ECMO (VV-ECMO) dient hingegen rein der respiratorischen Unterstützung bei intakter Herzfunktion.
Zu den häufigsten Komplikationen zählen schwere Blutungen, thromboembolische Ereignisse und Ischämien der kanülierten Extremität. Zudem besteht ein hohes Risiko für nosokomiale Infektionen und das Auftreten eines Harlekin-Syndroms bei unzureichender pulmonaler Funktion.
Ein Weaning wird in Betracht gezogen, wenn sich die kardiale Funktion echokardiografisch erholt hat und der Patient hämodynamisch unter schrittweise reduzierter ECLS-Unterstützung stabil bleibt. Wichtige Voraussetzungen sind ein normalisierter Laktatwert und eine ausreichende intrinsische Oxygenierung.
Die extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (eCPR) kommt bei beobachtetem Herz-Kreislauf-Stillstand mit sofortigen Basismaßnahmen (Bystander-CPR) und potenziell reversiblem Auslöser infrage. Ein rascher Kanülierungsbeginn unter laufender Reanimation ist entscheidend für ein gutes neurologisches Outcome.
Da die VA-ECMO den retrograden Blutfluss in der Aorta erhöht, steigt die Nachlast für den linken Ventrikel, was zu einer linksventrikulären Überdehnung und einem Lungenödem führen kann. Ein aktives Unloading, beispielsweise durch eine perkutane Mikropumpe oder ein atriales Septostoma, schützt das Myokard und fördert die Erholung.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die ärztliche Leitung eines ECLS-Programms erfordert zwingend eine Zusatzweiterbildung in der Notfall- oder Intensivmedizin sowie mehrjährige klinische Erfahrung. Es wird im Konsensuspapier betont, dass die Verantwortung für die kontinuierliche interne Ausbildung des multiprofessionellen Teams direkt bei dieser Leitungsebene liegt.
Häufig gestellte Fragen
Das Modul richtet sich an Intensiv- und Notfallmediziner, Kardiologen, Anästhesisten, Herzchirurgen, Kardiotechniker sowie an spezialisierte Pflegekräfte. Ärzte müssen eine entsprechende Zusatzweiterbildung begonnen oder abgeschlossen haben.
Laut Konsensuspapier wird das Zertifikat nach dem dreitägigen Kurs, einer bestandenen Lernkontrolle und dem Nachweis von mindestens 15 ECLS-Einsätzen ausgestellt.
Das Zertifikat verlängert sich automatisch um 5 Jahre, wenn pro Jahr mindestens 10 ECLS-Anwendungen nachgewiesen werden. Werden diese Fallzahlen nicht erreicht, ist eine Rezertifizierung erforderlich.
Die DIVI fungiert als koordinierende Fachgesellschaft für das interdisziplinäre Modul. Die Umsetzung kann jedoch auch über die jeweiligen Fachgesellschaften, wie beispielsweise als Sachkundenachweis der DGK, erfolgen.
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Quelle: Ausbildungsmodul Extrakorporaler Life Support (ECLS) Konsensuspapier der DIVI, DGTHG, DGfK, DGAI, DGIIN, DGF, GRC und der DGK (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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