Früherkennung Mundhöhlenkarzinom: ESMO-EUROCAN Leitlinie (2023)
📋Auf einen Blick
- •Die Leitlinie spricht sich gegen den routinemäßigen Einsatz von Vitalfärbung (insbesondere Toluidinblau) zur Früherkennung von Mundhöhlenkarzinomen aus.
- •Die Biopsie bleibt die Methode der Wahl für eine definitive Diagnose von potenziell malignen Mundhöhlenläsionen und Plattenepithelkarzinomen.
- •Eine klinische Mundhöhlenuntersuchung sollte bei allen erwachsenen Patienten durchgeführt werden, auch ohne sichtbare Schleimhautveränderungen.
Hintergrund
Die frühzeitige Erkennung von potenziell malignen Mundhöhlenläsionen (OPMDs) und Mundhöhlenkarzinomen kann die Prognose für Patienten erheblich verbessern. Die vorliegende ESMO-EUROCAN Leitlinie befasst sich spezifisch mit der Rolle der Vitalfärbung, insbesondere Toluidinblau, als ergänzende Methode. Es wurde untersucht, ob Vitalfärbung zur Screening-Untersuchung bei Erwachsenen ohne Schleimhautauffälligkeiten oder zur Bestimmung der Notwendigkeit einer Biopsie bei Erwachsenen mit Schleimhautveränderungen in der Mundhöhle eingesetzt werden sollte.
Methodik
Für die Erstellung dieser evidenzbasierten Leitlinie wurden systematische Recherchen durchgeführt. Dabei wurden Studien zu den Vorteilen und Nachteilen der Vitalfärbung als ergänzende Methode sowie zu Patienten- und Klinikereinstellungen berücksichtigt. Das Leitlinienpanel nutzte das Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation (GRADE) Evidence to Decision Framework, um Empfehlungen zu formulieren. Im Rahmen dieses Prozesses wurden auch Ressourcenbedarf, Gerechtigkeit, Akzeptanz und Machbarkeit bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt.
Empfehlungen
Das Panel formulierte zwei Empfehlungen und zwei Good Practice Statements:
- Für Erwachsene mit und ohne Schleimhautauffälligkeiten wird vom Einsatz der Vitalfärbung als ergänzende Methode abgeraten (konditionale Empfehlung, sehr geringe Evidenzstärke).
- Kliniker werden ermutigt, bei allen erwachsenen Patienten eine klinische Mundhöhlenuntersuchung durchzuführen (Good Practice Statement).
Schlussfolgerung und praktische Implikationen
Die Biopsie bleibt die erste Wahl für die Gewinnung einer definitiven Diagnose einer potenziell malignen Mundhöhlenläsion (OPMD) und eines oralen Plattenepithelkarzinoms. Eine klinische Mundhöhlenuntersuchung sollte bei allen asymptomatischen Erwachsenen ohne klinisch evidente Schleimhautauffälligkeiten durchgeführt werden. Bei der Implementierung oder Anpassung dieser Empfehlungen sollten lokale Gegebenheiten berücksichtigt werden, um einen gerechten Zugang zur Früherkennung zu gewährleisten.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei allen erwachsenen Patienten eine klinische Mundhöhlenuntersuchung durch, unabhängig von sichtbaren Schleimhautveränderungen. Die Biopsie ist für die definitive Diagnose von Mundhöhlenläsionen unerlässlich.