Erste Hilfe: Leitlinien-Empfehlung zu Schock und Trauma

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: ERC (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die European Resuscitation Council (ERC) Leitlinie 2021 zur Ersten Hilfe basiert auf dem internationalen ILCOR-Konsens von 2020. Sie definiert Erste Hilfe als die initiale Versorgung bei akuten Erkrankungen oder Verletzungen mit dem Ziel, Leben zu erhalten, Leiden zu lindern und die Genesung zu fördern.

Die Leitlinie umfasst evidenzbasierte Empfehlungen für eine Vielzahl von medizinischen Notfällen und Traumata. Sie richtet sich sowohl an Laien als auch an professionelle Ersthelfer und betont, dass Erste-Hilfe-Maßnahmen medizinisch fundiert sein müssen.

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die kontinuierliche Evaluierung der wissenschaftlichen Evidenz. Für Situationen mit unzureichender Studienlage wurden Expertenkonsense als "Good Practice Points" formuliert, um klare Handlungsanweisungen für die Praxis zu gewährleisten.

Empfehlungen

Die ERC-Leitlinie 2021 formuliert folgende Kernempfehlungen für die Erste Hilfe:

Medizinische Notfälle

Für bewusstseinsgeminderte Personen mit normaler Atmung wird die stabile Seitenlage empfohlen. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der kontinuierlichen Überwachung der Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Bei einem Schock ohne Trauma-Hinweise wird die Rückenlage empfohlen. Eine passive Beinhochlagerung kann als temporäre Maßnahme erwogen werden.

Bei Verdacht auf einen akuten Schlaganfall wird die Nutzung validierter Erkennungsskalen (z.B. FAST, CPSS, LAPSS oder MASS) empfohlen. Die Spezifität der Erkennung kann laut Leitlinie durch eine zusätzliche Blutzuckermessung erhöht werden.

Bei Verdacht auf einen Myokardinfarkt wird die frühzeitige Gabe von Aspirin empfohlen (starke Empfehlung). Dies gilt für wache Erwachsene mit nichttraumatischem Brustschmerz.

Zur Behandlung der Anaphylaxie wird die Gabe einer zweiten Adrenalin-Dosis per Autoinjektor empfohlen, falls sich die Symptome nach 5 Minuten nicht bessern oder zurückkehren.

Bei einem Hitzschlag wird die sofortige Entfernung aus der Hitzequelle und eine aktive Kühlung empfohlen. Bei einer Körpertemperatur über 40 °C gilt die Ganzkörper-Kaltwasserimmersion (1-26 °C) als effektivste Methode.

Traumatologische Notfälle

Zur Kontrolle lebensbedrohlicher Blutungen wird primär direkter manueller Druck empfohlen. Dieser kann laut Leitlinie durch den Einsatz hämostatischer Verbände ergänzt werden.

Bei lebensbedrohlichen Blutungen an den Extremitäten wird die Anlage eines Tourniquets empfohlen. Es sollte 5 bis 7 cm oberhalb der Wunde angelegt und bis zum Stopp der Blutung angezogen werden.

Bei Verdacht auf eine Halswirbelsäulenverletzung wird von der routinemäßigen Anlage einer Halskrawatte (Cervical Collar) abgeraten. Stattdessen wird eine manuelle Stabilisierung des Kopfes empfohlen.

Thermische Verbrennungen sollten für mindestens 20 Minuten mit kühlem oder kaltem Wasser gekühlt werden. Anschließend wird eine lockere Abdeckung mit einem trockenen, sterilen Verband oder Frischhaltefolie empfohlen.

Ausgeschlagene Zähne (Zahnavulsion) sollten laut Leitlinie nur an der Krone berührt werden. Für den Transport wird die Lagerung in speziellen Nährlösungen (z.B. HBSS), Propolis, oraler Rehydratationslösung oder Kuhmilch empfohlen.

Dosierung

SubstanzDosierungIndikation
Aspirin (Kautablette)150-300 mgVerdacht auf Myokardinfarkt (ohne Trauma)
Glukose / Traubenzucker15-20 g oralMilde Hypoglykämie (bei Bewusstsein und Schluckfähigkeit)
Haushaltszucker2,5 g (1/2 Teelöffel) sublingualHypoglykämie bei unkooperativen Kindern

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Aspirin: Kontraindiziert bei unklarem oder traumatischem Brustschmerz, bekannter Allergie, schwerem Asthma oder gastrointestinalen Blutungen.

  • Offene Brustwunden: Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Anlegen okklusiver Verbände aufgrund der Gefahr eines lebensbedrohlichen Spannungspneumothorax.

  • Sauerstoffgabe: Eine routinemäßige Sauerstoffgabe bei unkompliziertem Schlaganfall ohne Zeichen einer Hypoxie wird nicht empfohlen.

  • Frakturen: Das Richten von angulierten Frakturen durch Ersthelfer wird nicht empfohlen; die Extremität sollte in der vorgefundenen Position geschient werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein besonders kontraintuitiver Hinweis der Leitlinie betrifft die Versorgung offener Brustwunden: Es wird ausdrücklich davor gewarnt, diese Wunden mit luftdichten (okklusiven) Verbänden zu verschließen. Laut Leitlinie überwiegt das Risiko, dadurch einen lebensbedrohlichen Spannungspneumothorax auszulösen, weshalb die Wunde offen gelassen werden sollte, sofern keine speziellen Ventilverbände (Chest Seals) durch geschultes Personal angewendet werden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, thermische Verbrennungen für mindestens 20 Minuten mit kühlem oder kaltem Wasser zu kühlen. Dabei sollte darauf geachtet werden, insbesondere bei Kindern keine Hypothermie auszulösen.

Ein Tourniquet wird bei lebensbedrohlichen Blutungen an den Extremitäten empfohlen, die durch direkten Druck nicht kontrolliert werden können. Es sollte 5 bis 7 cm oberhalb der Wunde angelegt und bis zum Stopp der Blutung angezogen werden.

Wenn eine sofortige Replantation nicht möglich ist, empfiehlt die Leitlinie die Lagerung in speziellen Nährlösungen (wie HBSS), Propolis oder oraler Rehydratationslösung. Ist dies nicht verfügbar, stellt Kuhmilch die beste Alternative dar; Leitungswasser sollte vermieden werden.

Nein, die Leitlinie rät von einer routinemäßigen Sauerstoffgabe bei Verdacht auf einen akuten Schlaganfall ab. Eine Sauerstofftherapie wird nur empfohlen, wenn die betroffene Person klinische Zeichen einer Hypoxie aufweist.

Wenn sich die Symptome einer Anaphylaxie nach 5 Minuten nicht bessern oder wiederkehren, wird die intramuskuläre Gabe einer zweiten Adrenalin-Dosis mittels Autoinjektor empfohlen.

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Quelle: ERC First Aid Guidelines 2021 (ERC, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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