Spontanpneumothorax Management: ERS/EACTS/ESTS Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Die Leitlinie empfiehlt eine **konservative Behandlung** für minimal symptomatische, klinisch stabile Patienten mit primärem Spontanpneumothorax (PSP).
- •Für die initiale Behandlung des PSP wird die **Nadelaspiration** gegenüber der Thoraxdrainage **stark empfohlen**.
- •Ein **ambulantes Management** kann für die initiale Behandlung des PSP in Betracht gezogen werden.
- •Eine **frühe chirurgische Intervention** wird für die initiale Behandlung des PSP empfohlen, wenn Patienten die Rezidivprophylaxe priorisieren.
- •Bei sekundärem Spontanpneumothorax (SSP) mit persistierender Luftleckage (PAL) wird ein **autologes Blutpatch** bedingt empfohlen.
Hintergrund
Die optimale Behandlung des Spontanpneumothorax (SP) ist Gegenstand anhaltender Diskussionen. Eine gemeinsame Task Force der European Respiratory Society (ERS), der European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS) und der European Society of Thoracic Surgeons (ESTS) hat daher eine evidenzbasierte klinische Praxisleitlinie entwickelt. Diese multidisziplinäre Task Force hat 12 zentrale klinische Fragen zum Management des Pneumothorax adressiert und systematische Literaturrecherchen in MEDLINE und Embase durchgeführt. Die Evidenz wurde, wo möglich, mittels Meta-Analysen synthetisiert und die Sicherheit der Evidenz mit GRADE bewertet. Insgesamt wurden 24 evidenzbasierte Empfehlungen formuliert, die klinische Prioritäten und Patientenperspektiven berücksichtigen.
Empfehlungen zum Management des Spontanpneumothorax
Die Leitlinie gibt spezifische Empfehlungen für das Management des primären und sekundären Spontanpneumothorax.
Primärer Spontanpneumothorax (PSP)
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Konservative Behandlung: Für minimal symptomatische Patienten mit PSP, die klinisch stabil sind, wird eine bedingte Empfehlung für eine konservative Behandlung ausgesprochen.
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Initialbehandlung: Für die initiale Behandlung des PSP wird eine starke Empfehlung für die Nadelaspiration gegenüber einer Thoraxdrainage gegeben.
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Ambulantes Management: Ein ambulantes Management für die initiale Behandlung des PSP wird bedingt empfohlen.
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Frühe chirurgische Intervention: Bei Patienten, die der Rezidivprophylaxe Priorität einräumen, wird eine bedingte Empfehlung für eine frühe chirurgische Intervention zur initialen Behandlung des PSP ausgesprochen.
Sekundärer Spontanpneumothorax (SSP)
- Persistierende Luftleckage (PAL): Bei Patienten mit sekundärem Spontanpneumothorax und persistierender Luftleckage wird ein autologes Blutpatch bedingt empfohlen.
Nicht empfohlene oder nicht bewertete Interventionen
Das Expertengremium konnte keine Empfehlungen für andere Interventionen aussprechen. Dazu gehören Bronchialventile, Absaugung, Pleurodese zusätzlich zur chirurgischen Resektion oder die Art der chirurgischen Pleurodese. Die Leitlinie hebt zudem Evidenzlücken im Management von persistierender Luftleckage und der Rezidivprophylaxe hervor und formuliert Forschungsbedarfe.
💡Praxis-Tipp
Erwägen Sie bei klinisch stabilen Patienten mit minimal symptomatischem primärem Spontanpneumothorax eine konservative Behandlung. Bevorzugen Sie bei der initialen Behandlung eines primären Spontanpneumothorax die Nadelaspiration gegenüber einer Thoraxdrainage.