CochraneIa2022

Ergotherapie nach Schlaganfall: Kognition und ADL

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Kognitive Beeinträchtigungen sind eine häufige und oft anhaltende Folge eines Schlaganfalls. Sie wirken sich signifikant auf die funktionelle Unabhängigkeit und die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) aus.

Ergotherapeuten setzen verschiedene Interventionen ein, um Menschen mit kognitiven Einschränkungen nach einem Schlaganfall zu unterstützen. Dabei kommen sowohl restitutive Ansätze (z. B. computergestütztes kognitives Training) als auch kompensatorische und adaptive Ansätze zum Einsatz.

Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2022 aktualisiert eine vorherige Version und bewertet die Auswirkungen der Ergotherapie auf basale und instrumentelle ADL. Zudem werden die Effekte auf die globale kognitive Funktion sowie spezifische kognitive Fähigkeiten untersucht.

Empfehlungen

Der Cochrane Review fasst die Evidenz zur Wirksamkeit der Ergotherapie bei kognitiven Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall zusammen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird überwiegend als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.

Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)

Für die basalen Aktivitäten des täglichen Lebens (BADL) zeigt die Metaanalyse unmittelbar nach der Intervention sowie nach drei und sechs Monaten nur geringe bis keine klinisch bedeutsamen Unterschiede (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).

Bezüglich der instrumentellen ADL (IADL) und der Integration in die Gemeinschaft ist die Evidenz für einen Effekt sehr unsicher. Es liegen keine ausreichenden Belege für eine signifikante Verbesserung vor.

Globale kognitive Funktionen

Es gibt Belege für eine klinisch bedeutsame Verbesserung der globalen kognitiven Funktionsleistung unmittelbar nach der Intervention (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Der Unterschied übersteigt den minimalen klinisch bedeutsamen Unterschied für Schlaganfall-Rehabilitationspatienten.

Spezifische kognitive Fähigkeiten

Die Auswertung der spezifischen kognitiven Teilbereiche zeigt folgende Effekte der Ergotherapie im Vergleich zur üblichen Versorgung:

  • Wahrscheinlich eine leichte Verbesserung der anhaltenden visuellen Aufmerksamkeit (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)

  • Eine leichte Steigerung des Arbeitsgedächtnisses unmittelbar nach der Intervention (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)

  • Eine leichte Zunahme des flexiblen Denkens nach Abschluss der Therapie (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz)

  • Wenig bis kein Unterschied bei anderen Gedächtnisbereichen oder der allgemeinen gezielten Aufmerksamkeit

Übersicht der Evidenzgrade (GRADE)

Die Autoren fassen die Sicherheit der Evidenz für die wichtigsten Endpunkte unmittelbar nach der Intervention wie folgt zusammen:

EndpunktEffekt (SMD/MD)Vertrauenswürdigkeit (GRADE)
Basale ADL (BADL)MD 2,26 höherNiedrig
Instrumentelle ADL (IADL)SMD 0,94 höherSehr niedrig
Globale KognitionSMD 0,35 höherNiedrig
Anhaltende visuelle AufmerksamkeitSMD 0,28 niedrigerModerat
ArbeitsgedächtnisSMD 0,45 höherNiedrig
Kognitive FlexibilitätSMD 1,50 niedrigerNiedrig

Implikationen für Forschung und Praxis

Die generelle Wirksamkeit der Ergotherapie bei kognitiven Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall bleibt laut den Autoren unklar. Weder restitutive noch kompensatorische Ansätze zeigten eine eindeutige Überlegenheit bei den BADL.

Es wird betont, dass zukünftige Studien methodisch verbessert werden müssen. Insbesondere das Risiko für Verzerrungen (Performance Bias) und die Verblindung stellen in der Rehabilitationsforschung große Herausforderungen dar.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Obwohl Ergotherapie ein Standardverfahren in der Schlaganfallrehabilitation ist, zeigt der Review, dass die Evidenz für eine signifikante Verbesserung der basalen Alltagsaktivitäten (BADL) bei kognitiven Störungen schwach ist. Es wird hervorgehoben, dass sich jedoch globale kognitive Funktionen und spezifische Bereiche wie die visuelle Aufmerksamkeit durch die Therapie leicht verbessern lassen.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es nur Evidenz von niedriger Qualität, dass Ergotherapie zu geringen bis keinen klinisch bedeutsamen Unterschieden bei den basalen Aktivitäten des täglichen Lebens (BADL) führt. Für instrumentelle ADL ist die Evidenzlage sehr unsicher.

Es wird berichtet, dass Ergotherapie die globale kognitive Leistung unmittelbar nach der Intervention leicht verbessern kann. Zudem gibt es moderate Evidenz für eine leichte Verbesserung der anhaltenden visuellen Aufmerksamkeit.

Der Review fand keine Hinweise auf die Überlegenheit eines bestimmten Ansatzes. Sowohl restitutive (z. B. computergestütztes Training) als auch kompensatorische Ansätze zeigten in Bezug auf die basalen Alltagsaktivitäten ähnliche, meist geringe Effekte.

Die meisten nachgewiesenen Effekte, wie die Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses oder des flexiblen Denkens, beziehen sich auf den Zeitpunkt unmittelbar nach der Intervention. Für langfristige Effekte nach drei oder sechs Monaten liegt laut den Autoren oft keine ausreichende Evidenz vor.

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Quelle: Cochrane Review: Occupational therapy for cognitive impairment in stroke patients (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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