Erbrechen bei Kindern: Bildgebung, Ultraschall, Röntgen
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) behandelt die bildgebende Diagnostik bei Erbrechen im Kindes- und Jugendalter. Die Wahl des geeigneten Verfahrens richtet sich primär nach den begleitenden Symptomen sowie der Art des Erbrechens.
Dabei wird laut Leitlinie unterschieden, ob das Erbrechen gallig, nicht gallig oder blutig ist. Auch das zeitliche Auftreten, wie schwallartiges, intermittierendes oder morgendliches Erbrechen, spielt eine wichtige Rolle für die Diagnostik.
Zusätzlich wird die Untersuchungsmethode entsprechend der altersabhängig zu erwartenden Diagnose ausgewählt. Wenn keine anatomischen oder funktionellen Veränderungen erkennbar sind, wird ein Ausschluss metabolischer oder zerebraler Ursachen empfohlen.
Klinischer Kontext
Erbrechen ist ein sehr häufiges Symptom im Kindes- und Jugendalter und führt oft zur Vorstellung in der pädiatrischen oder hausärztlichen Praxis. Die Ursachen variieren stark je nach Altersgruppe, wobei gastrointestinale Infektionen bei weitem am häufigsten sind.
Der Brechreflex wird durch das Brechzentrum in der Medulla oblongata gesteuert, welches durch vagale Afferenzen, das Vestibularorgan oder die Chemorezeptoren-Triggerzone aktiviert wird. Dies kann durch lokale Reizungen im Magen-Darm-Trakt, systemische Infektionen, metabolische Entgleisungen oder erhöhten intrakraniellen Druck ausgelöst werden.
Für behandelnde Ärzte besteht die größte Herausforderung darin, harmlose, selbstlimitierende Ursachen von lebensbedrohlichen Notfällen wie einer Invagination, Appendizitis oder intrakraniellen Raumforderungen zu unterscheiden. Eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung sind essenziell, um Warnhinweise rechtzeitig zu erkennen.
Bildgebende Verfahren kommen primär dann zum Einsatz, wenn der Verdacht auf eine chirurgische oder neurologische Ursache besteht. Die Sonografie des Abdomens ist aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung und hohen Verfügbarkeit oft das bildgebende Verfahren der ersten Wahl in der Pädiatrie.
Wissenswertes
Warnzeichen wie galliges Erbrechen, projektilartiges Erbrechen bei Säuglingen, neurologische Auffälligkeiten oder starke abdominelle Abwehrspannung deuten auf akute Notfälle hin. In diesen Fällen ist eine rasche bildgebende Abklärung, meist mittels Ultraschall, indiziert, um chirurgische Ursachen auszuschließen.
Die Abdomensonografie ist besonders wertvoll bei Verdacht auf Invagination, hypertrophe Pylorusstenose oder akute Appendizitis. Sie bietet eine hohe diagnostische Aussagekraft ohne Strahlenbelastung und ist daher das bevorzugte initiale Verfahren.
Konventionelle Röntgenaufnahmen des Abdomens werden heutzutage zurückhaltend eingesetzt, um die Strahlenexposition zu minimieren. Sie können jedoch bei Verdacht auf einen mechanischen Ileus, eine Perforation oder verschluckte Fremdkörper wertvolle diagnostische Hinweise liefern.
Bei Säuglingen stehen oft anatomische Besonderheiten wie die Pylorusstenose, Invaginationen oder angeborene Fehlbildungen im Vordergrund. Bei älteren Kindern und Jugendlichen dominieren Gastroenteritiden, Appendizitis oder auch psychogene Ursachen und Migräne.
Ein MRT oder CT des Schädels wird in Betracht gezogen, wenn das Erbrechen mit neurologischen Ausfällen, morgendlichen Kopfschmerzen oder einer Stauungspapille einhergeht. Diese Symptome können auf einen erhöhten Hirndruck, beispielsweise durch eine Raumforderung, hinweisen.
Galliges Erbrechen bei Neugeborenen und jungen Säuglingen gilt als klassisches Zeichen einer hohen intestinalen Obstruktion, wie etwa bei einer Malrotation mit Volvulus. Es erfordert eine sofortige klinische und bildgebende Evaluation, um eine Ischämie des Darms zu verhindern.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, dass sich die Diagnose eines Volvulus bildgebend nicht immer sicher stellen lässt. Zudem wird bei der Verwendung von Röntgen-Kontrastmittel bei Verdacht auf einen Mekonium-Pfropf auf die Gefahr einer Dehydratation hingewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Sonografie als Methode der ersten Wahl zur Diagnostik einer abdominellen Ursache empfohlen. Dies basiert auf einem starken Konsens der Experten.
Die Leitlinie hält fest, dass bei einer Gastroenteritis in der Regel keine Bildgebung erforderlich ist. Ein Ultraschall kann jedoch zum Ausschluss anderer Ursachen eingesetzt werden.
Es wird die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung empfohlen. Weitere bildgebende Verfahren sind laut Leitlinie für diese Fragestellung primär nicht vorgesehen.
Die Leitlinie betont mit starkem Konsens, dass bei allen Röntgenuntersuchungen und Durchleuchtungen zwingend das ALARA-Prinzip angewendet werden muss. Die Strahlenbelastung ist so gering wie vernünftigerweise erreichbar zu halten.
Bei Verdacht auf eine zerebrale Ursache wie Hirndruck wird gemäß Leitlinie ein Ultraschall in Kombination mit einer farbkodierten Dopplersonografie (FKDS) empfohlen.
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Quelle: Erbrechen im Kindes- und Jugendalter - Bildgebende Diagnostik (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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