Epilepsie: Diagnostik und medikamentöse Stufentherapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG217 bietet umfassende Empfehlungen zur Diagnose, Beurteilung und Behandlung von Epilepsien bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal in der Primär-, Sekundär- und Tertiärversorgung.

Ein besonderer Fokus der Aktualisierung von Januar 2025 liegt auf den strengen Sicherheitsvorgaben der MHRA. Diese betreffen insbesondere die Verordnung von Valproat und Topiramat bei Frauen im gebärfähigen Alter sowie bei Männern.

Ziel der Leitlinie ist es, die Diagnostik und Therapie für verschiedene Anfallsarten und Epilepsiesyndrome zu optimieren. Zudem sollen epilepsiebedingte Risiken, einschließlich des plötzlichen unerwarteten Todes bei Epilepsie (SUDEP), minimiert werden.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Diagnostik und Überweisung

Laut Leitlinie wird nach einem ersten vermuteten Anfall eine dringende Überweisung an einen Spezialisten innerhalb von zwei Wochen empfohlen. Bei der Beurteilung des Risikos für einen zweiten Anfall sollen modifizierbare Faktoren wie psychische Erkrankungen, vaskuläre Risikofaktoren und Sepsis berücksichtigt werden.

Zur Abklärung wird ein 12-Kanal-EKG empfohlen, um kardiale Ursachen auszuschließen. Ein EEG sollte gemäß Leitlinie zur Unterstützung der Diagnose eingesetzt werden, darf jedoch nicht zum Ausschluss einer Epilepsie verwendet werden.

Bei Verdacht auf eine strukturelle Ursache wird eine MRT-Untersuchung innerhalb von sechs Wochen empfohlen. Ausgenommen sind Personen mit idiopathischer generalisierter Epilepsie oder selbstlimitierender Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes.

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie empfiehlt grundsätzlich eine Monotherapie als Erstlinientherapie. Für die medikamentöse Stufentherapie der häufigsten Anfallsarten werden folgende Wirkstoffe empfohlen:

AnfallsartErstlinientherapie (Monotherapie)Zweitlinientherapie / Add-on
Generalisierte tonisch-klonische AnfälleLamotrigin, Levetiracetam, ValproatClobazam, Perampanel, Topiramat
Fokale AnfälleLamotrigin, LevetiracetamCarbamazepin, Oxcarbazepin, Zonisamid
AbsencenEthosuximidLamotrigin, Levetiracetam, Valproat
Myoklonische AnfälleLevetiracetam, ValproatBrivaracetam, Clobazam, Clonazepam

Bei Status epilepticus wird als Erstlinientherapie die sofortige Gabe eines Benzodiazepins (bukkal Midazolam oder rektal Diazepam im ambulanten Bereich, intravenös Lorazepam im klinischen Setting) empfohlen.

Monitoring und Nachsorge

Es wird eine regelmäßige Überprüfung (mindestens jährlich) für Erwachsene mit erhöhtem Risiko empfohlen. Dies betrifft laut Leitlinie Personen mit Lernbehinderungen, medikamentenresistenter Epilepsie oder einem hohen Risiko für einen plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie (SUDEP).

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit, das individuelle Risiko für SUDEP von Beginn an zu thematisieren. Modifizierbare Risikofaktoren wie mangelnde Adhärenz, Alkoholmissbrauch oder das Alleinschlafen sollen mit den Betroffenen besprochen werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie hebt spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen für Antiepileptika hervor:

Valproat und Topiramat

Gemäß den Vorgaben darf Valproat bei Personen unter 55 Jahren (männlich und weiblich) nicht neu angesetzt werden, es sei denn, zwei Spezialisten dokumentieren unabhängig voneinander das Fehlen von Alternativen. Bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter dürfen Valproat und Topiramat nur unter den strengen Auflagen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms eingesetzt werden.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Männer, die Valproat einnehmen und innerhalb des nächsten Jahres eine Familie planen, bezüglich potenzieller Fertilitätsrisiken beraten werden müssen.

Weitere substanzspezifische Warnhinweise

Die Leitlinie warnt vor einem erhöhten Risiko für schwere Hautreaktionen bei der Gabe von Phenytoin oder Carbamazepin bei Personen mit Han-chinesischer, thailändischer, europäischer oder japanischer Abstammung.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine Langzeittherapie mit bestimmten Antiepileptika (z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Valproat) mit einer verringerten Knochendichte und einem erhöhten Osteomalazie-Risiko assoziiert ist. Eine Vitamin-D- und Calcium-Supplementierung sollte in diesen Fällen erwogen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxishinweis der Leitlinie betrifft die strengen Neuregelungen zu Natriumvalproat. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Valproat bei Personen unter 55 Jahren – unabhängig vom Geschlecht – nicht als Erstlinientherapie gestartet werden darf, sofern wirksame Alternativen existieren. Zudem betont die Leitlinie, dass auch bei männlichen Patienten unter Valproat-Therapie eine konsequente Aufklärung über Kontrazeption und mögliche Risiken bei der Familienplanung erfolgen muss.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, ein EEG so schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Anfall, durchzuführen. Es wird jedoch betont, dass ein unauffälliges EEG eine Epilepsie nicht sicher ausschließen kann.

Laut Leitlinie werden Lamotrigin oder Levetiracetam als Erstlinientherapie in der Monotherapie von fokalen Anfällen empfohlen. Bei Therapieversagen können Carbamazepin, Oxcarbazepin oder Zonisamid erwogen werden.

Es wird empfohlen, im ambulanten Setting unverzüglich ein Benzodiazepin wie bukales Midazolam oder rektales Diazepam zu verabreichen. Wenn der Anfall nach 5 bis 10 Minuten nicht sistiert, sollte gemäß Leitlinie eine zweite Dosis gegeben und der Rettungsdienst alarmiert werden.

Eine MRT-Untersuchung wird laut Leitlinie bei Verdacht auf eine strukturelle Ursache empfohlen und sollte innerhalb von sechs Wochen erfolgen. Bei idiopathischer generalisierter Epilepsie oder selbstlimitierender Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes ist sie in der Regel nicht erforderlich.

Die Leitlinie nennt mangelnde Medikamentenadhärenz, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie unkontrollierte generalisierte tonisch-klonische Anfälle als modifizierbare Risikofaktoren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Alleinleben oder unbeaufsichtigte Schlafen das Risiko für SUDEP erhöht.

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Quelle: Epilepsies in children, young people and adults (NICE, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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