Entrectinib bei ROS1-positivem NSCLC: Zusatznutzen
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Entrectinib. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Patientinnen und Patienten mit ROS1-positivem, fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC).
Voraussetzung für die Behandlung ist, dass die Betroffenen zuvor keine Therapie mit ROS1-Inhibitoren erhalten haben. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Wirkstoff Crizotinib festgelegt.
Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung Daten aus der einarmigen Phase-II-Basket-Studie STARTRK-2 für Entrectinib ein. Für den Vergleichsarm wurden retrospektive Daten aus der Flatiron-Health-Datenbank sowie der einarmigen EUCROSS-Studie herangezogen.
Empfehlungen
Bewertung der Evidenzlage
Laut Bericht sind die vorgelegten Daten für eine vergleichende Nutzenbewertung gegenüber Crizotinib nicht geeignet. Es wurden keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) für direkte oder adjustierte indirekte Vergleiche identifiziert.
Die vom Hersteller gebildeten Auswertungspopulationen der STARTRK-2-Studie weisen erhebliche methodische Mängel auf. Insbesondere wird kritisiert, dass durch die Vorgabe einer Mindest-Follow-up-Zeit nach dem ersten Ansprechen Personen ohne Therapieansprechen systematisch aus der Analyse ausgeschlossen wurden.
Methodische Einschränkungen der Vergleiche
Der Bericht bemängelt zudem den Vergleich einzelner Studienarme aus unterschiedlichen Quellen. Die Gegenüberstellung der STARTRK-2-Daten mit der Flatiron-Health-Datenbank und der EUCROSS-Studie ist aufgrund fehlender Randomisierung mit einer inhärenten Unsicherheit behaftet.
Die beobachteten Effekte beim Gesamtüberleben sind nicht groß genug, um eine systematische Verzerrung auszuschließen. Dies zeigt sich auch an den deutlich unterschiedlichen Überlebenszeiten der Crizotinib-Patienten in den beiden herangezogenen Vergleichskohorten.
Fazit zum Zusatznutzen
Basierend auf der unzureichenden Datenlage leitet die Bewertung folgendes Ergebnis ab:
-
Ein Zusatznutzen von Entrectinib gegenüber Crizotinib ist nicht belegt.
-
Es liegen keine geeigneten Daten vor, um Aussagen zu Mortalität, Morbidität oder gesundheitsbezogener Lebensqualität im direkten Vergleich zu treffen.
-
Die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß eines Zusatznutzens können daher nicht quantifiziert werden.
Dosierung
Die Dosierung von Entrectinib erfolgt gemäß Fachinformation. Bei Unverträglichkeiten sind Dosisreduktionen vorgesehen.
| Patientengruppe | Empfohlene Dosis | Dosisreduktion 1 | Dosisreduktion 2 |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 600 mg einmal täglich | 400 mg einmal täglich | 200 mg einmal täglich |
Die Behandlung sollte dauerhaft abgebrochen werden, wenn eine Dosis von 200 mg einmal täglich nicht vertragen wird.
Kontraindikationen
Der Bericht verweist auf Begleitbehandlungen, die während der Therapie mit Entrectinib nicht erlaubt oder nur mit Vorsicht anzuwenden sind:
-
Enzyminduzierende Antiepileptika sind nicht erlaubt.
-
Starke Inhibitoren oder Induktoren von CYP3A sind mit Vorsicht anzuwenden.
-
Substanzen, die das QT-Intervall verlängern oder mit Torsade-de-pointes-Arrhythmien assoziiert sind, erfordern besondere Vorsicht.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt des Berichts ist die methodische Schwäche unkontrollierter Studiendesigns in der Onkologie. Es wird deutlich darauf hingewiesen, dass der Ausschluss von Personen ohne Therapieansprechen aus einer Auswertungspopulation die Ergebnisse systematisch verzerrt und eine verlässliche Nutzenbewertung unmöglich macht.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Entrectinib im Vergleich zu Crizotinib nicht belegt. Die vorgelegten Daten aus unkontrollierten Studien waren für eine vergleichende Bewertung nicht geeignet.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Crizotinib als zweckmäßige Vergleichstherapie für die Erstlinienbehandlung des ROS1-positiven, fortgeschrittenen NSCLC festgelegt.
Die reinen Arzneimittelkosten für eine einjährige Therapie mit Entrectinib belaufen sich laut Bericht auf etwa 111.758 Euro pro Person. Demgegenüber stehen Kosten von rund 65.993 Euro für die Vergleichstherapie Crizotinib.
Bei Erwachsenen kann die Standarddosis von 600 mg täglich in zwei Schritten auf 400 mg und anschließend auf 200 mg reduziert werden. Wird die Dosis von 200 mg nicht vertragen, wird ein dauerhafter Therapieabbruch empfohlen.
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Quelle: IQWiG A20-75: Entrectinib (NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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