NICEA2017Gynäkologie

Endometriose: Diagnostik, Therapie und Bildgebung

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen, bei der gebärmutterschleimhautartiges Gewebe außerhalb des Uterus wächst. Sie ist hormonabhängig, an den Menstruationszyklus gebunden und betrifft vorwiegend Frauen im reproduktiven Alter.

Typische Symptome umfassen chronische Beckenschmerzen, schmerzhafte Menstruationsblutungen und Subfertilität. Diese Beschwerden können die Lebensqualität, die Arbeitsfähigkeit sowie das psychische und soziale Wohlbefinden der Betroffenen erheblich einschränken.

Eine zentrale klinische Herausforderung ist die oft verzögerte Diagnosestellung, die zwischen 4 und 10 Jahren dauern kann. Die vorliegende Leitlinie zielt darauf ab, das Bewusstsein für die Symptome zu schärfen und klare Behandlungspfade zwischen Primärversorgung, Gynäkologie und spezialisierten Endometriosezentren zu etablieren.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Diagnostik und das Management der Endometriose:

Symptomerfassung und klinische Untersuchung

Laut Leitlinie sollte eine Endometriose bei Vorliegen eines oder mehrerer der folgenden Symptome vermutet werden:

  • Chronische Beckenschmerzen oder zyklusabhängige Schmerzen (Dysmenorrhoe), die den Alltag einschränken

  • Tiefe Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr

  • Zyklusabhängige gastrointestinale oder urologische Symptome (z. B. schmerzhafter Stuhlgang, Blut im Urin)

  • Infertilität in Verbindung mit den genannten Beschwerden

Es wird empfohlen, nach einer Familienanamnese für Endometriose zu fragen, da dies die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung erhöht. Zudem sollte eine abdominale und pelvine (vaginale) Untersuchung angeboten werden, um Raumforderungen oder Knoten zu identifizieren.

Diagnostik und Bildgebung

Die Leitlinie empfiehlt als primäre Bildgebung einen transvaginalen Ultraschall für alle Personen mit Verdacht auf Endometriose. Dieser dient der Identifikation von Endometriomen und tiefer Endometriose (inklusive Darm, Blase oder Ureter).

Wenn ein transvaginaler Ultraschall abgelehnt wird oder ungeeignet ist, sollte ein transabdominaler Ultraschall erwogen werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ein unauffälliger Tastbefund oder Ultraschall eine Endometriose nicht ausschließt.

Zur Diagnose und Beurteilung der Ausdehnung einer tiefen Endometriose kann ein spezialisierter Ultraschall oder ein MRT des Beckens erwogen werden. Von der Bestimmung des Serumwerts CA125 zur Diagnosestellung wird abgeraten.

Medikamentöse Therapie

Für die Erstlinientherapie von Endometriose-bedingten Schmerzen wird ein kurzer Therapieversuch (z. B. über 3 Monate) mit Paracetamol oder einem nicht-steroidalen Antirheumatikum (NSAR) empfohlen. Diese können einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.

Zusätzlich wird eine hormonelle Therapie (z. B. kombiniertes orales Kontrazeptivum oder Gestagene) zur Schmerzreduktion empfohlen. Es sollte darüber aufgeklärt werden, dass diese hormonellen Behandlungen keine dauerhaft negativen Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit haben.

Überweisungskriterien

Die Leitlinie definiert klare Kriterien für die Überweisung in die fachärztliche Gynäkologie oder in ein spezialisiertes Endometriosezentrum:

ÜberweisungszielIndikation laut Leitlinie
GynäkologieInitiale Therapie ineffektiv/nicht toleriert; persistierende Symptome; pelvine Zeichen ohne Verdacht auf tiefe Endometriose
Spezialisiertes ZentrumVerdacht auf Endometriome; tiefe Endometriose (Darm, Blase, Ureter); extra-pelvine Endometriose; Patientinnen unter 17 Jahren

Operative Therapie und Kinderwunsch

Chirurgische Eingriffe sollten gemäß Leitlinie laparoskopisch durchgeführt werden. Bei einer diagnostischen Laparoskopie sollte die Behandlung von peritonealer Endometriose und unkomplizierten Ovarialendometriomen direkt erwogen werden.

Wenn der Erhalt der Fruchtbarkeit Priorität hat, wird die Exzision oder Ablation der Endometriose plus Adhäsiolyse empfohlen, da dies die Chancen auf eine spontane Schwangerschaft erhöht. Bei Endometriomen wird eine laparoskopische Zystektomie oder eine Drainage mit Ablation empfohlen.

Es wird davon abgeraten, hormonelle Therapien (allein oder in Kombination mit einer Operation) bei Personen mit Kinderwunsch einzusetzen. Die Leitlinie betont, dass Hormongaben die spontanen Schwangerschaftsraten nicht verbessern.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, eine Endometriose aufgrund unauffälliger Untersuchungsergebnisse vorschnell auszuschließen. Ein normaler Tastbefund sowie ein unauffälliger Ultraschall oder MRT-Befund schließen das Vorliegen der Erkrankung nicht aus, weshalb bei persistierenden Symptomen eine Überweisung oder diagnostische Laparoskopie erwogen werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Ein transvaginaler Ultraschall wird laut Leitlinie empfohlen, um Endometriome und tiefe Endometriose zu identifizieren. Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Endometriose jedoch nicht aus, da oberflächliche Läsionen oft nicht darstellbar sind.

Die Leitlinie empfiehlt als ersten Schritt einen etwa dreimonatigen Therapieversuch mit Paracetamol oder NSAR. Diese Medikamente können je nach Bedarf einzeln oder in Kombination eingenommen werden.

Nein, die Leitlinie rät explizit davon ab. Der Serumwert CA125 wird als ungeeignet für die Diagnosestellung einer Endometriose eingestuft.

Die Leitlinie rät vom Einsatz hormoneller Therapien zur Steigerung der Fruchtbarkeit ab. Es wird betont, dass Hormonbehandlungen die Rate an spontanen Schwangerschaften nicht verbessern.

Eine Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum wird empfohlen bei Verdacht auf tiefe Endometriose (z. B. an Darm oder Blase), bei Endometriomen oder bei extra-pelvinem Befall. Auch junge Patientinnen unter 17 Jahren sollten laut Leitlinie dorthin überwiesen werden.

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Quelle: NICE Guideline on Endometriosis (NICE, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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