Mercaptopurin in Schwangerschaft & Stillzeit: Embryotox
Hintergrund
Mercaptopurin (6-MP) ist ein Purinanalogon, das in niedriger Dosierung immunsuppressiv und in hoher Dosierung zytostatisch wirkt. Es wird unter anderem bei akuter lymphatischer Leukämie, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und weiteren Autoimmunerkrankungen eingesetzt.
Der Wirkstoff ist biologisch inaktiv und wird in den aktiven Metaboliten 6-Thioguaninnucleotid (6-TGN) umgewandelt. Es besteht ein plazentarer Übergang, wobei die Konzentrationen im mütterlichen Blut und im Nabelschnurblut in vergleichbarer Höhe nachweisbar sind.
Das Prodrug von Mercaptopurin ist Azathioprin, für das ein deutlich höherer Erfahrungsumfang vorliegt. Die immunsuppressive Wirkung beider Substanzen wird als vergleichbar eingestuft.
Empfehlungen
Die Embryotox-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung von Mercaptopurin:
Schwangerschaftsplanung und Neueinstellung
Von einer Neueinstellung während der Schwangerschaft wird aufgrund des mäßigen Erfahrungsumfangs abgeraten.
Es wird betont, dass initial eine erhöhte Gefahr für Komplikationen wie Pankreatitis oder Myelosuppression besteht.
Bei stabil eingestellten Patientinnen sollte individuell geprüft werden, ob eine effektive Krankheitskontrolle mit besser untersuchten Alternativen (z. B. Azathioprin oder TNF-alpha-Antagonisten) möglich ist.
Überwachung während der Schwangerschaft
Nach einer Exposition im ersten Trimenon wird eine weiterführende Ultraschalluntersuchung zur Bestätigung einer normalen fetalen Entwicklung empfohlen.
Bei langfristiger Einnahme rät die Leitlinie zu sonographischen Kontrollen des fetalen Wachstums sowie zu einer regelmäßigen internistischen Mitbetreuung.
Es wird darauf hingewiesen, dass das Risiko für eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase unter Thiopurin-Therapie erhöht ist.
Perinatales Management
Tritt bei der Schwangeren im dritten Trimenon eine Leukopenie auf, sollte die Dosis laut Leitlinie verringert werden, sofern dies medizinisch vertretbar ist.
Für das perinatale Management gelten folgende Empfehlungen:
-
Bei allen in der Spätschwangerschaft exponierten Neugeborenen auf klinische Zeichen einer Hämatopoesestörung achten
-
Gegebenenfalls eine Blutbildkontrolle beim Neugeborenen durchführen
-
Bei mütterlicher Leukopenie im dritten Trimenon zwingend das kindliche Blutbild kontrollieren
Paternale Anwendung und Stillzeit
Eine Therapie des werdenden Vaters muss laut Leitlinie weder bei Kinderwunsch noch während der Schwangerschaft der Partnerin umgestellt werden.
Es gibt keine Hinweise auf negative Auswirkungen auf die männliche Fertilität oder den Schwangerschaftsverlauf.
Die Leitlinie gibt an, dass sich eine Therapie mit Mercaptopurin und das Stillen generell nicht ausschließen, auch wenn besser untersuchte Alternativen bevorzugt werden sollten.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät von einer Neueinstellung mit Mercaptopurin während der Schwangerschaft ab.
Als Grund wird der mäßige Erfahrungsumfang sowie die initial erhöhte Gefahr für Nebenwirkungen wie Pankreatitis oder Myelosuppression genannt.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist bei Neugeborenen, die in der Spätschwangerschaft gegenüber Mercaptopurin exponiert waren, auf eine mögliche Myelosuppression zu achten. Es wird empfohlen, bei klinischen Auffälligkeiten oder bei einer mütterlichen Leukopenie im dritten Trimenon eine Blutbildkontrolle beim Kind durchzuführen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Risiko für eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase der Mutter unter der Therapie erhöht ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie stellt klar, dass eine paternale Therapie mit Mercaptopurin weder bei Kinderwunsch noch während der Schwangerschaft umgestellt werden muss. Es gibt keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Spermienqualität oder negative Auswirkungen auf das Kind.
Laut Leitlinie schließen sich eine Therapie mit Mercaptopurin und das Stillen nicht grundsätzlich aus, auch wenn besser untersuchte Alternativen bevorzugt werden sollten. Bei klinischen Auffälligkeiten des Säuglings wird eine Blutbildkontrolle empfohlen.
Als besser geeignete Alternativen nennt die Leitlinie das Prodrug Azathioprin, für das ein deutlich höherer Erfahrungsumfang vorliegt. Zudem werden TNF-alpha-Antagonisten und andere geeignete Biologika als mögliche Optionen aufgeführt.
Bisherige Daten und Studien zeigen laut Leitlinie keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Spontanaborte nach einer Exposition im ersten Trimenon. Der Erfahrungsumfang für Mercaptopurin in der Schwangerschaft wird insgesamt als mittel eingestuft.
Es wird empfohlen, das fetale Wachstum regelmäßig sonographisch zu kontrollieren und eine internistische Mitbetreuung sicherzustellen. Zudem sollte bei einer mütterlichen Leukopenie im dritten Trimenon eine Dosisreduktion erwogen werden, sofern dies medizinisch vertretbar ist.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Embryotox: Mercaptopurin in der Schwangerschaft/Stillzeit (Embryotox, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.