Elacestrant bei Mammakarzinom: Zusatznutzen, Indikation
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A23-104 untersucht den Zusatznutzen von Elacestrant (Orserdu) bei der Behandlung des Mammakarzinoms. Der Wirkstoff wird als Monotherapie bei postmenopausalen Frauen sowie Männern eingesetzt.
Die Indikation umfasst das Östrogenrezeptor(ER)-positive, HER2-negative, lokal fortgeschrittene oder metastasierte Mammakarzinom. Eine zwingende Voraussetzung für die Therapie ist das Vorliegen einer aktivierenden ESR1-Mutation.
Zudem muss die Erkrankung der Betroffenen nach mindestens einer endokrinen Therapielinie fortgeschritten sein. Diese Vortherapie muss zwingend einen CDK4/6-Inhibitor beinhaltet haben.
Empfehlungen
Das IQWiG formuliert basierend auf der Dossierbewertung folgende Kernaussagen zum Zusatznutzen:
Bewertung für postmenopausale Frauen
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Elacestrant im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten aus der EMERALD-Studie wurden als nicht geeignet eingestuft.
Der Ausschluss der Daten wird damit begründet, dass der Hersteller nachträglich und ohne ausreichende Begründung 30 Patientinnen aus der relevanten Studienpopulation ausgeschlossen hat. Dadurch ist unklar, ob die Ergebnisse potenziell ergebnisgesteuert verzerrt wurden.
Bewertung für Männer
Auch für männliche Patienten sieht das IQWiG den Zusatznutzen als nicht belegt an. In der relevanten Teilpopulation der Zulassungsstudie befanden sich ausschließlich Frauen mit einer ESR1-Mutation.
Da keine Daten für Männer mit der entsprechenden Mutation vorliegen, kann keine Aussage zu einem möglichen Zusatznutzen getroffen werden.
Zweckmäßige Vergleichstherapie
Die Bewertung erfolgte gegenüber den vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegten Standardtherapien. Diese umfassen je nach Vortherapie:
-
Für Frauen: Tamoxifen, Anastrozol, Letrozol, Exemestan, Fulvestrant oder Everolimus in Kombination mit Exemestan
-
Für Männer: Aromatasehemmer in Kombination mit einem GnRH-Analogon oder Fulvestrant
Dosierung
Die Dosierungsempfehlungen basieren auf den Angaben zur qualitätsgesicherten Anwendung im Dossier:
| Patientengruppe / Situation | Dosis | Hinweise |
|---|---|---|
| Standarddosierung | 345 mg | Einmal täglich |
| Mittelschwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh B) | 258 mg | Einmal täglich, unter Vorsicht |
| Gleichzeitige Gabe starker CYP3A4-Inhibitoren | 86 mg | Einmal täglich, unter sorgfältiger Überwachung |
| Gleichzeitige Gabe moderater CYP3A4-Inhibitoren | 172 mg | Einmal täglich, Reduktion auf 86 mg erwägbar |
Kontraindikationen
Das Dossier nennt folgende Warnhinweise und Einschränkungen für die Anwendung:
-
Schwangerschaft und Stillzeit: Die Anwendung ist kontraindiziert. Es wird eine wirksame Empfängnisverhütung während und bis zu einer Woche nach der Therapie empfohlen.
-
Schwere Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C): Die Anwendung wird mangels klinischer Daten nicht empfohlen.
-
CYP3A4-Interaktionen: Die gleichzeitige Anwendung von starken oder moderaten CYP3A4-Inhibitoren sowie -Induktoren sollte vermieden werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Dossierbewertung wird die Wirksamkeit und Sicherheit von Elacestrant maßgeblich durch CYP3A4-Interaktionen beeinflusst. Es wird darauf hingewiesen, dass bei zwingender Gabe von CYP3A4-Inhibitoren eine strikte Dosisreduktion von Elacestrant erforderlich ist. Zudem wird betont, dass die Therapie zwingend den vorherigen Nachweis einer aktivierenden ESR1-Mutation voraussetzt.
Häufig gestellte Fragen
Die empfohlene Dosis beträgt laut Fachinformation 345 mg einmal täglich. Die Einnahme wird fortgesetzt, solange ein klinischer Nutzen festzustellen ist oder bis inakzeptable Toxizitäten auftreten.
Das IQWiG bewertet den Zusatznutzen von Elacestrant sowohl für Frauen als auch für Männer als nicht belegt. Die vorgelegten Studiendaten wurden aufgrund methodischer Mängel und post-hoc durchgeführter Patientenausschlüsse als nicht bewertbar eingestuft.
Ja, die Zulassung setzt den Nachweis einer aktivierenden ESR1-Mutation voraus. In der Zulassungsstudie wurde diese Mutation mittels Liquid-Biopsy aus dem Blutplasma bestimmt.
Bei leichter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei mittelschwerer Störung (Child-Pugh B) wird eine Reduktion auf 258 mg täglich empfohlen, während die Gabe bei schwerer Insuffizienz nicht empfohlen wird.
Eine versäumte Dosis kann innerhalb von 6 Stunden nachgeholt werden. Sind mehr als 6 Stunden vergangen, wird empfohlen, die Dosis an diesem Tag auszulassen und am Folgetag zur gewohnten Zeit fortzufahren.
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Quelle: IQWiG A23-104: Elacestrant (Mammakarzinom; = 1 Vortherapie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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