Doravirin/Lamivudin/Tenofovir: Zusatznutzen bei HIV-1
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A19-05 bewertet den medizinischen Zusatznutzen der fixen Wirkstoffkombination Doravirin/Lamivudin/Tenofovirdisoproxilfumarat (DOR/3TC/TDF). Die Bewertung bezieht sich auf Erwachsene, die mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) infiziert sind.
Voraussetzung für die Anwendung ist, dass die HI-Viren keine Mutationen aufweisen, die mit einer Resistenz gegen nicht nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI), Lamivudin oder Tenofovir assoziiert sind.
Für die Nutzenbewertung unterscheidet das Institut zwischen therapienaiven und vorbehandelten Patientengruppen. Als zweckmäßige Vergleichstherapie für therapienaive Personen wurde Dolutegravir (DTG) in Kombination mit zwei nukleosidischen/nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) festgelegt.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Therapienaive Erwachsene
Für diese Gruppe wurde ein indirekter Vergleich über den Brückenkomparator Efavirenz herangezogen. Laut IQWiG zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied bezüglich der Gesamtmortalität oder AIDS-definierender Ereignisse.
Auch bei den Endpunkten für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse konnte kein Unterschied festgestellt werden. Ein Zusatznutzen ist für therapienaive Erwachsene damit nicht belegt.
Vorbehandelte Erwachsene
Für vorbehandelte Erwachsene mit HIV-1-Infektion wurden vom pharmazeutischen Unternehmer keine verwertbaren Daten für einen Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vorgelegt.
Die zweckmäßige Vergleichstherapie besteht laut Festlegung aus einer individuellen antiretroviralen Therapie unter Berücksichtigung der Vortherapien. Für diese Patientengruppe ist ein Zusatznutzen ebenfalls nicht belegt.
Endpunkte und Lebensqualität
Der Bericht hält fest, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität in keiner der eingeschlossenen Studien erhoben wurde.
Als Surrogatendpunkte wurden das virologische Ansprechen und die CD4-Zellzahl betrachtet. Auch hier ergab sich laut Bericht kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie.
Dosierung
Laut den im Bericht zitierten Fachinformationen gelten folgende Dosierungsrichtlinien:
| Wirkstoffkombination | Dosierung | Einnahmehinweise |
|---|---|---|
| Doravirin / Lamivudin / Tenofovirdisoproxil | 100 mg / 300 mg / 245 mg | 1-mal täglich 1 Tablette, unzerkaut, unabhängig von Mahlzeiten |
Wird eine Dosis vergessen, kann diese innerhalb von 12 Stunden nachgeholt werden. Sind mehr als 12 Stunden vergangen, wird beschrieben, die Dosis auszulassen und zum regulären Einnahmezeitpunkt fortzufahren.
Kontraindikationen
Der Bericht verweist auf folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Eine gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A-Induktoren ist kontraindiziert (z. B. Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifampicin, Rifapentin, Johanniskraut, Mitotan, Enzalutamid, Lumacaftor).
-
Das Präparat darf nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln angewendet werden, die Doravirin, Lamivudin, Tenofovirdisoproxil, Tenofoviralafenamid oder Adefovirdipivoxil enthalten.
-
Bei schwerer Leberfunktionsstörung wird zu besonderer Vorsicht geraten.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht ist bei der Verordnung von Doravirin/Lamivudin/Tenofovirdisoproxil zwingend auf mögliche Resistenzen zu achten. Es wird betont, dass die Therapie nur eingeleitet werden sollte, wenn keine Mutationen vorliegen, die Resistenzen gegen NNRTI, Lamivudin oder Tenofovir verursachen. Zudem ist eine vorherige Testung auf eine Hepatitis-B-Koinfektion vorgesehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen weder für therapienaive noch für vorbehandelte Erwachsene belegt. Für therapienaive Patienten zeigte sich im indirekten Vergleich kein Vorteil gegenüber Dolutegravir plus zwei NRTI.
Der Bericht definiert Dolutegravir in Kombination mit zwei NRTI als zweckmäßige Vergleichstherapie für diese Gruppe. Alternativ wird Rilpivirin in Kombination mit zwei NRTI genannt.
Nein, die Dokumentation weist darauf hin, dass die gleichzeitige Gabe von starken CYP3A-Induktoren wie Rifampicin oder Johanniskraut kontraindiziert ist. Dies könnte die Wirksamkeit von Doravirin verringern.
Es wird beschrieben, dass eine vergessene Tablette innerhalb von 12 Stunden nachgeholt werden kann. Sind mehr als 12 Stunden vergangen, soll die Dosis laut Fachinformation ausgelassen werden.
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Quelle: IQWiG A19-05: Doravirin/Lamivudin/Tenofovirdisoproxil (HIV-Infektion) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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