Dolutegravir/Lamivudin: HIV-Therapie und Zusatznutzen
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das IQWiG mit der Nutzenbewertung der Fixkombination Dolutegravir/Lamivudin (DTG/3TC) beauftragt. Die Bewertung bezieht sich auf die Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1).
Die Zielpopulation umfasst Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg. Voraussetzung für die Therapie ist, dass das HI-Virus keine bekannten oder vermuteten Resistenzen gegenüber Integrase-Inhibitoren (INI) oder Lamivudin aufweist.
Der Bericht unterscheidet zwischen therapienaiven und antiretroviral vorbehandelten Patientengruppen. Für die Bewertung wurden Daten aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) mit einer Mindestdauer von 48 Wochen herangezogen.
Empfehlungen
Laut IQWiG-Bericht ergeben sich je nach Vorbehandlung unterschiedliche Bewertungen für den Zusatznutzen.
Therapienaive Erwachsene
Es zeigt sich für therapienaive Erwachsene ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen von DTG/3TC im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Dieser Vorteil basiert auf einem geringeren Schaden im Bereich der nicht schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Konkret trat unter der Therapie mit DTG/3TC signifikant seltener Übelkeit auf. Hinsichtlich der Mortalität und Morbidität (wie AIDS-definierende Ereignisse oder virologisches Ansprechen) ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
Vorbehandelte Erwachsene
Für antiretroviral vorbehandelte Erwachsene ohne Umstellungsindikation ist ein Zusatznutzen laut Bericht nicht belegt. Die herangezogene Studie verglich DTG/3TC mit der Fortführung der bisherigen individuellen antiretroviralen Therapie.
Es zeigten sich weder positive noch negative Effekte für die Fixkombination. Für vorbehandelte Erwachsene mit einer medizinischen Indikation zur Therapieumstellung lagen keine verwertbaren Daten vor.
Jugendliche
Für therapienaive und vorbehandelte Jugendliche ab 12 Jahren ist ein Zusatznutzen laut IQWiG ebenfalls nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer legte für diese Altersgruppe keine geeigneten Studiendaten vor.
Eine direkte Übertragung der Erwachsenen-Daten auf Jugendliche wurde methodisch als nicht sachgerecht eingestuft.
Dosierung
Die Dosierung erfolgt als Fixkombination in einer Tablette.
| Wirkstoffkombination | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Dolutegravir / Lamivudin | 50 mg / 300 mg 1x täglich | HIV-1-Infektion (Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren, ab 40 kg) |
Bei Nierenfunktionsstörungen mit einer Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min wird die Anwendung nicht empfohlen. Bei leichter oder mittelgradiger Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der sonstigen Bestandteile
-
Gleichzeitige Anwendung mit Dofetilid oder Pilsicainid (aufgrund von Interaktionen)
-
Bei schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Grad C) sollte die Anwendung mit Vorsicht erfolgen, da hierzu keine Daten vorliegen
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt hervor, dass der nachgewiesene Zusatznutzen bei therapienaiven Erwachsenen primär auf einer besseren gastrointestinalen Verträglichkeit (weniger Übelkeit) beruht. Vor Therapiebeginn müssen bekannte oder vermutete Resistenzen gegen Integrase-Inhibitoren oder Lamivudin ausgeschlossen sein. Zudem wird eine Anwendung bei einer Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min nicht empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht besteht für therapienaive Erwachsene ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen. Für vorbehandelte Erwachsene und Jugendliche ist ein Zusatznutzen mangels geeigneter Daten nicht belegt.
Der Bericht begründet den geringen Zusatznutzen mit einem Vorteil bei den Nebenwirkungen. Unter Dolutegravir/Lamivudin trat im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant seltener Übelkeit auf.
Die Fixkombination ist für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Voraussetzung bei Jugendlichen ist ein Körpergewicht von mindestens 40 kg.
Bei einer leichten Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei einer Kreatinin-Clearance von unter 50 ml/min wird die Anwendung laut Fachinformation jedoch nicht empfohlen.
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Quelle: IQWiG A19-55: Dolutegravir/Lamivudin (HIV-Infektion) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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