AIDAA 2025 Leitlinie: Management des schwierigen Atemwegs
📋Auf einen Blick
- •Die AIDAA 2025 Leitlinien aktualisieren die Version von 2016 und umfassen Erwachsene, Geburtshilfe, Pädiatrie sowie Risiko-Extubationen.
- •Neue Aspekte umfassen das Management bei fehlgeschlagener supraglottischer Atemwegssicherung, Maskenbeatmung, Ultraschallnutzung und Sugammadex.
- •Die Evidenzbewertung erfolgt nach dem System der American Heart Association (AHA), nicht nach GRADE.
- •Bei fehlender oder schwacher Evidenz wurde ein Delphi-Verfahren mit 24 Experten durchgeführt (Konsens bei ≥ 75 % Zustimmung).
Hintergrund
Das Management eines unerwartet schwierigen Atemwegs ist eine der kritischsten Situationen in der Anästhesie und Intensivmedizin. Die All India Difficult Airway Association (AIDAA) hat ihre erstmals 2016 veröffentlichten nationalen Leitlinien aktualisiert.
Die Notwendigkeit der AIDAA 2025 Leitlinien ergab sich aus der technologischen Entwicklung und neuen klinischen Praktiken der letzten Jahre. Während die alten Leitlinien primär einen algorithmischen Ansatz für die fehlgeschlagene tracheale Intubation boten, fehlten Handlungsanweisungen für eine fehlgeschlagene supraglottische Atemwegssicherung oder Gesichtsmaskenbeatmung. Zudem wurden der zunehmende Einsatz von Ultraschall im Atemwegsmanagement sowie die Verwendung von Sugammadex in die neuen Leitlinien integriert.
Methodik und Evidenzbewertung
Für die Erstellung der Leitlinien wurden spezifische PICO-Fragen (Population-Intervention-Comparison-Outcome) formuliert und eine systematische Literaturrecherche (Januar 2000 bis Dezember 2024) durchgeführt.
Die Bewertung der Evidenz und die Formulierung der Empfehlungen erfolgten nicht nach dem GRADE-System, sondern nach den Kriterien der American Heart Association (AHA):
| Klasse | Empfehlungsstärke | Nutzen-Risiko-Verhältnis |
|---|---|---|
| Class 1 | Stark | Nutzen >>> Risiko |
| Class 2a | Moderat | Nutzen >> Risiko |
| Class 2b | Schwach | Nutzen > Risiko |
| Class 3 | Kein Nutzen / Schaden | Nutzen = Risiko oder Risiko > Nutzen |
Das Evidenzlevel (Qualität) wurde von Level A (hochwertige Evidenz aus RCTs) bis Level C-EO (Expertenmeinung) eingestuft. Echte Empfehlungen wurden nur bei Level A ausgesprochen, bei geringerer Evidenz wurden "Best Practice Statements" formuliert.
Delphi-Verfahren zur Konsensfindung
Für klinische Fragestellungen mit fehlender oder schwacher Evidenz wurde ein strukturiertes Delphi-Verfahren mit 24 Atemwegsexperten durchgeführt. Ein Konsens galt als erreicht, wenn 75 % oder mehr der Diskussionsteilnehmer der gleichen Aussage zustimmten (Werte 5–7 auf einer 7-Punkte-Likert-Skala).
Beispielhafte Empfehlungen zur Extubation
Die Methodik-Publikation nennt beispielhaft folgende Empfehlungen aus dem Bereich der Risiko-Extubation:
| Fragestellung | Empfehlung / Best Practice | Klasse | Evidenzlevel |
|---|---|---|---|
| Neuromuskuläres Monitoring vor Extubation? | Quantitatives Monitoring (TOF-Ratio >0,9) wird empfohlen, sofern Ausrüstung/Expertise verfügbar. | 1 | A |
| Cuff-Leak-Test vor Extubation? | Ein quantitativer Cuff-Leak-Test kann bei Verdacht auf Atemwegsödem erwogen werden. | 2b | C-LD |
💡Praxis-Tipp
Leitlinienempfehlungen zum Einsatz spezifischer Ressourcen (Geräte, Medikamente) gelten nur bei entsprechender Verfügbarkeit. Fehlen diese, sind die Empfehlungen als 'erstrebenswert' anzusehen und ersetzen niemals das individuelle klinische Urteilsvermögen.