Diabetes bei CKD: Therapie und Leitlinien-Empfehlung

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: KDIGO (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die KDIGO-Leitlinie 2020 adressiert das Management von Diabetes mellitus bei chronischer Nierenerkrankung (CKD). Weltweit steigt die Prävalenz von Diabetes und konsekutiv auch die von diabetischen Nierenerkrankungen.

Eine CKD bei Diabetes ist mit einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko und einer hohen Rate an terminalem Nierenversagen assoziiert. Die Leitlinie fokussiert sich auf evidenzbasierte Strategien zur Progressionsverzögerung und Risikominimierung.

Neue medikamentöse Therapieansätze, insbesondere SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptor-Agonisten, bieten verbesserte Möglichkeiten für die renale und kardiovaskuläre Protektion. Die Leitlinie integriert diese neuen Therapien in ein umfassendes Behandlungskonzept.

Empfehlungen

Glykämisches Monitoring und Zielwerte

Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung des HbA1c-Wertes zur langfristigen Blutzuckerkontrolle (Evidenzgrad 1C). Es wird ein individualisierter HbA1c-Zielwert zwischen < 6,5 % und < 8,0 % empfohlen, abhängig von Lebenserwartung, Komorbiditäten und Hypoglykämierisiko.

Bei fortgeschrittener CKD (G4-G5) oder Dialysepflichtigkeit sinkt laut Leitlinie die Zuverlässigkeit des HbA1c-Wertes. In diesen Fällen wird kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) oder die Selbstmessung des Blutzuckers (SMBG) als sinnvolle Ergänzung beschrieben.

Medikamentöse Therapie (Typ-2-Diabetes)

Als Erstlinientherapie für Personen mit Typ-2-Diabetes, CKD und einer eGFR ≥ 30 ml/min/1,73 m² wird eine Kombinationstherapie empfohlen:

  • Metformin (Evidenzgrad 1B)

  • SGLT2-Inhibitor (Evidenzgrad 1A)

Bei Nichterreichen der glykämischen Ziele oder Kontraindikationen gegen die Erstlinientherapie wird als zusätzliche Medikation ein langwirksamer GLP-1-Rezeptor-Agonist empfohlen (Evidenzgrad 1B). Die Leitlinie rät von der Kombination eines GLP-1-Rezeptor-Agonisten mit einem DPP-4-Inhibitor ab.

Renin-Angiotensin-System (RAS)-Blockade

Es wird empfohlen, bei Vorliegen von Diabetes, Hypertonie und Albuminurie eine Therapie mit einem ACE-Hemmer (ACEi) oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) zu initiieren (Evidenzgrad 1B).

  • Die Dosis sollte bis zur höchsten tolerierten zugelassenen Dosis gesteigert werden.

  • Eine Kombination aus ACEi und ARB wird aufgrund potenzieller Schäden nicht empfohlen.

  • Bei einem Kreatininanstieg von bis zu 30 % innerhalb von 4 Wochen nach Therapiestart sollte die Medikation laut Leitlinie fortgeführt werden.

Lebensstilinterventionen

Die Leitlinie formuliert folgende Empfehlungen zur Ernährung und Bewegung:

  • Eine Proteinzufuhr von 0,8 g/kg Körpergewicht/Tag bei Personen ohne Dialysepflichtigkeit (Evidenzgrad 2C).

  • Bei Dialysepflichtigkeit wird eine höhere Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 g/kg Körpergewicht/Tag beschrieben.

  • Eine Natriumzufuhr von < 2 g pro Tag (entspricht < 5 g Kochsalz) (Evidenzgrad 2C).

  • Moderate körperliche Aktivität für mindestens 150 Minuten pro Woche (Evidenzgrad 1D).

Dosierung

Metformin

MedikamenteGFR (ml/min/1,73 m²)Dosisanpassung laut Leitlinie
Metformin≥ 60Gleiche Dosis fortführen
Metformin45–59Gleiche Dosis fortführen, Dosisreduktion bei Hypoperfusionsrisiko erwägen
Metformin30–44Dosis halbieren (maximale Dosis halbieren)
Metformin< 30Absetzen, nicht neu ansetzen

SGLT2-Inhibitoren

MedikamentStandarddosiseGFR-Grenzen laut FDA-Zulassung (Referenz der Leitlinie)
Empagliflozin10–25 mg 1x täglichKeine Anpassung bei eGFR ≥ 45. Absetzen bei eGFR dauerhaft < 45. Kontraindiziert bei eGFR < 30.
Canagliflozin100–300 mg 1x täglichKeine Anpassung bei eGFR > 60. 100 mg bei eGFR 30–59. Nicht initiieren bei eGFR < 30.
Dapagliflozin5–10 mg 1x täglichKeine Anpassung bei eGFR ≥ 45. Nicht empfohlen bei eGFR < 45. Kontraindiziert bei eGFR < 30.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten

MedikamentDosisCKD-Dosisanpassung
Dulaglutid0,75 mg oder 1,5 mg 1x wöchentlichKeine Dosisanpassung erforderlich
Liraglutid0,6 mg, 1,2 mg oder 1,8 mg 1x täglichKeine Dosisanpassung erforderlich
Semaglutid (s.c.)0,5 mg oder 1,0 mg 1x wöchentlichKeine Dosisanpassung erforderlich
Exenatid10 µg 2x täglichAnwendung nur bei eGFR > 15 bzw. CrCl > 30

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Metformin: Kontraindiziert bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m².

  • SGLT2-Inhibitoren: Eine Neuansetzung bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² wird nicht empfohlen. Bei Nierentransplantierten wird von der Anwendung abgeraten, da diese Gruppe nicht ausreichend untersucht wurde.

  • ACE-Hemmer und ARB: Kontraindiziert in der Schwangerschaft. Die Kombination beider Wirkstoffklassen ist aufgrund potenzieller Schäden (Hyperkaliämie, akute Nierenschädigung) zu vermeiden.

  • GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Kontraindiziert bei medullärem Schilddrüsenkarzinom, multipler endokriner Neoplasie Typ 2 (MEN-2) und akuter Pankreatitis in der Anamnese.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein Anstieg des Serumkreatinins um bis zu 30 % innerhalb der ersten vier Wochen nach Beginn einer Therapie mit ACE-Hemmern oder ARBs ist laut Leitlinie zu erwarten und stellt keinen Grund für ein Absetzen dar. Es wird empfohlen, die Medikation fortzuführen und erst bei einem Anstieg von über 30 % nach alternativen Ursachen wie einer Nierenarterienstenose oder Volumendepletion zu suchen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine routinemäßige Kontrolle des HbA1c-Wertes zweimal jährlich. Bei Nichterreichen der Zielwerte oder nach einer Therapieanpassung wird eine vierteljährliche Messung empfohlen.

Es wird darauf hingewiesen, dass SGLT2-Inhibitoren das Hypoglykämierisiko erhöhen können, wenn sie zusammen mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen eingesetzt werden. In diesen Fällen wird eine Dosisreduktion der bestehenden Medikation empfohlen, um Hypoglykämien zu vermeiden.

Wenn die Therapie mit einem SGLT2-Inhibitor bereits bei einer eGFR ≥ 30 ml/min/1,73 m² begonnen wurde, kann sie laut Leitlinie auch bei einem weiteren Abfall der eGFR bis zum Beginn einer Dialyse fortgesetzt werden. Eine Neuansetzung bei einer eGFR < 30 wird hingegen nicht empfohlen.

Die Leitlinie rät davon ab, ACE-Hemmer oder ARBs bei einer Hyperkaliämie sofort abzusetzen. Stattdessen wird empfohlen, zunächst die Kaliumzufuhr zu reduzieren, Begleitmedikamente zu überprüfen und den Einsatz von Diuretika oder gastrointestinalen Kationenaustauschern zu erwägen.

Für Personen mit Diabetes und chronischer Nierenerkrankung ohne Dialysepflichtigkeit wird eine tägliche Proteinzufuhr von 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Bei Patienten an der Dialyse wird eine höhere Zufuhr von 1,0 bis 1,2 g/kg/Tag beschrieben.

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Quelle: KDIGO 2020: Diabetes in CKD (KDIGO, 2020). Originaldokument ansehen

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