Depression bei Kindern & Jugendlichen: Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG134 befasst sich mit der Erkennung und Behandlung von Depressionen bei Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren sowie Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren. Sie deckt die Versorgung in der Primär-, Gemeinde- und Sekundärversorgung ab.
Eine Depression in dieser Altersgruppe erfordert eine umfassende Beurteilung, die über das reine Zählen von Symptomen hinausgeht. Der familiäre Hintergrund, die bisherige Anamnese und der Grad der psychosozialen Beeinträchtigung spielen eine zentrale Rolle bei der klinischen Einschätzung.
Das Management folgt einem Stufenmodell ("Stepped Care"), das sich nach dem Schweregrad der Erkrankung richtet. Dabei wird zwischen milden, mittelgradigen und schweren depressiven Episoden unterschieden.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik und Assessment
Bei der Beurteilung wird eine routinemäßige Erfassung von Komorbiditäten sowie des sozialen, schulischen und familiären Umfelds empfohlen. Es ist wichtig, direkt nach Alkohol- und Drogenkonsum, Mobbing, Missbrauch, Selbstverletzung und Suizidgedanken zu fragen.
Zudem wird die Erhebung einer Familienanamnese angeraten, um unipolare oder bipolare Depressionen bei Eltern und Großeltern zu prüfen. Zur Überwachung des klinischen Verlaufs bietet sich der Einsatz validierter Selbstauskunftsbögen wie des Mood and Feelings Questionnaire (MFQ) an.
Milde Depression
Bei einer milden Depression wird zunächst ein zweiwöchiges Beobachten und Abwarten ("Watchful Waiting") empfohlen. Antidepressiva sind in dieser initialen Phase kontraindiziert.
Bei Fortbestehen der Symptomatik nach zwei Wochen werden folgende psychologische Therapien als Erstlinie empfohlen:
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Digitale kognitive Verhaltenstherapie (CBT)
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Gruppenbasierte CBT
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Nicht-direktive unterstützende Gruppentherapie (NDST)
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Interpersonelle Gruppentherapie (IPT)
Mittelgradige bis schwere Depression
Kinder und Jugendliche mit mittelgradiger bis schwerer Depression sollten von einem spezialisierten Team beurteilt werden. Für Jugendliche (12 bis 18 Jahre) wird als Erstlinientherapie eine individuelle CBT für mindestens drei Monate empfohlen.
Für Kinder (5 bis 11 Jahre) werden altersgerecht adaptierte Optionen genannt:
-
Familienbasierte interpersonelle Psychotherapie (IPT)
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Familientherapie
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Psychodynamische Psychotherapie
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Individuelle CBT
Medikamentöse Therapie
Zeigt eine mittelgradige bis schwere Depression bei Jugendlichen nach 4 bis 6 Sitzungen psychologischer Therapie keine Besserung, wird eine multidisziplinäre Überprüfung empfohlen. In diesem Fall kann Fluoxetin als medikamentöse Ergänzung angeboten werden.
Antidepressiva sollen ausschließlich nach Beurteilung durch einen Kinder- und Jugendpsychiater verschrieben werden. Die Medikation erfolgt stets in Kombination mit einer psychologischen Therapie.
Dosierung
Für den Einsatz von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen gelten folgende Dosierungshinweise:
| Medikament | Altersgruppe | Startdosis | Erhaltungsdosis / Anpassung |
|---|---|---|---|
| Fluoxetin (Mittel der Wahl) | Kinder und Jugendliche | 10 mg täglich | Erhöhung auf 20 mg nach 1 Woche bei klinischer Notwendigkeit möglich |
| Sertralin / Citalopram (Zweitlinie) | Kinder und Jugendliche | Halbe Erwachsenen-Startdosis | Schrittweise Erhöhung auf Erwachsenendosis über 2-4 Wochen möglich |
Nach Erreichen einer Remission (Symptomfreiheit und volle Funktionsfähigkeit für mindestens 8 Wochen) wird eine Fortsetzung der Medikation für mindestens weitere 6 Monate empfohlen. Das Absetzen erfolgt ausschleichend über 6 bis 12 Wochen.
Kontraindikationen
Für bestimmte medikamentöse und apparative Therapien bestehen klare Warnhinweise:
-
Paroxetin und Venlafaxin werden bei Kindern und Jugendlichen nicht zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.
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Trizyklische Antidepressiva sind für diese Altersgruppe ebenfalls nicht empfohlen.
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Johanniskraut (St. John's wort) wird aufgrund eines unklaren Nebenwirkungsprofils und möglicher Wechselwirkungen (z. B. mit Kontrazeptiva) nicht verschrieben.
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Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist für Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Verordnung von Antidepressiva an Kinder und Jugendliche wird eine engmaschige Überwachung auf suizidales Verhalten, Selbstverletzung oder Feindseligkeit empfohlen, insbesondere zu Beginn der medikamentösen Behandlung.
Häufig gestellte Fragen
Antidepressiva werden nicht als Erstlinientherapie bei milden Depressionen eingesetzt. Bei mittelgradigen bis schweren Depressionen wird Fluoxetin erst erwogen, wenn eine psychologische Therapie nach 4 bis 6 Sitzungen keine Besserung zeigt. Die Verordnung erfolgt stets durch einen Spezialisten und in Kombination mit Psychotherapie.
Fluoxetin ist das einzige Antidepressivum, für das klinische Studien in dieser Altersgruppe ein Überwiegen der Vorteile gegenüber den Risiken zeigen. Als Zweitlinientherapie können unter strengen Voraussetzungen Sertralin oder Citalopram erwogen werden.
Nach Erreichen einer Remission wird eine Fortsetzung der Medikation für mindestens 6 Monate empfohlen. Eine Remission ist dabei definiert als Symptomfreiheit und volle Funktionsfähigkeit für einen Zeitraum von mindestens 8 Wochen.
Von der Anwendung von Johanniskraut bei Kindern und Jugendlichen wird abgeraten. Das Nebenwirkungsprofil in dieser Altersgruppe ist unklar, und es besteht das Risiko von relevanten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, wie beispielsweise Kontrazeptiva.
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Quelle: NICE NG134: Depression in children and young people: identification and management (NICE, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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