Depot-Buprenorphin: Dosierung, Indikation & Umstellung

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die schottische SIGN-Leitlinie 165 formuliert Konsensempfehlungen zur Anwendung von langwirksamem, injizierbarem Buprenorphin (Buvidal) in der Opioidsubstitutionstherapie (OST). Die Behandlung richtet sich an Personen ab 16 Jahren, für die Methadon nicht geeignet ist und bei denen Buprenorphin als angemessen erachtet wird.

Buprenorphin in Depotform ermöglicht Dosierungsintervalle von einer Woche bis zu einem Monat. Dies kann laut Leitlinie die Therapieadhärenz fördern, die Lebensqualität verbessern und das Risiko einer missbräuchlichen Abzweigung (Diversion) von Substitutionsmitteln reduzieren.

Die Leitlinie betont, dass die medikamentöse Therapie stets in ein umfassendes Konzept aus medizinischer, sozialer und psychologischer Betreuung eingebunden sein sollte. Die Verabreichung darf ausschließlich durch geschultes medizinisches Fachpersonal erfolgen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung von langwirksamem Buprenorphin:

Indikation und Vorbereitung

Die Leitlinie empfiehlt die Therapie für Personen mit Opioidabhängigkeit, bei denen eine Behandlung mit Buprenorphin angemessen erscheint. Vor der ersten Gabe wird eine Überprüfung der Leberfunktion empfohlen, da bei schweren Leberfunktionsstörungen eine Kontraindikation besteht.

Es wird geraten, die Aufklärung über Risiken wie Sedierung und Überdosierung bei Beikonsum sicherzustellen. Bei fehlender Einwilligungsfähigkeit aufgrund starker Intoxikation sollte die Verabreichung gemäß Leitlinie verschoben werden.

Therapieeinleitung

Um ein präzipitiertes Entzugssyndrom zu vermeiden, sollte die erste Dosis erst bei objektiven Zeichen eines leichten bis mittelschweren Entzugs verabreicht werden. Bei Personen, die Heroin oder kurzwirksame Opioide konsumieren, wird ein Abstand von mindestens 6 Stunden zum letzten Konsum empfohlen.

Bei einer Vorbehandlung mit Methadon rät die Leitlinie zu einer Dosisreduktion auf maximal 30 mg pro Tag. Die erste Buprenorphin-Injektion sollte frühestens 24 Stunden nach der letzten Methadongabe erfolgen.

Für Personen ohne vorherige Buprenorphin-Exposition wird empfohlen, zunächst 4 mg sublingual zu verabreichen. Danach sollte die Verträglichkeit für eine Stunde beobachtet werden, bevor das Depotpräparat injiziert wird.

Applikation

Die Leitlinie fordert eine streng subkutane Injektion. Eine intravaskuläre, intramuskuläre oder intradermale Verabreichung wird als strikt kontraindiziert beschrieben.

Es wird empfohlen, die Injektionsstellen (Gesäß, Oberschenkel, Abdomen, Oberarm) regelmäßig zu wechseln. Zwischen zwei Injektionen an exakt derselben Stelle sollten bei wöchentlicher Gabe mindestens acht Wochen liegen.

Dosisanpassung und Überwachung

Eine Dosisreduktion wird gemäß Leitlinie bei unerwünschten Wirkungen wie Sedierung, anhaltenden Kopfschmerzen oder erhöhten Leberwerten empfohlen. Bei anhaltendem Suchtdruck oder Entzugssymptomen kann eine Dosissteigerung erwogen werden, sofern keine Nebenwirkungen vorliegen.

Bei akuter Schmerzbehandlung weist die Leitlinie darauf hin, dass aufgrund der Rezeptorblockade durch Buprenorphin möglicherweise höhere Dosen von kurzwirksamen Opioiden erforderlich sind.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende Richtwerte für die Umstellung von täglichem sublingualem Buprenorphin auf langwirksame Injektionen vor. Bei der Umstellung von oromukosalem Buprenorphin (Espranor) gelten aufgrund der höheren Bioverfügbarkeit abweichende Dosisbereiche.

Tägliche Dosis Sublingual (Subutex®)Wöchentliche Dosis (Buvidal®)Monatliche Dosis (Buvidal®)
2–6 mg8 mg-
8–10 mg16 mg64 mg
12–16 mg24 mg96 mg
18–24 mg32 mg128 mg
26–32 mg-160 mg

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende absolute Kontraindikationen für langwirksames injizierbares Buprenorphin:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Hilfsstoffe (z. B. Soja-Phosphatidylcholin, Ethanol)

  • Schwere Ateminsuffizienz

  • Schwere Leberfunktionsstörung

  • Akuter Alkoholismus oder Delirium tremens

Zudem wird vor der gleichzeitigen Anwendung von zentral dämpfenden Substanzen wie Benzodiazepinen, Gabapentinoiden oder Alkohol gewarnt. Diese Kombination erhöht das Risiko für eine potenziell tödliche Atemdepression signifikant.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt eindringlich vor einer versehentlichen intravenösen Applikation des langwirksamen Buprenorphins. Da die Flüssigkeit bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten sofort zu einem festen Gel-Depot aushärtet, besteht bei intravaskulärer Injektion ein hohes Risiko für schwere Gefäßverletzungen, Okklusionen oder thromboembolische Ereignisse. Es wird daher eine strikt subkutane Injektionstechnik empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollte die Methadondosis zunächst auf maximal 30 mg pro Tag reduziert werden. Die erste Injektion mit Buprenorphin darf frühestens 24 Stunden nach der letzten Methadongabe erfolgen, um einen präzipitierten Entzug zu vermeiden.

Die Leitlinie schließt eine Mitgabe (Take-home) oder Selbstverabreichung strikt aus. Die Injektion muss zwingend durch medizinisches Fachpersonal erfolgen.

Es wird die Gabe von Naloxon sowie eine intensivmedizinische Überwachung der Atemfunktion empfohlen. Die Leitlinie betont, dass Naloxon schneller abgebaut wird als das langwirksame Buprenorphin, weshalb eine verlängerte Beobachtungszeit notwendig ist.

Gemäß Leitlinie können für eine ausreichende Analgesie höhere Dosen von kurzwirksamen Opioiden erforderlich sein. Es wird eine engmaschige Überwachung empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für eine Überdosierung oder Atemdepression besteht.

Die Leitlinie gibt an, dass die wöchentliche Dosis bis zu zwei Tage vor oder nach dem regulären Zeitpunkt verabreicht werden kann. Bei der monatlichen Dosis beträgt dieses Zeitfenster bis zu einer Woche vor oder nach dem Termin.

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Quelle: SIGN 165: Long-acting buprenorphine (SIGN, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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