COVID-19: Diagnostik, Therapie und VTE-Prophylaxe
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie bietet umfassende Empfehlungen für das Management von COVID-19 bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie deckt sowohl die ambulante als auch die stationäre Versorgung ab.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Identifikation von schweren Krankheitsverläufen und der strukturierten Therapieeskalation. Zudem werden spezifische medikamentöse Behandlungsansätze sowie die Prävention von Komplikationen detailliert beschrieben.
Die Leitlinie wird kontinuierlich an neue Evidenz angepasst. Sie adressiert unter anderem den Einsatz von antiviralen Medikamenten, Kortikosteroiden und die Thromboseprophylaxe.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik und Assessment
In der ambulanten Versorgung wird laut Leitlinie die Pulsoxymetrie zur Beurteilung der Krankheitsschwere empfohlen. Bei Erwachsenen soll auf Anzeichen einer schweren Erkrankung wie schwere Atemnot in Ruhe, Hämoptysen oder neue Verwirrtheitszustände geachtet werden.
Bei stationärer Aufnahme wird ein ganzheitliches Assessment empfohlen. Dies schließt die Dokumentation von Begleiterkrankungen und die Erfassung der Gebrechlichkeit (Frailty) mittels Clinical Frailty Scale ein.
Respiratorische Unterstützung
Die Leitlinie empfiehlt, vor der Eskalation der Atemunterstützung klare Behandlungsziele festzulegen. Es wird empfohlen, folgende Aspekte zu beachten:
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Für nicht-intubierte Personen mit erhöhtem Sauerstoffbedarf kann eine wache Bauchlage (Awake Prone Positioning) erwogen werden.
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Continuous Positive Airway Pressure (CPAP) wird empfohlen, wenn eine Hypoxämie nicht auf eine Sauerstoffgabe anspricht.
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High-Flow Nasal Oxygen (HFNO) sollte nicht routinemäßig als primäre Atemunterstützung eingesetzt werden, wenn eine Intubation indiziert wäre.
Medikamentöse Therapie
Die Leitlinie spricht sich gegen den routinemäßigen Einsatz von Antibiotika zur Prävention oder Behandlung von COVID-19 aus, sofern kein Verdacht auf eine bakterielle Koinfektion besteht.
Zudem wird vom Einsatz spezifischer Medikamente abgeraten:
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Ivermectin, Colchicin, Azithromycin und Doxycyclin sollen nicht zur spezifischen COVID-19-Therapie verwendet werden.
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Antivirale Medikamente wie Nirmatrelvir/Ritonavir oder Remdesivir werden nur für spezifische Hochrisikogruppen empfohlen.
Komplikationsmanagement und VTE-Prophylaxe
Es wird empfohlen, bei allen stationär aufgenommenen Personen das Blutungsrisiko zeitnah zu erfassen. Zur Thromboseprophylaxe formuliert die Leitlinie folgende Punkte:
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Eine medikamentöse Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin (NMH) in Standarddosis wird für mindestens 7 Tage empfohlen.
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Bei Personen mit niedrigem Sauerstoffbedarf kann eine therapeutische NMH-Dosis für bis zu 14 Tage erwogen werden, sofern kein erhöhtes Blutungsrisiko besteht.
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Die Dosierung sollte nicht auf Basis von D-Dimer-Werten angepasst werden.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt Dexamethason (oder alternativ Hydrocortison beziehungsweise Prednisolon) für Personen mit COVID-19, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Die Therapie sollte für bis zu 10 Tage erfolgen.
| Medikament | Dosis (Erwachsene) | Applikationsweg | Dauer |
|---|---|---|---|
| Dexamethason | 6 mg einmal täglich | Oral oder intravenös | Bis zu 10 Tage |
| Prednisolon (Alternative) | 40 mg einmal täglich | Oral | Bis zu 10 Tage |
| Hydrocortison (Alternative) | 50 mg alle 8 Stunden | Intravenös | Bis zu 10 Tage |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie dürfen Kortikosteroide nicht zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden, wenn die betroffene Person keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigt. Eine Ausnahme besteht lediglich, wenn Kortikosteroide aus anderen medizinischen Gründen indiziert sind.
Baricitinib ist in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Antibiotika routinemäßig bei COVID-19 einzusetzen, da bakterielle Koinfektionen selten sind. Es wird betont, dass hohe CRP-Werte allein nicht zwingend auf eine bakterielle Infektion hinweisen, sondern auch durch die virale Inflammation bedingt sein können. Eine antibiotische Therapie sollte nur bei begründetem klinischem Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion initiiert werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird Dexamethason nur für Personen empfohlen, die einen zusätzlichen Sauerstoffbedarf haben. Bei Personen ohne Sauerstoffbedarf wird von einer Steroidgabe abgeraten.
Die Leitlinie empfiehlt, Antibiotika nicht zur Prävention oder Behandlung von COVID-19 einzusetzen. Sie sind nur bei einem konkreten klinischen Verdacht auf eine bakterielle Koinfektion indiziert.
Es wird eine Standardprophylaxe mit niedermolekularem Heparin für mindestens 7 Tage empfohlen. Dies schließt laut Leitlinie auch die Zeit nach einer möglichen früheren Entlassung ein.
Die Leitlinie rät vom Einsatz von Ivermectin zur Behandlung von COVID-19 ab. Eine Anwendung sollte ausschließlich im Rahmen von klinischen Studien erfolgen.
Für nicht-intubierte Personen mit erhöhtem Sauerstoffbedarf kann laut Leitlinie eine wache Bauchlage erwogen werden. Dies sollte in gemeinsamer Entscheidungsfindung mit der betroffenen Person geschehen.
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Quelle: COVID-19 rapid guideline: managing COVID-19 (NICE, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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