COVID-19 bei Gesundheitspersonal: Monitoring und Schutz
Hintergrund
Medizinisches Personal (Health-care workers, HCWs) hat ein hohes Risiko für eine Exposition gegenüber dem Virus, das COVID-19 verursacht. Infektionen, Isolation und Quarantäne in dieser Berufsgruppe können zu Personalengpässen führen und die Leistungsfähigkeit des gesamten Gesundheitssystems gefährden.
Zudem können infizierte Mitarbeiter als Überträger innerhalb von Gesundheitseinrichtungen fungieren. Die Infektionsquellen beschränken sich dabei nicht nur auf die direkte Versorgung von bekannten COVID-19-Patienten.
Auch die Behandlung von Non-COVID-Patienten, Aufenthalte in Gemeinschaftsbereichen oder Übertragungen im häuslichen Umfeld stellen relevante Infektionswege dar. Die Leitlinie zielt darauf ab, diese Wege systematisch zu identifizieren und gezielte Präventionsmaßnahmen abzuleiten.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie empfiehlt die Etablierung eines spezifischen Überwachungs- und Reaktionssystems für medizinisches Personal.
Detektion und Überwachung
Es wird empfohlen, systematisch Daten zu Infektionen beim Gesundheitspersonal zu erfassen und täglich auf neue Fälle oder Cluster zu prüfen. Ein Cluster ist laut Leitlinie definiert als mindestens zwei Fälle aus derselben Einrichtung oder demselben Wohngebiet mit einem Symptombeginn innerhalb von zwei Wochen.
Untersuchung von Infektionswegen
Bei der Erkennung eines Falles oder Clusters sollte in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden eine Untersuchung aller möglichen Infektionswege erfolgen. Die Leitlinie empfiehlt folgendes Vorgehen bei Clustern innerhalb einer Einrichtung:
-
Bei Personal im selben Arbeitsbereich wird eine nosokomiale Übertragung durch unerkannte COVID-19-Patienten vermutet
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Bei Personal aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen sollte eine Übertragung in Gemeinschaftsbereichen (z. B. Kantine) oder auf dem Arbeitsweg in Betracht gezogen werden
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Bei Personal ohne direkten Patientenkontakt wird eine Ausbruchsuntersuchung zur Identifikation anderer Quellen empfohlen
Treten Cluster in verschiedenen Einrichtungen auf, kann dies laut Leitlinie ein früher Indikator für eine zugrundeliegende Übertragung in der Bevölkerung sein.
Reaktionsstrategien nach Infektionsweg
Die Leitlinie ordnet den identifizierten Infektionswegen spezifische Implikationen und Präventionsstrategien zu. Unabhängig vom vermuteten Übertragungsweg wird die generelle Umsetzung von Basismaßnahmen wie der Händehygiene betont.
| Infektionsweg | Implikation | Empfohlene Reaktionsstrategien |
|---|---|---|
| Nach Behandlung bekannter COVID-19-Patienten | Mögliche Lücke in den Infektionspräventions- und Kontrollprotokollen (IPC) | IPC-Maßnahmen verstärken, Auffrischungsschulungen anbieten, Risikobewertung durchführen |
| Nach Behandlung von Non-COVID-19-Patienten (selber Arbeitsbereich) | Unzureichendes Screening oder mangelnde IPC-Adhärenz in Non-COVID-Bereichen | Allgemeine IPC-Maßnahmen stärken, Screening- und Triage-Strategien neu bewerten |
| Kontakt in Gemeinschaftsbereichen der Einrichtung | Krankenhausinterne Übertragung außerhalb der Patientenversorgung (z. B. Kantine) | Gezielte Desinfektion, systematische Mitarbeiterscreenings, bezahlter Krankenstand, Abstandsregeln verbessern |
| Verschiedene Einrichtungen, selbes Wohngebiet | Lokalisierte Übertragung in der Gemeinde | Auf Abstands- und Hygieneregeln im privaten Umfeld hinweisen, ggf. alternative Unterkünfte/Transportmittel anbieten |
| Verschiedene Einrichtungen, verschiedene Wohngebiete | Großflächige Übertragung in der Bevölkerung | Wochenbasierte Schichtmodelle mit Unterbringung erwägen, regelmäßige Testungen des Personals |
💡Praxis-Tipp
Ein gehäuftes Auftreten von COVID-19-Fällen bei medizinischem Personal aus unterschiedlichen Einrichtungen kann ein früher Indikator für eine unerkannte, großflächige Virusausbreitung in der Allgemeinbevölkerung sein. Die Leitlinie betont zudem, dass Infektionen des Personals häufig nicht durch die direkte Versorgung von COVID-19-Patienten entstehen, sondern durch Kontakte in Pausenräumen, Fahrgemeinschaften oder im privaten Umfeld.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie definiert ein Cluster als mindestens zwei Fälle aus derselben Einrichtung oder demselben Wohngebiet. Voraussetzung ist, dass der Symptombeginn der betroffenen Personen innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen liegt.
Wenn das betroffene Personal nicht im selben Bereich arbeitet, wird eine Überprüfung der Gemeinschaftsbereiche empfohlen. Laut Leitlinie kommen hierfür Orte mit vielen sozialen Interaktionen wie Kantinen, Lobbys oder gemeinsame Transportmittel in Frage.
Es wird eine gezielte Desinfektion der betroffenen Bereiche sowie eine Verbesserung der physischen Abstandsregeln empfohlen. Zudem rät die Leitlinie zu einem systematischen Screening des Personals und der Sicherstellung von bezahltem Krankenstand bei Symptomen.
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Quelle: Exploration of COVID-19 health-care worker cases : implications for action (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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