Videoanrufe gegen Einsamkeit im Alter: Cochrane Review
Hintergrund
Die COVID-19-Pandemie und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen erhöhen das Risiko für Einsamkeit und soziale Isolation bei älteren Menschen. Diese Faktoren sind bekanntermaßen mit einer schlechteren psychischen und physischen Gesundheit assoziiert.
Videoanrufe über das Internet (mittels Computer, Smartphone oder Tablet) gelten als mögliche Intervention, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Durch die Kombination von Bild und Ton sollen sie reale Begegnungen besser simulieren als reine Telefonate.
Der vorliegende Cochrane Rapid Review (2020) untersucht die Wirksamkeit von Videoanrufen zur Reduktion von Einsamkeit, sozialer Isolation und depressiven Symptomen sowie zur Verbesserung der Lebensqualität bei Personen ab 65 Jahren.
Empfehlungen
Der Review fasst die Ergebnisse von drei quasi-randomisierten Studien mit insgesamt 201 Teilnehmern in taiwanesischen Pflegeheimen zusammen.
Einsamkeit und soziale Isolation
Die Evidenz zur Reduktion von Einsamkeit wird von den Autoren als sehr unsicher (Evidenzgrad: Sehr niedrig) eingestuft.
Es zeigte sich laut Auswertung nach drei, sechs und zwölf Monaten kaum bis kein Unterschied zur üblichen Versorgung.
Zur sozialen Isolation als objektivem Parameter lagen in den eingeschlossenen Studien keine Daten vor.
Depression und Lebensqualität
Auch für die sekundären Endpunkte zeigt der Review kaum messbare Effekte:
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Symptome einer Depression veränderten sich nach drei und sechs Monaten im Vergleich zur Kontrollgruppe kaum.
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Nach einem Jahr zeigte sich ein möglicher, aber unpräziser kleiner Effekt auf depressive Symptome.
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Die Lebensqualität wies in einer untersuchten Einzelstudie keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen auf.
Übersicht der klinischen Endpunkte
| Endpunkt | Messinstrument | Effekt nach 3 Monaten (vs. Standardversorgung) | Vertrauenswürdigkeit (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Einsamkeit | UCLA Loneliness Scale | Geringer bis kein Unterschied | Sehr niedrig |
| Soziale Isolation | Keine Daten | Nicht bewertbar | Nicht bewertbar |
| Depressive Symptome | Geriatric Depression Scale | Geringer bis kein Unterschied | Sehr niedrig |
| Lebensqualität | SF-36 (adaptiert) | Geringer bis kein Unterschied | Sehr niedrig |
Methodische Einschränkungen
Die Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit aller Ergebnisse als sehr niedrig ein. Folgende Gründe werden dafür genannt:
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Ein hohes Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) in den Primärstudien.
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Mangelnde Präzision durch sehr geringe Teilnehmerzahlen.
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Indirektheit der Evidenz, da alle Studien in Pflegeheimen stattfanden und die Ergebnisse nicht zwingend auf die häusliche Umgebung übertragbar sind.
💡Praxis-Tipp
Obwohl Videoanrufe in der Praxis häufig zur Kontaktpflege empfohlen werden, weist der Review darauf hin, dass ein messbarer klinischer Nutzen bei Pflegeheimbewohnern aktuell nicht belegt ist. Es wird hervorgehoben, dass zukünftige Interventionen gezielt Personen adressieren sollten, die nachweislich unter Einsamkeit oder sozialer Isolation leiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz hierfür aktuell sehr unsicher. Die vorliegenden Studien zeigten keinen signifikanten Unterschied zur üblichen Versorgung.
Die Auswertung zeigt nach drei und sechs Monaten kaum bis keine Effekte auf depressive Symptome. Nach einem Jahr gab es Hinweise auf eine geringfügige Verringerung, die Datenlage ist jedoch sehr unsicher.
Der Review bemängelt die geringe Teilnehmerzahl, methodische Mängel der Studien und die Beschränkung auf Pflegeheimbewohner. Daher sind die Ergebnisse kaum auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar.
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Quelle: Cochrane Review: Video calls for reducing social isolation and loneliness in older people: a rapid review (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.